Mein Blog – ein Medium von gestern? Selbst wenn; mir doch egal

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie über Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit beim Bloggen.

Interessante Fragen wirft die Journalistin Meike Leopold in ihrem Blog start:talking auf:

  • Warum bloggt ihr?
  • Was treibt euch dabei an?
  • Wie gelingt es euch, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und euer Blog lebendig zu halten?
  • Welche Vorteile bringt euch das Bloggen?
  • Woran messt ihr eure Erfolge?
  • Wie schaut es aus mit dem Dialog auf eurem Blog? Bekommt ihr Kommentare und wie stellt ihr das an?
  • Wie können wir Blogger*innen und noch besser untereinander vernetzen?
  • Ist das Blog ein Medium von gestern? Welche Zukunft seht ihr für das Bloggen? (nehmen junge Menschen Blogs überhaupt noch wahr oder nutzen sie?)
  • Müssten wir den Begriff des Bloggens heute vielleicht viel weiter fassen? Ist Bloggen eher ein Mindset und weniger ein Medium?
  • Überlegt ihr, auf ein anderes Medium umzusteigen und/oder mehr auf den Social Media zu posten? Wenn ja, warum?
  • Welche Antworten habt ihr für Leute, die Blogs verbal immer wieder „beerdigen“ wollen oder nicht verstehen, was ihren (Mehr-)Wert ausmacht?

Es ist ihre Einladung zu einer spannenden Blogparade, gleichzeitig aber auch eine zu einer immer wieder notwendigen Selbstreflektion. Warum machen wir Bloggerinnen und Blogger uns eigentlich die ganze Arbeit? Denn ein Blog zu betreiben und mit Inhalten zu füllen ist ja nicht gerade: Schnipp-schnipp gemacht. Ich muss zugeben – über viele dieser Fragen habe ich mit noch nie wirklich viele Gedanken gemacht. Nun könnte ich mich an Ihren Leitfragen entlanghangeln und eine nach der anderen beantworten. Aber viele Fragen sind bereits abgehakt, wenn ich nur die erste beantworte.

Warum blogge ich?

Die Antwort ist simpel: Weil ich es kann (glaube ich) und weil ich Bock drauf habe. Und weil ich das Alles, was hier geschrieben steht oder an Bildern gezeigt wird, keinesfalls in Papierform haben will. Dann sähe das Blog vermutlich so aus:

Akten statt Blog

Dies hier ist ein Privatblog, die Seite verfolgt keine Unternehmens-, Verbands-, Vereins- etc. Interessen und hegt keinerlei kommerzielle Absichten, außer vielleicht, dem einen Leser oder der anderen Leserin eines meiner Bücher, die auch aus diesem Blog entstanden sind, anzudienen. Ich mache das nur aus Spaß an der Sache, Mitteilungs- oder Selbstinzenierungsbedürfnis, Eitelkeit, Überschwang, Enthusiasmus, Freude am Formulieren und Fotografieren, weil mir sonst keiner zuhört… ganz, wie Sie wollen.
Oder, weil vor vielen Jahren mal ein paar Leute gesagt haben, ich könne so gut erzählen, ich solle mehr davon aufschreiben.
Daher brauche ich auch keine besonderen Motivationsübungen. Ohne Motivation passiert hier gar nichts, mit Motivation viel. So simpel ist das.
Der Vorteil: Nichts zu müssen zwingt mich nicht, Beiträge zu verfassen, wenn ich keine Lust zum Bloggen habe. Ich bin vollkommen frei bei Taktzahl und Themenwahl, ich muss nichts zur Sprache bringen, was mich nicht interessiert, wozu ich mich nicht äußern kann oder will – und nichts, was in diesen „Gemischtwaren“-Blog so gar nicht hineinpasst. Kommerzielle Blogs haben da sicher mehr Probleme, da sind die Leitfragen die gleichen, die Antworten dürften aber, wenn Blogs im Rahmen z.B. einer Unternehmenskommunikation bzw. -präsentation, Verbandsarbeit o.ä. genutzt werden sollen, ganz andere sein.

Für mich allerdings ist damit auch beantwortet, was mich antreibt, nämlich das Vergnügen. Das funktioniert unabhängig davon, ob es erfolgreich ist, Relevanz hat oder zu irgendwelchen Ergebnissen bzw. Erfolgen führt. Für mich hat es Relevanz, das reicht – für einige treue Stammleserinnen und -leser auch, das freut mich sehr. Und darüber hinaus? Geht was, ist es gut, geht nichts, auch kein Drama.

Es interessiert mich daher auch nicht sonderlich, ob Bloggen für mich persönliche Vorteile oder Nutzwerte hat. Ich denke nicht, dass das so ist, zumindest wüsste ich keine, die sich monitär wirklich greifen ließen oder welche, die auf meine Bekanntheit/Reputation etc. einzahlen. Kann sein, kann nicht sein, ist aber auch nicht wichtig. Ich muss nichts verkaufen, ich muss nichts abliefern. Schön, wenn ich über das Blog ein paar Buchkäufer finde, schön, wenn es gelegentlich zu Lesungen kommt, aber das ist kein Geschäftsmodell, das sich tragen müsste.

Header im Blog

Und der Erfolg?

Natürlich freue ich mich über Kommentare, es könnten gerne mehr sein, aber ein Blog ist kein Diskussionsforum. Das weiß ich auch und das würde ich auch nicht wollen. Viel mehr Kommentare zu den Beiträgen finden sich nicht hier sondern unter den Verlinkungen in den sozialen Medien, allen voran bei Facebook. Das heißt: Irgendwer liest das tatsächlich, was ich schreibe und scheint das zu mögen. Ein weiteres Indiz sind die Sternchen im WordPress-Reader, die Likes, die man so einsammelt von den anderen Nutzern und Followern dieser App, also anderen Bloggern – womit sich auch schon per se eine gewisse Vernetzung ergibt: Themen, Ideen, Blogparaden, gelegentlich auch Mails werden ausgetauscht. Mir reicht das. Netzwerken ist nett, aber auch immens anstrengend.

Natürlich, ich weiß: Ich liefere schnell verdaulichen Content, ob nun textlich oder weil manche Beiträge fast nur aus einem Dutzend Fotos bestehen. Schnell und stressfrei konsumiert: Klicken, kucken, weiter. Warum aber auch nicht?
Die leicht konsumierbaren Inhalte finden ja nicht nur ihren Weg nach draußen, sie kommen auch meist an ihr Ziel. Und die Zahlen auf dieser Seite steigen. Ich will ehrlich sein: Natürlich schaue ich auch auf die Zahlen. Wer täte das nicht? Sie sind ein Gradmesser für den Erfolg.

Seit Schwimmen coronabedingt in diesem Blog eine kleinere Rolle spielt, ist Fotografie ein wesentlich größeres Thema geworden. Was soll man auch sonst machen, wenn man weder in Schwimmbäder besuchen darf, es für mich im Freiwasser entschieden zu kalt ist und ich mich auch kaum satirisch über die Macken meiner Mitmenschen äußern kann? Ich komme ja kaum noch mit wem zusammen geschweige denn wohin?
Ob diese geänderte Ausrichtung auf Dauer gut ist für das Blog weiß ich nicht – zumindest den Zugriffszahlen aber hat sie einen guten Schub gegeben. Über 20% mehr Zugriffe konnte ich 2020 gegenüber 2019 verzeichnen. Sicher werde ich mich wieder verstärkt um die eigentlichen Themen kümmern, sobald das geht, aber die Bilderbögen haben einen festen Platz eingenommen und erfreuen sich sehr vieler Zugriffe. Sie holen so manches Sternchen bei WordPress. Warum sollte ich das also beenden?
Auch die Twitteraktion #JedeWocheEinFoto, die ich im November übernommen habe, lässt sich sehr gut mit dem Blog kombinieren. Zum Einen, weil ich hier auf meiner Seite die wichtigsten Informationen dazu abgelegt habe, zum anderen, weil ich meine eigenen Bilder im Monats- und einem Jahresrückblick noch einmal alle zeigen kann. Wo, wenn nicht in einem Blog oder seiner eigenen Website könnte ich das?
Und ja, es fand Aufmerksamkeit und viel Interesse.

Noch etwas ist auffällig: Die Schere zwischen Besuchern und Aufrufen geht in meinem Blog immer weiter auf: Will sagen, es klicken immer mehr Leute auf einen weiteren oder auf mehrere Beiträge, was darauf schließen lässt, dass ich nicht nur fehlgeleitete Nutzer der Suchmaschinen hier versammle sondern Leser, die auch stöbern. Das finde ich gut.
Daher stellt sich mir im Moment die Grundsatzfrage, ob Bloggen überhaupt eine Zukunft hat, gar nicht. Mein Blog hat eine Zukunft – und zwar so lange, wie ich Lust dazu habe und es ein paar Leute gibt, die das interessiert, unterhält oder einfach nur mal das Gemüt erfreut. Denn letztlich tun gerade die meisten Landschafts-, Blumen- und Tierfotos genau das: Das Seelchen streicheln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das allerdings ist auch der Sinn des Ganzen. Beim ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 zeigte sich gerade darin die Stärke des Blogs.

„…solche Beiträge…sind absolut systemrelevant, weil sie für ein wenig gute Stimmung sorgen, im Gegensatz zu der deprimierenden Corona-Dauerschleife in allen Medien. Und entschuldigen musst Du Dich für solche anscheinend „banalen“ Beiträge in diesen Zeiten schon gar nicht. Nichts wäre schlimmer, als wenn wir jetzt noch in kollektive Depression verfallen und unsere Gedanken nur noch um Corona kreisen“ sei ein Leserkommentar vom März 2020 zitiert.
Für mich ist das Zuspruch und Anspruch zugleich (die Reformierten unter Ihnen mögen bitte diese Verhunzung einer ihrer Formeln verzeihen).

