Spazieren statt Schwimmen gehen (#23): Mallertshofer Holz und Heiden

Ohne Facebook und die Schwimmgruppen hätte ich vom Mallersthofer See wohl nichts erfahren – und ohne den Plan und dessen Umsetzung, dort schwimmen zu gehen, vermutlich auch nie etwas von dem vom NSG-00501.01, dem Naturschutzgebiet „Mallertshofer Holz mit Heiden“. Schon beim ersten Besuch war mir völlig klar, dass ich schon bald dorthin zurückkehren würde – aber ohne Schwimmtasche, dafür mit Kamera und Tele.

Ein wolkenverhangener Samstag lädt meine Frau und mich ein, dort einen ausgiebigen Spaziergang zu machen. Unser Weg führt uns von der Ostseite in der Nähe von Eching durch das Naturschutzgebiet bis zum Mallertshofer See und von dort in einem Bogen zurück zum Ausgangspunkt . Es geht durch eine karge Heidelandschaft, dann durch aufgeforstete Kiefernwälder und Waldabschnitte, in denen Eichen, Stieleichen und Weiden wachsen. Die Böden sind mager und trocken, wir sind im Kiesland, das Oberflächenwasser wird schnell nach unten abgeführt.
Kiefern im Mallertshofer Holz

Der Himmel  über uns grollt, Wolken türmen sich, aber es bleibt bis auf wenige Tropfen trocken. Ein perfekter Tag, um in die Heide uns ins Holz (so werden Waldstücke hier genannt) zu gehen. An heißen Sommertagen dürfte es dort ziemlich schweißtreibend sein. Aber so bedrohlich, wie es scheint, ist es dann gar nicht.

Dunkler Himmel über der Heide
Früher war hier ein Truppenübrungsplatz – die Wege zeigen dies noch immer. An verschiedenen Stellen wurde der Kies aus der Erde geholt, so entstand der Mallertshofer See, aber auch die umliegenden Badeseen und einige eingezäunte Weiher, in dem nach Aufschüttungen und aktiver Gestaltung nun der Natur Raum gelassen wird.
Inmitten des Geländes steht ein kleines Kircherl, einst in Nachbarschaft zu zwei Höfen, die aber seit rund 200 Jahren verschwunden sind. Rings ums Kircherl ein paar eiserne verwitterte Grabkreuze, an einem Baum ist ein Porzellanengel mit Draht befestigt. Vermutlich der Frost hat ihn irgendwann zerrissen. Ein fast schon skurriles Detail an dem vermutlich meist frequentierten Punkt in der Heide, denn hier kreuzt der Weg vom Parkplatz zum See die West-Ost-Verbindung „Ingolstädter Landstraße“ und damit ein viel genutzter Radweg. Hier könnte man sich auch seinen Bayern-Entdecker-Stempel abholen, wenn man denn an  der Aktion teilnehmen wollte.

Mallertshofer Kircherl

Verwittertes schmiedeeisernes Kreuz am Kircherl

Porzellanengel an einem Baum

Radwege von Unterschleißheim nach Eching und Garching durchziehen die Heidelandschaft, sie sind ehemalige Panzertrassen. Heute werden sie intensiv genutzt. Seitlich führen immer wieder Trampelpfade durchs hohe Gras oder den Wald. Gelegentlich finden wir große Informationstafeln vom Heidepfad. Sie sind alle auf der Seite des Heimatflächenvereins , der auch die naheliegende Garchinger Heide betreut, abrufbar.

Pfade im Mallertshofer Holz

Inmitten der Mallertshofer HeideManchen Radfahrertrupp, der einen auf den Hauptwegen überholt, möchte man  fragen, ob sie überhaupt irgendetwas wahrnehmen von der Landschaft und seinen Bewohnern, wenn man den Lärm, den sie vor sich herschieben, hinter sich hört. Aber vermutlich geht es den Radlern auch gar nicht darum. Die wollen nur Kilometer machen, frei von Autoabgasen und gefährlichem Straßenverkehr. Das ist ihr gutes Recht. Wer aber entschleunigt, sieht einfach mehr.

