Ein alter (Echinger) und ein neuer (Tachinger) See (Challenge 2019/6 & 7)

Die zweite Chance für den Echinger See

„Wieder habe ich ein Schwimmgewässer entdeckt, das ich von der Liste eines möglichen Zweitbesuchs gleich wieder streichen kann…“ so urteilte ich im Juni 2015, also vor ziemlich genau vier Jahren über den Echinger See. Nicht viel besser viel meine Beurteilung im Ranking aus: Auf Platz 35 (von vierzig) und “ wegen der Autobahngroßbaustelle auf der A99, die ich passieren müsste, um nach Eching zu kommen“, keinen weiteren Besuch wert. 2015 wurde der See sogar mit zwei weiteren Gewässern in einem gemeinsamen Blogbeitrag verwurschtelt – er war mir nicht mal einen eigenen Blogpost wert, was auch dieses Jahr nicht anders ist.
Das ist hart – hart genug, um auch diesem See eine zweite Chance zu gönnen, denn mein Jahresplan ist es ja, mindestens fünf der Seen, die sich im Ranking ganz weit unten platziert haben oder dorthin durch Neuzugänge abgerutscht sind, einen weiteren Besuch abzustatten.
Also nutze ich das gute Wetter aus, mache früh Feierabend, umrunde München weiträumig über die trotz Großbaustelle staufreie Autobahn und stehe abends am Echinger See als viele Naherholungssuchenden schon wieder das Weite gesucht haben.Echinger See - von Norden nach Süden
Erste Beobachtung: Der See, auch eine ehemalige Kiesgrube, ist doch etwas größer als in meiner Erinnerung. Trotzdem bleibt der Namensbestandteil See übertrieben, viel mehr als ein Weiher ist es nicht.
Zweite Beobachtung: Das Wasser ist um Einiges kälter als vermutet, der Starkregen am Wochenende hat es deutlich abgekühlt. Vielleicht wäre ein Neoprenanzug, zumindest ein Shorty, nicht verkehrt gewesen. Daran lässt sich nun auch nichts mehr ändern, also schwimme ich hinüber zum Südende, die Diagonale bei dem fast rechteckigen See ist die längste Strecke.Echinger See - im WasserDas Wasser ist überraschend klar, klarer jedenfalls als in den Gewässern, in denen ich in diesem Jahr schon geschwommen bin. Ein paar fette Karpfen zeigen sich not amused – sie schwimmen behäbig an der Oberfläche, wollen auch etwas von der Wärme abbekommen, als ich in ihre Nähe komme. Unwillig und ohne Hektik weichen sie mir aus, zwei ziehen sich schließlich in etwas tiefere Gewässer zurück. Selten bin ich so nah an Fische herangekommen wie heute, gern hätte ich Fotos davon gemacht. Aber das ist, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, ein unmögliches Unterfangen.
Echinger See - in der Ferne der Badestrand
Haubentaucher kreuzen meine Bahn, auch eine Bläßhuhnmama mit zwei Jungen lässt mich bis auf wenige Meter herankommen, bevor die Mutter dem Nachwuchs das Signal zum Rückzug gibt.
Von Westen her strahlt die Abendsonne, immer wieder wird ihr Licht gedämpft durch eisigen Cirrus-Wolken.
Strommast, Sonne hinter Cirrus-Wolken
Ich stelle fest: So schlecht ist des im Echinger See nun auch wieder nicht, wie ich vor vier Jahren bei meinem ersten Besuch geurteilt habe. Ihn als Schwimmrevier ganz zu streichen, war vielleicht übertrieben. Ok, ein besonderes Highlight ist er nicht und seine Lage macht es wenig reizvoll, dort öfter hinzufahren. Aber gelegentlich, wenn wieder Abwechslung not tut, kann man das ja machen.

