So schlimm es auch ist, jetzt fahr’n wir übern See – An der Adria 2021/9

Achtung Ironie

„Schlimm!“ Es ist alles nur schlimm.
Gehört es eigentlich zum Wesen der deutschen Urlauber, immer aller nur schlimm zu finden oder zumindest als unzureichend einzustufen?
Manchmal drängt sich einem wirklich der Verdacht auf, dass es nicht wenige Landsleute gibt, die, wenn sie nichts zu meckern haben, nicht glücklich sind. Dann nämlich, wenn man irgendwo in einem Restaurant Landsleute am Nebentisch hat, die wiederum anderen Landsleuten erzählen, wir „schlimm“ das alles ist. Ob nun die unverschämten Preise für das Parken am Strand (Ey Leute, schon mal in München im Parkhaus gestanden?) oder wie voll es im Krka-Nationalpark ist (Ey Leute, schon mal in Neuschwanstein gewesen?)
„Schlimm, einfach nur schlimm!“

Warum aber müssen sich solche Kartoffeln immer über mehrere Tische hinweg in einer Lautstärke unterhalten, dass es jeder hören kann? Und warum ist ihnen das scheißegal?

Andere nörgeln auf den einschlägigen Bewertungsplattformen, dass ein vom Guide Michelin empfohlenes Restaurant mit ganz exklusivem Essen eine „überkandidelte Speisekarte“ hat. Warum gehen die nicht in ein Touri-Restaurant mit Pizza und essen zum x-ten Mal ihre geliebte Mixed-Grill-Fleischplatte mit Djuvec-Reis? Und dann ist das noch so teuer (Ey Leute, draußen am Eingang hängen Speisekarte – sogar auf deutsch und Preise, vorher mal schauen, wo man hingeht?)
Nein – es ist alles schlimm.
Warum bleiben solche Leute nicht einfach zu Hause oder buchen einen All-Inclusive-Urlaub in irgendeinem Club und bewegen zwei Wochen lang ihren Arsch nicht daraus weg?

Nehmen wir zum Beispiel die Krka – ein traumhaft schöner Nationalpark. Und ja: Man muss Eintritt bezahlen, wenn man da hinein will. Schlimm, schlimm!

Überall stehen Ranger und kontrollieren die Karten, damit sich niemand einfach so ins Tal schmuggelt. Und ja: Das finde ich vollkommen in Ordnung.

Wenn man schon mal an der Krka war oder sich vorab etwas informiert hat, dann weiß man, dass es am unteren Ende, dort wo die berühmten „Winnetou“-Wasserfälle sind, zugeht wie auf dem Stachus – so wie vor ein paar Jahren hier beschrieben. Touristische Hotspots und das ist ganz sicher einer der größten im mittleren Dalmatien, neigen dazu, von Touristen überrannt zu werden. Das liegt in der Natur der Dinge. Es schlimm finden, wenn haufenweise andere Touristen dorthin fahren, derweil man ja selbst gerade mittendrin in den Massen herumstapft und seinen ganz persönlichen Teil zur Fülle beiträgt… Irgendwie schizophren, finden Sie nicht?

Wer aber viel weiter oben in den Park „einsteigt“, der entgeht den Massen (ok, den berühmten Wasserfällen) auch und hat seine Ruhe. Allerdings muss man dann auch ein paar Kilometer mehr quer durch wildes Land fahren. Das aber lohnt sich.
Schlimm allerdings, wenn dann der Roški Slap, auch ein Wasserfall, sich als sparsamer Rinnsal entpuppt. Schlimm, schlimm! Diese Natur, die macht, was sie will. Gleich mal bei Google rummeckern.

Es wäre übrigens gelogen, zu behaupten, dass man dort wirklich ganz allein ist – aber voll sieht irgendwie anders aus…

außer, man ist Zwergkormoran, dann kann es schon mal eng werden.

Vom Roški Slap fährt ein Boot zur Klosterinsel Visovac – das nehmen wir, auch wenn das Geld kostet. Schlimm, schlimm!
Und wir sind ganz allein, die einzigen beiden Passagiere/Touris, die sich zu dem Kloster fahren lassen. Auf der Rückfahrt werden wir dann zu viert sein – wie schlimm.
Und noch schlimmer: Das Boot fährt 10 Minuten später ab als angekündigt. Zustände wie auf dem Balkan.
Ach ja, da sind wir ja auch.

Die Landschaft ist atemberaubend, aber ich höre schon wieder die Nörgler, die anmerken, außer karstigem Felsen sei ja nichts zu sehen.

Eine gute halbe Stunde lässt man uns, die kleine Insel zu erkunden – schlimm, diese Bevormundung. Ein Kloster, heute ein Priesterseminar, ein Gärtchen, ein kleines Museum, ein Souvenirshop und der Bootsanleger…

… mehr gibt es dort nicht zu sehen.

Doch: Schmetterlinge, Blumen, Eidechsen.

Und eine Aussicht auf den See Visovačko jezero, der für jeglichen Wassersport verboten ist. Wie wohltuend. So viel Gegend.

Die Fahrt zum Roški Slap und die zweistündige Bootstour zur Insel hat sich gelohnt. Wirklich.

PS:
Eine Frage hätte ich aber doch noch: Warum in aller Gottes Namen arbeitet mitten im National- und Naturpark jemand mit einem Laubbläser und pustet die wenigen schon gefallenen Blätter vom Weg?

Das ist bestimmt extra für die deutschen Touristen. Ist ja schlimm, wenn alles so ungepflegt ist, hinterher meckern die wieder. Und das wollen wir doch unbedingt vermeiden, oder?

 

Alles von der Adria 2021?

Hier sind alle Beiträge verlinkt: Tage des LichtsTage des Wassers mit Salz darinTage der Touris –  All boobs are amazingTage der VogelbeobachtungTage auf der InselTage im vernarbten LandTage unter WasserSo schlimm es auch ist, jetzt fahr’n wir übern SeeTage der Stille


Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.

Wenn Sie mehr von mir und meiner grantigen Stimmungslage lesen wollen, dann empfehle ich dieses Buch: Renate und das Dienstagsarschloch , das Sie in meinem Web-Shop aber auch in jeder stationären Buchhandlung bestellen können. Klicken Sie auf die Cover-Abbildung um mehr Informationen zu erhalten und in den Web-Shop zu gelangen.
Mehr von meinen Schwimmerlebnissen in Frei- und Hallenbädern, in Seen, Weihern, Flüssen und im Meer finden Sie in meinem Buch Bahn frei – Runter vom Sofa, rein ins Wasser , das Sie ebenfalls in meinem Web-Shop aber auch in jeder stationären Buchhandlung bestellen können.

Diesen Beitrag weiterempfehlen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

%d Bloggern gefällt das: