Ratlos in Riem (Challenge 2019/3)

Ratlos stehe ich am Ufer des Sees in München Riem und weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Als ich ihn 2015 das erste und auch bisher letzte Mal besuchte, fand ich ihn abstrus. Zwei damalige, tödlich endende Badeunfälle erinnerten mich zwar daran, auch vor diesem Teich Respekt zu haben – aber so richtig wollte das nicht gelingen. Im Ranking landete er weit unten, rutschte noch einmal ab und hat fast die rote Laterne inne.
Aber in meiner Challenge 2019, mit der ich jetzt langsam in die Gänge kommen muss, habe ich ja klar formuliert, den Seen im unteren Drittel eine zweite Chance zu geben. Und da gehört die Betonwanne südlich der neuen Münchner Messe eindeutig dazu.Btonwanne im alten Bundesgartenschau Gelände der Riemer See
Ich bin überrascht, am Freitag Nachmittag einen er kostenlosen Parkplätze am See ergattern zu können, noch dazu, da die Pfingstferien beginnen und die Sonne am Himmel strahlt. Schnurgerade Wege, die sich asymmetrisch kreuzen und ein sonderbares Muster bilden, führen zum See, beides Hinterlassenschaften der Bundesgartenschau 2005.Zugang zum See - Gerade Wege - in Riem
Links und rechts satte Blühwiesen, Weiden für Insekten.Blühwiese in Riem So sehr man bemüht ist, im Park ein wenig Natur oder Natürlichkeit zu simulieren, der See kommt mit seinen schnurgeraden Kanten und Winkeln, den zumindest auf der Nordseite in Beton modellierten Ufereinfassungen nicht annähernd an irgendetwas heran, was einem die Illusion geben könnte, in einem echten See zu schwimmen. Das tut man im Schwimmbad nicht, auch nicht in den vielen Kiesweihern, doch sehen letztere in der Regel weniger stylish aus, müssen nicht dem Geschmack der Städter entsprechen und  dürfen sich wenigstens naturnah nennen.
Der Riemer See
Noch bevor ich den See betrete, habe ich gar keine Lust mehr. Was mache ich hier? In der Betonwanne schwimmen? Warum?
Aber auf dem Absatz kehrt zu machen ist natürlich keine Option, alleine, weil ich den Gratisparkplatz nicht opfern will. Hilft ja nichts. Rein ins Wasser.
Auf den Neo verzichte ich, das Wasser ist warm, die Wanne ist nicht so tief wie die Weiher, gleichwohl: Zum Ertrinken reicht’s.
Ein Shirt soll vor Sonnenbrand auf Rücken und Schultern schützen – und das tut es auch.Unterwasser im See von Riem
Missmutig schwimme ich erst zum westlichen Ende, dann zum östlichen, dann wieder nach Westen. Jede Längsquerung bringt es auf knapp 540 Meter. So kommen auch ein paar Kilometer zusammen.
Ein Hin und Her ist das zwischen Betonflanken und Kiesstrand, zwischen bepflanztem Flachwasser, das als Biofilter dient und mit Bojen abgesperrten Flachwasserbereichen.
Eingefasst von Beton und Kies
Überraschend leer ist noch es am See, der Sommer ist wohl doch noch nicht vollständig in München angekommen. Auf der Südseite entdecke ich einen Uferabschnitt, der den Hauch eines natürlichen Gewässers imitiert, zumindest, wenn man die Radlerkolonnen auf ihrer Rundfahrt um den See oder Richtung Riem abwartet, bevor man Fotos macht.Irgendwie naturähnlich. Kleines Stück Ufer im Südwesten

Ich weiß, es ist furchtbar ungerecht. Der Riemer See und der ihn umgebende Park samt Hügel ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die schnell wachsende Messestadt im Münchner Osten, die Dörfer südlich des Geländers und die sich immer weiter ausdehnenden Städte Aschheim, Dornach, Vaterstetten, Feldkirchen usw.
Längst ist der wenig entfernte Feringasee im Sommer hoffnungslos überlaufen, nicht anders geht es am Heimstettener See zu.

Aber ich kann mit ihm noch immer nichts anfangen. Freunde werden wir nicht, aber das muss auch nicht sein.


Noch zu erledigen:

  • Fünf neue Seen: noch 5 / noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Fünf Wiederentdeckungen:  noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Und außerdem: Jahressoll 480 km / ein fremdes Freibad / Ranking aktualisieren / Langbürgner See / Chiemsee – Ostufer / Badehosen ausmisten / Ab in die Alz / Vollmond-Schwimmen / Goldene Stunde / 100km im Freiwasser / Herbstlaubschwimmen / Seehamer See

Erledigt:


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