Tage der Touris – An der Adria 2021/3

Ich weiß, ich habe keinen Anspruch darauf, irgendetwas zu fotografieren ohne dass Touris mir ins/durchs Bild rennen. Wer mein Blog aufmerksam liest, hat aber bereits bemerkt, dass mich so etwas empfindlich nerven kann. Dafür können die Menschen aber nichts. Sie sind einfach da, spazieren vorbei, hasten vielleicht zum nächsten Hotspot oder sie machen das gleiche wie ich:
Als Urlauber ein schönes Gebäude fotografieren. Das ist das gute Recht aller Touris: Ihres, wie meines.
Ein jeder sucht sich den besten Platz für das Bild, das er machen möchte, aus. Die einen zücken ihr Handy – zack Foto, zack weitergehen. Andere laufen suchend umher, nehmen das Gebäude, in dem Fall die Kathedrale vom Heiligen Jakob in Šibenik ins Visier. Wieder andere machen daraus eine Wissenschaft.
So mächtige Gebäude, die eng umbaut sind, erlauben nur Ausschnittbilder oder extreme Weitwinkel, die alles verzerren. Oder man geht an einer der wenigen Stellen, an denen das möglich ist, auf Abstand. Also versuche ich das.
Ich wage nicht zu hoffen, dass niemand mir ins Foto stolpert.
Aber als die blaublümig bekleidete Frau mit Strohhut und goldenen Schluffen sich keine drei Meter vor mir in Positur bringt und Ewigkeiten rumtut, um das gleiche Motiv aufzunehmen, habe ich doch die Faxen dicke.
Sorry, Lady. Wenn ich wegen Dir Fotobomber die Kathedrale schon nicht angemessen fotografieren kann, dann bist Du eben das Motiv. Während Du mir im Bild stehst, überbrücke ich die Wartezeit damit, Dir mein Tele quasi in den Rücken zu bohren. That’s it.

Überhaupt:
Warum fotografiere ich nicht viel öfter wildfremde Menschen?

An der Krka beim Wasserfall Bilušića Buk bei Radučić zum Beispiel hockt sich eine Person direkt in mein Motiv. Na ja -fast. Ich habe ja schon etwa 50 Bilder vorher gemacht. Sie macht nur zwei oder drei, dann wackelt sie von dannen.
Dann kommt der nächste, der übernächste. Alle vom gleichen Stein aus.
Die meisten, die den steilen Pfad vom Parkplatz zum Fluss herunterlaufen, bleiben kaum mehr als 10 Minuten – das reicht für ein Foto, ein Selfie. Man ist ja selbst schließlich so fucking instragramable.

Ist man?
Ja. Ist man. Ganz offensichtlich. Und Frau auch.

Mittlerweile geht mir jegliche Hemmung verloren, meine Kamera ganz unverhohlen auf wildfremde Menschen zu richten, sie zu fotografieren und diese Bilder auch für mein Blog zu benutzen. War da nicht mal was mit der Datenschutzgrundverordnung, der Speicherung digitaler Daten anderer? War da nicht mal was mit der informationellen Selbstbestimmung der Menschen, dem Recht am eigenen Bild?
Aber gab es nicht auch mal Panoramafreiheit (die bei diesen Bildern nun nicht gerade gilt) und die berühmte Street Photography? Und haben nicht alle Touris, die in der Öffentlichkeit Trekkingsandalen tragen, hohnehin jegliche Kontrolle über ihr Leben verloren, weil sie sich selbst so der Öffentlichkeit präsentieren? Ein jeder will schließlich gesehen werden, wenn er so rumläuft.

Das sind Fragen, mit denen ich mich im Urlaub beschäftigen könnte. Und noch etwas muss ich unbedingt in Erfahrung bringen, seit wir im alten Klostergarten in Šibenik im Bistro Caffe Bar Sveti Lovre auf einen Espresso Platz genommen haben. Es ist eine immens wichtige Frage:

Lebt Bette Davis vielleicht doch noch?
Schon, oder?

Natürlich und längst im Verborgenen. Sie saß dort zwei Tische weiter unerkannt (außer von mir), ihre wunderbaren Augen hinter der Sonnenbrille versteckt.
Bette wäre jetzt zwar 113 Jahre alt… aber was heißt das schon?

113 ist das neue 75? Ich denke, das kommt ungefähr hin.

Bette, Du bist erkannt.

 

Alles von der Adria 2021?

Hier sind alle Beiträge verlinkt: Tage des LichtsTage des Wassers mit Salz darinTage der Touris –  All boobs are amazingTage der VogelbeobachtungTage auf der InselTage im vernarbten LandTage unter WasserSo schlimm es auch ist, jetzt fahr’n wir übern SeeTage der Stille


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2 Antworten

  1. Oli sagt:

    Göttlich! Ja, genau so ist es… Komme aus dem schmunzeln nicht mehr raus…! Danke dafür

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