Happy Birthday to me – sie werden so schnell groß

Jetzt hätte ich es doch fast verpasst – also „Happy Birthday to me!
Womit ich nicht mich selbst meine, ich bin ja bekanntlich Wassermann und nicht Jungfrau – was keinesfalls bedeuten soll, dass ich es mit der Astrologie halte. Im Gegenteil.
Aber darum geht es heute nicht. Es geht um den Geburtstag meines Blogs, der nicht mehr genau feststellbar ist. Vor zehn Jahren aber, im August 2011 habe ich mich bei WordPress registriert, der erste Schritt in die Bloggerwelt und eine fundamentale Entscheidung, statt zu Blogspot zu pilgern, wie damals viele, zu WordPress zu gehen.
Dem vorausgegangen war eine Veranstaltung:
2011, damals noch in anderer beruflichen Funktion unterwegs, war die Zeit der Partys, Präsentationen und Premieren in unserer Branche. Ein Event jagte den vorangegangenen, klingt toll, war aber in der Rückschau auch eine Ansammlung vieler bedeutungsloser, oberflächlicher Small-Talk-Veranstaltungen mit fast immer den gleichen Leuten, die sich auch immer nur das Gleiche zu erzählen hatten.
Auf einer Veranstaltung im August sprachen wir zum Beispiel übers Bloggen. Svenja erzählte, sie plane auch einen Blog, den es dann auch wirklich gegeben hat. Am 07.08. veröffentlichte sie den ersten und im November des gleichen Jahres ihren letzten Beitrag.
Schade, ich hätte ihr ein längeres Durchhalten gewünscht.
Ich registrierte mich etwas später auf WordPress, veröffentlichte im September die ersten Beiträge, von denen ich einige in den Juli rückdatierte – womit die eigentliche Geburtsstunde heute nicht mehr wirklich greifbar ist.
2012 kam mit dem Wasserfrosch-Schwimmblog eine weitere Plattform zu, die ich mit dem Beitrag Alle tun was  eröffnete. Eine Selbstanklage, den Arsch nicht hochzubekommen, immer träger zu werden und damit jetzt Schluss zu machen. Der Beitrag ist mittlerweile in mein Buch Bahn frei integriert und demzufolge hier nicht mehr verfügbar.

Freund Alex, der grundsätzlich an allem Schuld ist, mich intensiv motiviert hat, sowohl fürs bloggen, als auch fürs Bücher schreiben, der meinen Büchern auch eine ansprechende optische Gestalt verpasst hat, verdient mehr als Dank.  Er holte mein Blog von der WordPress-Plattform auf seinen Server, hat mehr als einmal ein Backup gefahren und Daten wieder hergestellt, wenn nichts mehr ging. aus zwetschgenmann.wordpress.com wurde Zwetschgenmann.de und 2018 war er es, der aus zwei eins machte, nämlich das alte Wasserfrosch.wordpress.com, mein Schwimmblog in diesen importierte. Ein Gewaltakt, ohne ihn hätte ich das nie im Leben so machen können.
Die Zeiten änderten sich, die Bloginhalte auch. Irgendwann war die grantige Betrachtung meiner Mitmenschen, vor allem Renate, auserzählt. Damit drängte die permanente Nörgelei über andere Leute etwas in den Hintergrund. Was in Renate und das Dienstagsarschloch in die Papierform gebracht wurde, ist hier nicht mehr verfügbar, wie auch viele der Beiträge, die die Grundlage für Bahn frei bildeten, vom Blog genommen wurden.

10 Jahre – angesichts der Geschichte der Blogs ist das noch nicht allzu lange. Die ersten Blogs gingen in den 90ern Online, das Wort selbst gibt es seit 1997. Den großen Bang erlebte die Bloggerlandschaft in den frühen 2000ern, seitdem sind viele Tausende dazu gekommen – und viele wieder verschwunden. Teils, weil die Bloggerinnen und Blogger gemerkt haben, dass es doch erhebliche Arbeit bedeuten kann, ein Blog zu betreiben, teils, weil sie mit den erzielten Reichweiten nicht zufrieden waren. 2018 senste die DSGVO durch die Bloglandschaft. Und nicht zuletzt Plattformen wie Instagram, Youtube oder TikTok, die den zunehmend lesemüden oder -unwilligen Userinnen und Usern sehr entgegenkommen, haben Bloggerinnen und Blogger frustriert die Flinten ins Korn werfen lassen, vor allem die, die ihre Internetpräsenz monetarisieren wollen oder müssen.