Radfahrgruppen passieren den Weg

Denn es gibt viel zu sehen: zum Beispiel Schachbrettfalter und  Braune Waldvögel, um einen Blick auf zwei der dort heimischen, weniger spektakulären Schmetterlinge zu werfen. Dazu aber müsste man anhalten, absteigen und innehalten.

Schachbrettfalter

Brauner Waldvogel

An der Wechselkrötenheide gibt es Nachwuchs. In den flachen Lachen wimmelt es. Tausende von Kaulquappen, viele schon mit Beinen, wuseln darin herum. Nicht weniger viele Tiere haben bereits die Metamorphose vollzogen. Winzige, kaum einen Zentimeter große junge Wechselkröten sitzen zu hunderten auf den warmen Steinen. Nähert man sich, suchen sie hektisch ihr Heil in der Flucht und hüpfen zurück ins Wasser. Trotz Hinweisschildern muss man sich schon die Zeit nehmen und zweimal hinsehen, um diese Tiere zu entdecken.

Lache an der Wechselkrötenheide

Man kann nur hoffen, dass nicht allzu viele von ihnen unter die Fahrradreifen, die Wander- oder Turnschuhe gelangen und ihre Teiche nicht von durstigen, verspielten Hunden mächtig aufgewirbelt werden. Das alles ist für die kleinen Kröten nämlich lebensgefährlich.

Junge Wechselkröte

Am Ostrand lagert eine Herde Moorschnucken, auch weiße, hornlose Heidschnucke genannt. Auch dort gibt es Nachwuchs.

Weiße Heidschnucken

Lamm am Ostrand der Heide

Zahlreiche Blüten von Kratzdisteln, Flockenblumen, Wicken, Wilden Möhren, Nacht- und Königskerzen, Ferkel- und Leinkraut , Schafgarbe und Wegwarte locken Insekten an, nicht nur Schmetterlinge.

Flockenblume in der Mallertshofer Heide

Es blüht

Königskerzen in der Mallertshofer Heide

Kratzdistel
Die zahlreichen Insekten locken ihrerseits wieder Vögel an, die sich von ihnen ernähren, so wie dieser Neuntöter (Danke an „Linsenfutter“ Jürgen , der sich mit den heimischen Vögeln weitaus besser auskennt als ich, für die Bestimmung). Ich bin überrascht, dass der Neuntöter nicht davon fliegt, als ich ihn in den Zweigen entdeckt habe und mich ihm nähere. Erst als ich kaum weiter als zwei Meter entfernt stehe, macht er sich auf und davon.

Neuntöter

Nach knapp 8 Kilometern sind wir am Auto zurück – eine Speicherkarte voller Bilder, von denen ich hier nur ganz wenige zeigen kann.
Viel gesehen, viel gelernt, viel fotografiert und wieder einmal überrascht, dass die Region München so unterschiedliche Facetten aufzuweisen hat.
Aber eine Frage bleibt offen: Warum in Herrgottsnamen steht am Schafpferch eine Sitzbank, die so hoch ist, dass selbst ausgewachsene Menschen mit den Füßen nicht an die Erde kommen. Was soll das?
Spazieren hier sonst Riesen durch das Mallertshofer Holz?

Bank für Riesen?


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3 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Wieder ein schöner Beitrag und Danke für Deinen Hinweis auf meinen Blog. Das Foto ist Dir auch wirklich gut gelungen.
    LG Jürgen

    • zwetschgenmann sagt:

      Ich habe zu danken für die prompte und schnelle Hilfestellung.
      Und den Ansporn, dass es jenseits von Lurchen und Reptilien auch andere spannende Tiere zu sehen und zu fotografieren gibt.
      Sei sicher, den Neuntöter werde ich jetzt immer erkennen.

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