Alle sehen Viecher… nur ich nicht

Das ist doch mal wieder vollkommen ungerecht. Alle sehen Viecher. Nur ich nicht. Und damit meine ich jetzt nicht, demenz- oder opiatgeschuldeter Einbildung von Großkatzen im Zimmer oder Zebras im Garten. Ich meine andere Viecher:
Anfang Januar lud ich bei Twitter das Foto von einem Hecht hoch, den ich im Sommer 2021 im Regattasee bei Oberschleißheim gesehen hatte.

Es hagelte Antworten – Begegnungen mit heimischen Wildtieren, bei denen ich nur neidisch werden kann. Ja klar, ich sehe auch viele Tiere, aber viele eben auch nicht. Das liegt natürlich zum Einen daran, dass nicht alle heimischen Tierarten überall vorkommen, das liegt aber auch daran, dass ich es irgendwie doch nicht so drauf habe.
Genannt wurden zum Beispiel:

  • Totenkopffalter, Blattschneiderbiene, Glühwürmchen
  • Hecht
  • Feuersalamander
  • Ringelnatter, Äskulapnatter, Zauneidechse, Blindschleiche
  • Seeadler, Bussard, Eisvogel, Schneehuhn, Auerhahn, Storch, Fasan, Buntspecht, Gänsegeier, Schleiereule, Uhu, Wiedehopf, Waldohreule, Trauerschnäpper, Kolkrabe, Schwarzspecht, Falke, Rot- und Schwarzmilan, Kormoran, Reiher
  • Fuchs, Dachs, Reh, Hase, Waschbär, Wildschwein, Luchs, Wildkatze, Hirsch, Wolf, Maulwurf, Seehund, Wiesel, Nutria, Biber, Murmeltier, Kaninchen, Hermlin, Eichhörnchen, Gämse, Steinbock

Und das sind „nur“ die WOW-Erlebnisse derer, die geantwortet haben. Die vielen Arten, die man einfach immer und überall sehen kann (Schwäne, Enten, Meisen, Kanadagänse, Regenwürmer, Marienkäfer, Hummeln, Kreuzspinnen, Tagpfauenaugen…) sind da gar nicht mit drin. Aber es ging ja auch um diese Highlights, von denen man später am Kaminfeuer den Enkeln erzählt, diese Once-in-a-life Momente.

Die Artenvielfalt verändert sich - Wespenspinne im Garten

Nein, so hochtrabend muss ich das gar nicht beschreiben. Aber ich habe bisher zum Beispiel weder einen Dachs noch einen Eisvogel in heimischer freier Wildbahn gesehen, von Wölfen oder Luchsen brauchen wir gar nicht erst zu reden. Nicht mal eine Kreuzotter. Und würde doch so gerne… Diese alle und noch viel mehr.
Und – verdammt noch mal: Ja. Ich hätte dann gern meine Kamera griffbereit in der Hand. Ich schaffe ja nicht mal ein gutes Eichhörnchenfoto.
Wie gesagt: Ich empfinde das als vollkommen ungerecht. Alle sehen Viecher. Nur ich nicht.

Was natürlich nicht so ganz wahr ist: Der Hecht im Regattasee ist beileibe nicht die einzige spannende und für mich spektakuläre Begegnung mit einer heimischen Wildtierart gewesen.

Viecher Hecht

Hechte konnte ich auch schon in anderen Seen (Wörther Weiher, Hollerner See) entdecken. Ich war fasziniert und begeistert von der Wespenspinne, die wir eine Saison lang im Garten hatten, eine Art, die zugewandert ist und sich mittlerweile auch hierzulande ausbreitet.

Ich habe schon Waldohreulen gesehen, auch Neuntöter, Hufeisenklee-Widderchen, Seehunde, Graukraniche, Kormorane und Wechselkröten.

