Zypern im November (#06): Von Flamingos, Mohammeds Tante und doofen Leuten

An doofen Leuten mangelt es nicht. Auch nicht im Urlaub. Davon war hier schon mehrfach zu lesen.
Leider läuft man ihnen immer wieder über den Weg oder liest zumindest von ihnen. Und was ich als „doof“ bezeichne“, manifestiert sich vor allem in der Tatsache, dass es Menschen gibt, die, würden sie nur ein ganz klein wenig nachdenken, weitaus weniger Mist ins Netz schreiben würden oder vielleicht das eine oder andere aussichtlose Unterfangen einfach lassen würden. Doch der Reihe nach.

Am letzten Tag unseres Zypern-Urlaubs fahren wir früh nach Larnaka. Wir müssen den Mietwagen abgeben, uns zum Flughafen bringen lassen und beizeiten dort sein. Das gibt uns genug Zeit, die Salzseen südlich der Stadt zu besuchen. Sie liegen direkt am Flughafen, wir kommen also quasi dort vorbei.

Zwei Dinge gibt es dort zu sehen.

1. Die Hala Sultan Tekke

Da wäre zum einen die Hala Sultan Tekke, eine Moschee, die sehr malerisch auf einer kleinen Halbinsel gelegen ist. Zwischen Palmen ragen Kuppel und Minarett der alten Moschee hervor. Weitere Gebäude und ein kleiner Garten ergänzen das Ensemble, es ist eine historische Stätte, an der der Leichnam Hala Sultans in einem steinernen Sarkophag bestattet liegt.


Hala Sultan war eine Tante des Propheten Mohammed, die maßgeblich an der islamischen Eroberung Zyperns beteiligt war und später dort auf der Insel nach einem Sturz von einem Maultier verstarb.

Ob das alles so stimmt, wer weiß das schon? Auf jeden Fall aber nimmt die  Hala Sultan Tekke einen besonderen Stellenwert ein im islamischen Leben Zyperns, auch in der griechisch bestimmten Südteil der Republik. Es ist also ein besonderer Ort, vor allem aber ist es in erster Linie ein in Funktion befindlicher Sakralbau. Das aber scheinen so manche Urlauber zu vergessen. Denn für alle Sakralbauten gelten ein paar Grundregeln, zum Beispiel, dass sie während ritueller Handlungen (z.B. Gottesdienste, Gebetszeiten o.ä.) gesperrt sind, also nicht besichtigt werden dürfen. Zudem ist in manchen Sakralbauten das Fotografieren verboten und der Zutritt zur Besichtigung nur in angemessener Bekleidung gestattet.


Und was in diesem Kontext „angemessen“ bedeutet, definiert nun mal der Eigentümer des Gebäudes bzw. die religiöse Gemeinschaft, die es nutzt. Sollte man eigentlich wissen, kann man wissen, sich also in Internetbewertungen solcher Gebäude darüber zu mokieren, dass Besucher in Shorts und Trägerhemdchen nicht in die Moschee gelassen werden, zeugt von immenser Doofheit. Und zwar von den Leuten, die sich entsprechend äußern. Auch ein um die Hüften gewundenes Tuch stellt keine angemessene Kleidung dar, was ich vollkommen richtig finde.
Ebenso ist es daneben, zu erwarten, dass eine Glaubensgemeinschaft Touristen leihweise am Eingang eines solchen Gebäudes entsprechende Kleidung zur Verfügung stellt. Mancherorts gibt es so etwas, andernorts eben nicht. Und dann muss man eben unverrichteter Dinge draußen warten oder wieder abrücken.


Vielleicht, so sage ich mir einmal mehr, sollte ich diese Google Bewertungen einfach nicht mehr lesen. Sie sind wenig hilfreich, strotzen bisweilen vor Dummheit und Ignoranz.
Es ist übrigens auch wenig angemessen, sich massiv darüber zu beschweren, dass es rings um die Moschee angeblich so fürchterlich nach Katzen stinkt. Ja, ein Hinweis, dass dort viele Katzen herumlaufen, mag vor allem für Katzenhaar-Allergiker sinnvoll sein, mehr aber auch nicht. Es besteht kein Grund, sich darüber hinaus zu echauffieren.