 


Der Tachinger See – umbrumseltes Schwimmen

Der Tachinger See - von Norden aus

Auch wenn Chiemgau und Rupertiwinkel im Sommer von Touristen überflutet sind – am Tachinger See ist es vergleichsweise ruhig. Das erzählt mir jedenfalls jemand, der dort schon öfter war und genauso wie ich Menschenansammlungen an Badeplätzen und Strandbädern meidet.
Ich nutze den freien Tag und erkunde Terra Incognita: Im Tachinger See war ich noch nie.
Wie recht der Insider hat. Das Tenglinger Strandbad kommt etwas altmodisch und aus der Zeit gefallen daher. Aber gerne zahle ich meinen Eintritt, wenn ich dort von Horden von Menschen, dröhnenden Bletooth-Boxen und allerlei Renates verschont bleibe.
Keine Tretboote, keine Ruderboote, einige wenige Stand-Up-Paddler (klar: Unter der Woche ist nicht viel los). Beste Schwimmbedingungen. Nur der See und ich. Also fast nur.
Mein Plan: Zur kleinen Ladzunge am Westufer schwimmen, von dort hinüber zur Ostseite des Sees und an dieser zum Ausgangspunkt zurück. Das sollten etwa drei Kilometer sein.
Füße im Wasser - meine Füße

Aber als ich im flachen Wasser am Ufer stehe, entscheide ich mich spontan um – genau den entgegengesetzten Weg werde ich schwimmen. Das Wasser ist angenehm warm, genau richtig.
Als ich am Ufer entlanf nach Süden schwimme, bemerke ich, dass die markante Nase, ein bewaldeter Hang, der sich zum Wasser neigt, doch nicht so markant ist, wie gedacht. Als Wendepunkt ungeeignet. Ein gutes Stück weiter, ragt wieder etwas Land ins Wasser. Soll ich dort drehen?
Alle paar Hundert Züge halte ich an, orientiere mich, schätze geschwommene und noch zu schwimmende Strecke, was immer schwieriger wird.
Eine fette Fliege umkreist mich. Beim Schwimmen bemerke ich sie nicht, aber bei jeder noch so kurzen Pause umbrumselt sie mich höchst zuverlässig.
Ein Insekt umbrumselt michDerart begleitet und ein wenig von dem Gebrumsel genervt entscheide ich mich, nicht mehr bis zur Landzunge zu schwimmen, die am Ende auch keine ist. Stattdessen quere ich den See, entscheide mich wieder um und schwimme etwa mittig zwischen beiden Ufern zum Ausgangspunkt zurück. Vielleicht bleibt die Fliege ja dann am Ufer zurück.
Schon jetzt weiß ich, dass das mehr als drei Kilometer sein werden.
Vollkommen missratenes Selfie
Das Selfie misslingt, die Lust geht langsam verloren, die Fliege nicht. Die Sonnenschirme des Biergartens im Strandbad wollen und wollen nicht näher kommen. Nicht nach 500 Zügen, nicht nach Tausend, nicht nach weiteren 500.Das Strandbad vom See aus - in weiter Ferne
Das ist natürlich ein Irtum. Natürlich kommen sie näher, wie auch das Ostufer. Ich weiß, normalerweise ziehe ich nach links, um also nicht zuweit in die Bucht linkerhand gezogen zu werden, arbeite ich dagegen. Wohl zu viel. Denn nun bin ich in einem Bogen wieder zurück auf der rechten Seeseite.
Was soll’s.
Aus drei werden vier Kilometer. Für uns beide. Die Fliege und mich.


Noch zu erledigen:

  • Fünf neue Seen:  noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Fünf Wiederentdeckungen:  noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Und außerdem: Jahressoll 480 km / ein fremdes Freibad / Ranking aktualisieren / Langbürgner See /  Badehosen ausmisten / Ab in die Alz / Vollmond-Schwimmen / Goldene Stunde / 100km im Freiwasser / Herbstlaubschwimmen / Seehamer See

Erledigt:


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