Den Veränderungen der Mediennutzung wie auch den Interessen „draußen“ habe auch ich Rechnung getragen. Ich lernte, dass Schwimmen, Seen-Erkundungen und Outdoor-Aktivitäten wesentlich mehr Interesse wecken und Klicks generieren als Renate. Selbst ein paar Schmetterling-Fotos ziehen mehr Leute an als Spitzen gegen Renate.
Es streichelt Seele und Befindlichkeiten – vielleicht ist es aber zur Zeit auch das, was wir ganz besonders brauchen.


Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn nicht ein Beitrag, den ich dieses Jahr zum Berglwald schrieb, nicht der mit Abstand meistgeklickte des Jahres wird. Er entwickelt sich zu einem Dauerbrenner, jeden Monat wieder neu.

All dem habe ich Rechnung getragen. Denn natürlich möchte ich auch, dass meine Beiträge Leserinnen und Leser finden. Natürlich bin ich auf das eine oder andere Foto so stolz, dass ich es gerne hier zeige. Ein Fotoblogger bin ich deshalb noch lange nicht – wie auch kein Reise-, Wander-, Sportblogger. Das alles spielt trotzdem hier eine gewisse Rolle.
Genauso, wie ich gelernt habe, dass längere Texte im Netz immer weniger gelesen werden. Manchmal schreibe ich sie trotzdem.  Manchmal gibt es den Grant und manchmal einfach nur Unfug – wie zum Beispiel mit Mohnköpfen.

Ist mein Blog ein Medium von gestern?

Erreichen mich Nachrichten, dass Leute in ihren Garten Gesichter auf die Samenkapseln ihrer Mohnpflanzen gemalt, den einen oder anderen See (wieder-)entdeckt, Spaghettimonster für ihre Kinder gekocht oder die Mallertshofer Heide erkundet haben, weil sie davon in meinem Blog gelesen haben, freut mich das. Als Influencer sehe ich mich deshalb allerdings ganz und gar nicht. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass auch die ernsthaften Themen, ob nun gegen das Schwimmen im Naturschutzgebiet oder über Lutz Gruenstein ein klein wenig von der beabsichtigten Wirkung erzielen.

Ich gebe zu: Auch ich schaue auf die Zahlen. Ein Blick, den ich gerade in meine Statistik geworfen habe, offenbart: Im Moment stehe ich bei 70% der Klicks vom Vorjahr. Mir bleiben noch 4 Monate, ein Dritteljahr, um die „fehlenden 30%“ reinzuholen, und die Zugriffe von 2020 wieder zu erreichen. Es schaut also gut aus, dass der Traffic auch dieses Jahr weiter leicht ansteigen wird. Was will ich mehr?
Ich habe einige enorm treue Leserinnen und Leser, was mich sehr, sehr freut, einige sind mit der dem Umbau des Blogs folgenden neuen Ausrichtung nicht so glücklich. Einige sind irgendwann weggeblieben. Schade.

 

Im Januar gab es eine Blogparade der Münchner Journalistin Meike Leopold. Ich beteiligte mich, zog das Zwischenfazit, dass es mir eigentlich egal ist, ob dem so ist oder nicht. Ich schrieb unter anderem:

Es ist meine Seite, es sind meine Inhalte. Ich schreibe hier, was ich will, wann ich will und wie ich es will. Was auch für die gezeigten Bilder gilt: Meine Fotos. Letztlich das, was es immer war: Mein „digitales“ Erinnerungsbuch (Tagebuch klingt in dem Zusammenhang so albern), das Logbuch meines Alltags, mein Fotoalbum und ein klein wenig auch meine Bühne.
Ob relevant oder nicht.
Fertig.

Happy Birthday to me –
Auf die nächsten 10 Jahre!

 

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2 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    10 Jahre. Herzlichen Glückwunsch von mir. Ein alter Hase. Upps … so alt wird kein Hase. Lach …
    LG Jürgen

  2. Naya sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Blog-Geburtstag!
    Da ich über die Granteleien auf diesen Blog gestoßen bin, würde ich mir wieder davon wünschen.
    Aber da ich selber mittlerweile auch sportlicher und mehr in der Natur unterwegs bin als da, wo ich hier angefangen hab, zu lesen, bin ich auch treue Leserin der anderen Berichte geworden und geblieben. Ich werde also auch ohne Renates weiterhin hier bleiben ;) Aber wenn sich zwischen die tollen Bilder und Berichte ab und zu wieder eine verirrt, ich würd mich sehr freuen :)

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