Wer sich aber wenig von solchen Bewertungen beeinflussen lässt, der kann sich eine Moschee aus dem frühen 19. Jahrhundert anschauen. Und ja: Sie ist sehenswert. Der Ort strahlt trotz unmittelbarer Nachbarschaft zum Flughafen Larnaka eine erstaunliche Stille und Friedlichkeit aus. Ein heiliger Ort – fürwahr.


2. Die Flamingos

Und dann gibt es da noch die Flamingos. Tausende dieser wunderbaren Vögel überwintern an und in den Seen. Es ist eine der ganz großen Attraktionen, wenn die ersten Tiere im November dort ankommen, dann, wenn die Seen sich wieder mit Regenwasser gefüllt haben und den Tieren einen geeigneten Lebensraum bieten.
Voller Hoffnung also halten wir Ausschau, sobald wir das Mietauto am Parkplatz abgestellt haben. Doch ist die Enttäuschung groß. Im See stehen zwar schon Tiere, aber so weit weg, dass sie nur rosafarbene Punkte darstellen. Bestimmt sind sie mehr als einen Kilometer entfernt, da nützt es auch nichts, mit dem Vario-Tele ranzuzoomen, da bräuchte es professionellere Ausrüstung.

Nach dem Besuch der Moschee überlegen wir, ob es vielleicht einen geeigneteren Punkt gibt, näher an die Tiere heranzukommen. Es soll einen kleinen Aussichtshügel geben und den steuern wir an. Der Weg führt über einen Damm, der den See in einen großen nordwestlichen und einen sehr viel kleineren Teil direkt neben der Start- und Landebahn des Flughafens teilt. Bei der Fahrt über den Damm entdecken wir weitere Flamingos. Es müssen hunderte sein. Sie stehen in dem kleineren Teil des Sees, relativ nah an der Straße. Da aber ist kein Halten und kein Hinkommen.  Ein Schotterweg führt uns über eine Brachfläche, vermutlich auch ein Teil des Sees, der selten unter Wasser steht.

Dort steht bereits ein Dutzend Fahrzeuge, die Leute sind ausgestiegen und beobachten vom Ufer aus die Flamingos in etwa 250 Meter Entfernung. Es sind Touristen und Einheimische, Birdwatcher mit Ferngläsern, Fotografen mit Monsterteles und die üblichen Menschen, die allüberall ihr Smartphone zücken und Fotos machen.
Bei einer solchen Entfernung wird das allerdings nichts.

Einer (offensichtlich ein Urlauber mit einem am roten Kennzeichen erkennbaren Mietwagen) entledigt sich am Fahrersitz seiner Schuhe und seines T-Shirts. Dann watet er zusammen mit seiner Freundin ins knöcheltiefe Wasser. Weiter und weiter. Immer näher an die Flamingos heran und immer wieder mit seinem Handy fotografierend. Mal die Tiere, mal im Selfiemodus sich und die Freundin.

Das Ganze finden die Flamingos nun weitaus weniger spannend – im Gegenteil. Majestätisch wie unaufgeregt entfernt sich der ganze Schwarm. Sie schreiten einfach davon. Es ist so töricht wie überheblich zu glauben, dass einer wie wir ein wildes Tier, das sich dem Zugriff durch Menschen entziehen will, einholen oder zumindest den Abstand verringen kann.  Das funktioniert bei den allerwenigsten Arten. Einen Moment stapft der Urlauber den Flamingos hinterher, dann gibt er sein unsinniges Ansinnen auf und kehrt zurück.
Das Ganze ist ein lächerliches Unternehmen, zudem ärgerlich für alle Beteiligten, die am Ufer stehen geblieben sind, denn nun sind die Flamingos etwa doppelt so weit weg wie zuvor.

Pech halt für die anderen, vor allem die die erst gerade zum Fotografieren gekommen sind. Die sind dann die Doofen.

 


Zypern im November – alle veröffentlichten Teile:

Ankündigung
Teil 01: Im Tal der Zedern
Teil 02: Das Wrack, das Fels, das Meer
Teil 03: Ein Lost Place der lost Souls
Teil 04: Die Drachenhöhle
Teil 05: Die Akavas Schlucht
Teil 06: Von Flamingos, Mohammeds Tante und doofen Leuten
Teil 07: Auf dem Aphrodite Trail
Teil 08: Paphos, die Kulturhauptstadt Europas 2017
Teil 09: Das Kykkos-Kloster
Teil 10: Polis

Und als Special ein Beitrag in einem anderen Blog:
Ein kleiner Friedhof, wie es hunderte gibt… im Totenhemd-Blog

 


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