Birken im Blog

Ergo ist es mir vollkommen egal, ob es Twitterer gibt, die Blogs ein baldiges Sterben prophezeien oder sie verächtlich als ein in die Jahre gekommenes, vollkommen überaltertes Dinosaurier-Medium bewerten. Sollen sie, ich sehe keine Veranlassung, dagegen zu argumentieren, mich zu erklären oder gar zu rechtfertigen, warum ich immer noch blogge. Es ist mir übrigens auch ziemlich egal, ob junge Menschen Blogs überhaupt noch lesen oder lieber Podcasts hören, YT-Channel anschauen, Influencern auf Instagram folgen, TikTok nutzen, snapchatten, Telegram, Clubhouse und was weiß ich alles nutzen. Das können sie halten wie sie wollen.
Dieses Blog ist gar nicht für sie gemacht. Es richtet sich inhaltlich viel eher an Leute, die so ähnlich ticken wie ich selbst, also +/- meine eigene Altersgruppe – und die gehört nun mal zur größten in der Alterspyramide unseres Landes. Die sind genauso im Internet zu Hause, wenn auch auf anderen Plattformen und mit einem Augenmerk auf andere Themen und deren Aufbereitung. Vor allem die, die noch mehr als vier zusammenhängende Sätze sinnerfassend lesen können und das auch wollen.

Aber letztlich gilt: Es ist meine Seite, es sind meine Inhalte. Ich schreibe hier, was ich will, wann ich will und wie ich es will. Was auch für die gezeigten Bilder gilt: Meine Fotos. Letztlich das, was es immer war: Mein „digitales“ Erinnerungsbuch (Tagebuch klingt in dem Zusammenhang so albern), das Logbuch meines Alltags, mein Fotoalbum und ein klein wenig auch meine Bühne.
Ob relevant oder nicht.
Fertig.
Das muss niemandem gefallen, schon gar nicht allen – das soll es nicht und das tut es auch nicht. Aber ich freue mich, wenn es trotzdem Menschen gibt, das das, was hier passiert mögen, wertschätzen und gelegentlich vorbeischauen.
Und genau deshalb wird weiter „geliefert“.

Paketbote im Blog

Versprochen.
Auch bei Sch…wetter.

 


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6 Antworten

  1. Ulrike sagt:

    Moin Lutz, genauso ist es. Es gibt ja keinen Satz in Deinem Beitrag, den ich nicht unterschreiben kann! Und einen möchte ich unterstreichen: „Vor allem die, die noch mehr als vier zusammenhängende Sätze sinnerfassend lesen können und das auch wollen.“ Herrlich und leider so wahr. 
    Bei den ersten Zeilen dachte ich noch, au ja, da mach ich mit, das ist interessant. Aber was soll ich noch hinzufügen? Es ist alles gesagt. 

  2. Moin Lutz, danke für deine klaren Worte inklusive wunderbarer Bebilderung! :) lg, Meike

  3. Naya sagt:

    Ich freue mich über jeden der Blogger, die ich gerne lese (und da gehört deiner definitiv dazu), die beim Bloggen bleiben und nicht zu Podcasts wechseln. Lesen geht in meinem Tempo, was mich vielleicht weniger interessiert überfliege ich, bei Audiobeiträgen bin ich an deren Tempo gebunden – und was gerade bei dir noch wichtiger ist: die Fotos würden mir sehr fehlen, wären deine Texte nicht mehr in Form eines Blogs!

  4. Annemarie sagt:

    Danke für diesen wirklich interessanter Artikel, manche dieser Fragen habe ich mir auch schon öfter gestellt. Vielleicht hast Du mich ja zum Mitmachen bei der Blogparade inspiriert 😉.

  5. Bernhard sagt:

    Ich finde die Bilder sehr schön. Immer das Beste aus einer Situation machen :-)

    LG Bernhard

  6. Peter sagt:

    Hallo Lutz,
    ich lese mich grade durch die anderen Blogs von Meikes Blogparade – es gibt vieles, was uns allen innewohnt: die Lust am schreiben! Ohne die wäre man kein Blogger – jedenfalls kein erfolgreicher! Andere Dinge, bsp. im Bereich Social Media werden eher unterschiedlich beurteilt. Social Media wie Facebook, Twitter und Co.: Ja oder Nein? Die einen schwören drauf – die anderen halten es für Zeitverschwendung.
    Was aber sicher auf uns alle zutrifft – wir machen es nicht nur für uns. Wenn dem so wäre bräuchte man keinen öffentlichen Blog sondern könnte seine Erlebnisse wie früher in ein Tagebusch schreiben, wo es vor neugierigen Blicken sicher wäre.
    In allen von uns steckt deshalb auch ein kleines bisschen ein .. hm jetzt komm ich nicht auf den Namen.. wie sagt man noch zu den Kerlen im Park, die plötzlich ihre Mäntel öffnen.. :-)
    CU
    Peter

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