Mehr Herbst – Mehr Vögel (Rügen #5)

Mit Vögeln habe ich es ja nicht so. Orinthologie ist nicht unbedingt ein Bereich innerhalb der Biologie, der mich besonders interessiert oder fasziniert. Ich kann die Federviecher kaum auseinanderhalten, schon gar nicht am Geschrei oder Flugbild. Normalerweise krieche ich ja lieber durch die Macchia am Mittelmeer auf der Suche nach Schildkröten.
Vögel zu beobachten, also Bird watching, überlasse ich eher unseren britischen Freunden. Aber es gibt auch eine Fülle deutscher Vogelbeobachter, -Fotografen, die ihre beeindruckenden Bilder in ihren Blogs zeigen: zum Beispiel die Blogs von Linsenfutter, Vogelknipser Werner, Richard vom Tiergartenblog oder Michaels Wilde Motive (dringend mal alle anklicken – es lohnt sich). Auch im Blog von BrigitteE aus Bremen und Alois Absenger aus der Südsteiermark finden sich tolle Vogelfotos.

Kraniche

Als ich eine Dokumentation über Mecklenburg-Vorpommern im Fernsehen sehe und darin von den Tausenden von Graukranichen höre, die im Herbst von Skandinavien nach Rügen kommen, sich Kraft anfressen und versammeln, um dann ihren Zug nach Süden anzutreten, bin ich begeistert.

Krnaiche am Himmel - Hunderte von Vögeln

Das will ich sehen, möglichst von Nahem. Geht aber nicht. Schon klar. Die Schlafplätze der Vögel liegen in den Schilfbuchten am Jasmunder Bodden und sind unerreichbar für normale Leute. Zum einen steht der Bereich unter strengem Naturschutz, zum anderen ist das Wasser dort extrem flach. Es ist also aussichtslos, dorthin zu gelangen. Trotzdem bietet ein Rügener Reeder Kranichfahrten an, zumindest aus der Distanz lassen sich die Tiere beobachten. Super. Wir buchen, lassen uns mit einem Zubringerbus nach Breege bringen und gehen auf Kranichexpedition.

Auf ein paar hundert Meter kann man sich von Wasserseite aus den Plätzen nähern und dann mit Fernglas oder Teleobjektiv die Schwärme beobachten, wie einer nach dem anderen über das Dorf Bobbin heranzieht und hunderte von Tieren kreischend in der Abenddämmerung landen. Es ist ein faszinierendes Naturerlebnis.

Schlafplätze der Kraniche vor Bobbin

Noch mehr Kraniche - vögel in Formation

Ein Biologe an Bord hält einen hoch spannenden und informativen Vortrag, nicht von allen Teilnehmern der Fahrt goutiert, nicht jeder will etwas lernen. Ich erfahre unter anderem, dass über 85.000 Graukraniche aus dem Norden in Mecklenburg-Vorpommern Zwischenstation machen, es aber auch viele Vögel gibt, die das Küstenland zum Brutgebiet erklärt haben.

Ein Trupp von fünf Tieren immerhin zieht einen weiten Kreis über den Bodden und damit auch über unser Schiff.
Die Kamera im Anschlag entstehen auf die Schnelle zig Fotos. Glück gehabt. Wenigstens in ihren Silhouetten erwische ich sie.

Fünf Kraniche - imposante Vögel

Fünf Krnaiche - imposante Vögel

Sie ziehen vorbei - die Kraniche

Immer schwieriger wird es, bei untergehender Sonne noch genug Licht für ein paar Fotos zu bekommen. Also verlagere ich mich auf die andere Seite des Schiffes, stehe dort ziemlich alleine und mache das, was ich eigentlich am allerliebsten fotografiere: Gegenlichtbilder. Schon allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt.

Sonnenuntergang am Jasmunder Bodden

Und sonst?

Natürlich bleibt es nicht bei Kranichen – wer ans Meer fährt, kann unter anderem auch Seeschwalben, Schwäne und Möwen beobachten. Das kann man im Hinterland an Seen, Flüssen auch, aber am Meer ist es eben etwas anderes. Auch sie „schieße ich im Flug ab“. Das ist wesentlich leichter als bei Kranichen.