Auch einen kreisenden Adler über Hohenschwangau, Ringelnattern am und im See oder Milane in der Schweiz. Aber die Viecher waren alle nicht fotografierbar. Und das ist gleich das nächste Problem…

Sehe ich zufällig doch mal ein wildes Tier (Roarrrr), habe ich selten die Kamera zur Hand. Und wenn doch, geht alles oft so schnell, dass mir nicht die Zeit bleibt, sie einzuschalten, den Objektivdeckel herunterzunehmen, das Tier ins Visier zu nehmen, das Bild scharf zu stellen oder stellen zu lassen und abzudrücken. Bin ich Superman?
Nein!
Eben!
Zu spät – zu spät – zu spät…

Viecher Reh

Übrigens hätte ich viele Tiere ohne dieses Blog nie wahrgenommen oder zumindest nicht fotografiert und auch nicht recherchiert, um was es sich eigentlich handelt.
Denn zum Einen treibt es mich sehr oft mit der Kamera zum Spazierengehen nach draußen, auch um meine Serie der im Blog vorgestellten Spaziergänge zu verlängern, zum anderen fotografiere ich per se gerne und zeige auch hier die Ergebnisse – selbst bei „banalen“ Allerweltsvögeln wie Krähen, Blässhühnern oder Kohlmeisen. Die sind überall anzutreffen, wenig spannend, aber trotzdem fotogen.

Viecher

Ungerecht ist es trotzdem: Den Einen flattert, kaum dass sie aus ihrer Haustür gestolpert sind, ein Blaustirn-Wiedehopf vor die Linse (Insider wissen: Hier geht es mal wieder um Inspector Barnaby – und diese Vogelart gibt es gar nicht). Andere wie ich können froh sein, wenn sie mal zumindest ein auch nicht gerade seltenes Landkärtchen in der Sommerausprägung zu Gesicht bekommen.

Viecher: Landkärtchen Schmetterling

Und damit sind sie als Stammleserinnen und -leser bestens eingestimmt auf die bereits angekündigte sechsteilige Serie Wildtiere fotografieren, die im März sukzessive online geht und diversen Fragen zu Tierfotografie und Ethik nachgeht.
Fragen, die um so mehr eine Rolle spielen, wenn man diese Bilder anschließend auch veröffentlicht – sofern man der Meinung ist, dass das Fotografieren von Tieren (ja, ich nenne sie durchaus liebevoll gemeint auch Viecher) durchaus auch bestimmten Regeln und ethischen Prinzipien folgen sollte. Mehr in Kürze.


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1 Antwort

  1. Werner sagt:

    Mit deinen Fotos hast du schon mal eine ganze Reihe von Tieren in den Blog gestellt die zwar einige Leser kennen aber noch nie gesehen haben. Damit meine ich ins Besondere den Hecht, wenn ich nicht grad Taucher oder Angler bin, kann ich den eventuelle in einem großen Aquarium sehen. Also ist das was du siehst granicht mal so schlecht. Ich stimme mit einem Lächeln deiner Selbsteinschätzung zu die da besagt, ich habe nicht drauf.
    Du bist da nicht ganz allein, unter den Zeitgenossen mit gleicher Meinung. Oft läßt man sich von gezeigten Fotos oder Naturfilme täuschen, die Tiere zeigen in einer super Schärfe und Nähe. Was hierbei nicht gesagt wir, dass es oft Zusammenschnitte sind, die über Monate gefilmt und fotografiert wurden. Auch für meine Fotos, brauche ich oft Stunden oder ich gehe ohne Foto Heim .
    Ich habe es oft in meinen Beiträgen geschrieben , dass es die Ausdauer ist die zum Erfolg führt. Oft sind es auch die gesteckten Ziele, die zu hoch sind.
    Ich möchte hier nur mal ein kleines Beispiel dafür geben welche Möglichkeiten es für Beobachtungen gibt. Nach einer langen Erkrankung war ich an einem Rollstuhl gebunden und habe mir unseren eigenen Garten als fotografischen Zielgebiet ausgesucht. Ich habe mir nur den Bereich um den Rollstuhl ausgesucht und den ausdauernd beobachtet. Es waren NUR INSEKTE die ich dort beobachten konnte. Es war bemerkenswert , was sich dort am Boden meines Rasens abspielt.
    Das was jetzt nur ein kleines Beispiel , es muß nicht der Garten sein . Eine kleine Stell in einem Stadtpark können mit viel Ausdauer bemerkenswerte Fotos liefern. Ich selbst bevorzuge Friedhöfe die eine Vielzahl von Tieren zeigt , ich habe von Füchsen , Wildschweine , Rehe und einer großen Auswahl von Vögel gesehen.
    Das Zauberwort für Beobachtungen heißt Ausdauer.
    Liebe Grüße Werner der Vogelknipser

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