Auf „Heimaturlaub“ (#01): Rund um die Hasper Talsperre

Türmchen an der Hasper Talsperre

Ein Besuch der Hasper Talsperre ist, wenn man in der alten Heimat Hagen zu Besuch ist, bestimmt kein Muss. Früher, in meiner Kinderzeit dort war das anders. Da mussten wir um die Hasper Talsperre laufen, ob wir wollten oder nicht.

Aber früher war alles anders, da lag meterhoch der Schnee und wenn ich in meinem Fotoalbum blättere finde ich tatsächlich alte Bilder, wie wir durch den Schnee um die Hasper Talsperre stapfen. Erbarmen gab es nicht. Abkürzungen auch nicht. Einmal rum, so wollte es das Gesetz. Sonst hätte sich der Weg dorthin auch nicht gelohnt.

Eine Umrundung sind rund 5 Kilometer, sofern man unterhalb der Staumauer einen Parkplatz bekommt, was einigermaßen Glücksache ist, denn sonntags scheint immer noch ein halber Völkerstamm auf Wanderung zu gehen. Oder zu radeln, Hunde Gassi zu führen, zu walken, joggen oder was auch immer.
So auch wir. Denn ich schwelge in Hagen in Erinnerungen, wovon in diesem Blog noch zwei weitere, Beiträge in den kommenden Tagen zeugen werden.
Überrascht bin ich immer wieder, wie laut so ein Rudel Spaziergänger sein kann. Ihre Stimmen hallen von der anderen Seite der Sperre herüber – ein hilf- und orientierungsloses Rudel Gurken im Wald ausgesetzt wäre nichts dagegen.

Die Hasper Talsperre liegt im Südwesten der Stadt, mit einem Fuß schon in Ennepetal. Das war nicht gerade das direkte Einzugsgebiet meiner Kindheit, aber gelegentlich schaffte es meine spazierwütige Mutter, meinen Vater und uns Kinder zu einer Sonntagsrunde zu nötigen. Und der führte dann eben gelegentlich rund um die Sperre, es sollte schließlich was Besonderes sein. Erst am Ende führte uns der Weg über die Staumauer, denn das Beste kommt zum Schluss.
Etwas irritiert nehme ich zur Kenntnis, das die historistischen Türmchen viel weiter am Rand auf Betonsockeln stehen als früher. Bei einer Renovierung der Staumauer wurden sie umgesetzt. Nichts ist halt, wie es früher war.

Staumauer der Hasper Talsperre

Viel zu erzählen gibt es nicht über diesen Spaziergang – viel zu sehen auch nicht. Außer eben die Sperre zur linken, Wald zur rechten (wir gehen gegen den Uhrzeigersinn, weil wir das immer so gemacht haben).

Schockierend ist, wie der Borkenkäfer im viel zu trockenen Wald mittlerweile gewütet und den Fichten den Garaus gemacht hat. Ein Zeichen der Klimaerwärmung, denn der Käfer ist absoluter Nutznießer der warmen trockenen Sommer und eine Fichte nach der anderen verreckt. Überall ragen die verdorrten, nadellosen Stangerl aus dem Wald heraus. Am Wegrand liegen bereits herausgezogene Bäume, denn neben den Borkenkäfern waren es vor allem die Stürme, die den Fichten zu schaffen gemacht und sie reihenweise haben umstürzen lassen.

Der Fichtenwald verreckt

Ein anderer Nutznießer des Klimawandels dürfte der Europäische Ilex sein, einst im mediterranen Raum daheim und nur als Zierpflanze in den Gärten verbreitet, so auch im Garten meiner Eltern. Aber längst haben die Stechpalmen aus den Gärten ihren Weg in die Natur gefunden. Ihr Wasserbedarf ist relativ gering. In Haspe sehr ich einige im Wald.

Ilex - Blätter und Beeren

Es pilzt auch an allen Ecken und Enden. Das gefällt mir. Ich liebe den Blick auf Details im Wald; Farbtupfer, Pilze, Wurzeln. Es gibt immer viel zu entdecken, man muss nur genauer hinschauen.

Fliegenpilze an der Hasper Talsperre

Baumpilze

Schopftintlinge

Malerisch gelegen zwischen den bewaldeten Hügeln am Rande des Sauerlandes ist sie ja – trotz aller Schäden in der Natur. Gedanklich kann man sich beim Spaziergang sonstwohin träumen: Elche? Kanus und Bärenjäger? Alles kein Problem.

Der Wasserstand der Sperre, die als Trinkwasserspeicher dient, ist extrem niedrig – auch ein Zeichen eines viel zu trockenen Sommers.

Niedriger Wasserstand in der Hasper Talsperre

Staumauer der Hasper Talsperre

Zum Abschluss geht es endlich über die Staumauer. Das Highlight. Heute noch.

Staumauer der Hasper Talsperre

Unterhalb der Staumauer der Hasper Talsperre

Groß ist sie ja nicht die Hasper Talsperre, eine Umrundung dauert kaum länger als eine Stunde. Aber das musste sein.
Wenn wir schon mal da sind…

Hasper Talsperre

PS:
Als wir tagsdrauf an der Möhnesperre vorbei fahren, zeigt sich das gleiche Bild. Auch die Möhne ist erschreckend leer. Hier wird das Wasser neben der Energiegewinnung hauptsächlich zur Wasserstandsregulierung der Ruhr eingesetzt. Und da war ganz offensichtlich den Sommer über viel Möhnewasser notwendig.
Die mächtige Staumauer ragt weit aus dem Wasser heraus, die Ufer sind viel breiter als normal. Es hat einfach zu wenig geregnet. Viel zu wenig.

Auf „Heimaturlaub“ in Hagen (#01): Rund um die Hasper Talsperre –  (#02): Auf der Hohensyburg(#03): Im Freilichtmuseum


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2 Antworten

  1. Richard sagt:

    Ein schöner Beitrag mit dem angenehmen Effekt, dass ich durch den Bericht aus Deiner alten Heimat ein Ausflugsziel in meiner neuen Heimat entdeckt habe.
    Über den teilweisen den Zustand der Wälder waren wir bei unseren Wanderungen im Sommer auch erschüttert – nicht nur rund um Hagen und Dortmund, sondern auch weiter im Sauerland. Allerdings wird auch schon wieder reichlich aufgeforstet.

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