Möwe über Breege - Schöne Vögel

Flugbild Seeschwalbe

Flugbild junge Möwe. Laute Vögel

Aber nicht nur. Viele Vögel stehen auf Pfosten oder Steinen und halten schön still. So mag ich das.

Seeschwalbe auf Poller - Lieblingsplätze der Vögel

Seeschwalben vor Göhren

Und auch Herr Schwan, dem das Futter noch aus dem Schnabel hängt, als er durch den kleinen Hafen von Breege schwimmt, wird fotografiert.

Schwan im Wasser bei Breege - imposante Vögel

Kormorane

Besonderes Vergnügen macht es aber, die dunklen Kormorane auf dem Schwedensteg vor Göhren im Gegenlicht zu fotografieren, wie sich ihre Silhouette gegen das Wasser abzeichnet. Diese nahezu überall unbeliebten Vögel, die einst fast ausgestorben waren, haben sich wieder rasant ausgebreitet. Fischer beklagen ihr Leid, denn so ein Kormoran ist nicht gerade wählerisch bei seinen Mahlzeiten und holt sich täglich etwa ein halbes Kilo Fisch aus dem Wasser.

Silhouette eines Kormorans - gefrässige Vögel

Vielleicht fotografiere ich sie deshalb so oft, weil sie so unbeliebt sind, sie niemand mag und jeder auf sie schimpft? Ich weiß es nicht.

Besonders schön finde ich die Vögel ja offen gestanden auch nicht, wenn sie mit ihren abgespreizten Flügeln auf den aus dem Wasser ragenden Felsen stehen. Aber Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Immerhin geben sie ein paar recht pittoreske Motive ab. Und so nah bin ich Kormoranen noch nie gekommen, obwohl es auch viele Tiere an den heimischen Seen gibt. Auch dort beschweren sich die Fischer regelmäßig und fordern die Bejagung der Kormorane. Als ob das etwas nützen würde…

Noch mehr Kormorane - vor Gören auf dem Schwedensteg

Kormorane auf einem Gesteinsbrocken - schwarze Vögel

Erst in Sellin von der Seebrücke aus kann ich die Kormorane wirklich aus allernächster Nähe sehen. Ups: Die sind ja gar nicht schwarz:

Kormoran bei Seellin - doch keine schwarzen, sondern braune Vögel

 

 

PS: Im April hörte ich in Wuppertal einen Vortrag von Schildkrötenfreund Axel M. über Sansibar und über den schwarzen Nil. In bester Erinnerung ist der Vortrag unter anderem wegen seiner äußerst süffisanten und pointenreichen Sprache. Ein Highlight, wie es nur Axel M. liefern konnte, war, dass er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, wie Tierfilmer und Fotografen fliegenden Vögeln von unten, vom Boden aus, direkt bis ins A….loch filmen können.

Als wenn das eine besondere Kunst wäre, Axel. Man muss nur eine ruhige Hand, ein Tele und Geduld mitbringen. :)

Möwenpo von unten


Mehr Impressionen von Rügen im Herbst?
Hier: Mehr Insel – Mehr WaldMehr RolandMehr KreideMehr VögelMehr Strand.


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3 Antworten

  1. Freut mich,danke für die Anerkennung! Der Naturfotograf mag oft mit leeren Händen heimgehen-aber nie mit leerm Herzen
    Franz Bagy

  2. BrigitteE sagt:

    Jedem das seine, aber dein Beitrag ist trotzdem sehr schön 😊

  3. Linsenfutter sagt:

    Es ist wie bei vielen anderen Dingen auch. Man muß eine gewisse Leidenschaft entwickeln. Ist man erst „infiziert“ läßt es uns nicht mehr los. Jeder hat da für sich andere Schwerpunkte gesetzt. Ob Natur, Sport o.a. Ich finde das toll. Die Vielfalt ist so spannend und bereichernd.

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