Zu Gast im Thuner See (Challenge 2019/4)

Es mag viele gute Gründe geben, die Schweiz zu besuchen: Traumhafte Landschaften, atemberaubende Bergmassive, Kunst und Kultur, Käse-Fondue, die beste Schokolade der Welt, alles ganz wunderbar aufgeräumt dort, das geheime Gold im Safe einer Bank.
Einer der besten Gründe aber ist, Leute zu besuchen, die es in die Schweiz verschlagen hat. Und so fahren meine Frau und ich für ein paar Tage über die Grenze, besuchen meinen Bruder, seinen Sohn und seine Freundin und lassen uns dann gemütlich von dort weiter nach Westen treiben – hinauf ins Berner Oberland.
Dort ist seit Kurzem Masoud daheim, er hat eine Schweizerin geheiratet, die junge Familie wohnt jetzt mit Nachwuchs direkt am Thuner See.
Mit Masoud war ich, als er noch im Nachbardorf wohnte, oft schwimmen – im Weiher, im Hallenbad und im Freibad.
„Wenn Du in die Schweiz kommst, schwimmen wir gemeinsam im Thuner See!“ Das hat er nicht nur einmal gesagt, das bestimmte er bereits im Dezember, wiederholte dies im März, als er mit Familie zu Besuch war und wir gemeinsam für ihn einen Neoprenanzug gekauft haben. Den nämlich braucht er dort und ich sehe das ganz genauso.
Vor kurzem flatterten die ersten Bilder aus der Schweiz in mein Handy: Masoud bis zu den Knöcheln im Wasser, dann schwimmt er los.
„Was der kann, kann ich schon lange“, trotze ich und fahre noch am gleichen Wochenende zum Weiher. Auch im Neo, auch, um die Freiwassersaison zu eröffnen. Sie hat ohnehin spät begonnen.

Panorama am Thuner See

12 Grad Wassertemperatur, das Thermometer lügt nicht

Schwimmen im Thuner See - für uns nur im Neo

Also gut, der Besuch am Thuner See war ausgemacht. Egal, wie das Wetter ist, egal, wie warm der See ist: Es wird geschwommen.
Mitte Juni  ist es schließlich soweit. Wir stehen am See, der direkt vor Masouds Haustür liegt, das Panorama ist wunderschön. Verführerisch liegt er vor uns. Ein Schwimmen aber ist nur im Neoprenanzug möglich. Für mich zumindest und für Masoud auch.
Mein kleines Badethermometer, das ich schnell noch in die Schwimmtasche gepackt hatte, zeigt verführerische 12 °C Wassertemperatur an, das ist kein Wunder, das Wetter war nicht gerade berauschend, und es dauert lange, bis der See, der permanent von der Aare mit frischem, kalten Schmelzwasser aus den Bergen gespeist wird, auf Temperatur kommt.
Aber es gilt – aus der Nummer komme ich sowieso nicht mehr heraus.
Also steigen wir die stählerne Leiter hinab, stehen auf einer Betonplatte und frieren uns als erstes die Füße ab.
Na ja.
Fast.
Es hilft kein Zögern und kein Zaudern, kein „Ich will nicht“ Gequengel. Also wage ich weitere Schritte, gehe in die Hocke, lasse das Wasser in den Anzug dringen, sterbe tausend Tode (So schnell stirbt man nicht!). Und dann geht es los.
Masoud, der vor mir ins Wasser gestiegen ist, aber länger gewartet hat, folgt.
Es ist, um es mit den Worten meiner Frau zu beschreiben, die zuvor einen Fuß ins Wasser gehalten hat, so kalt wie im Tauchbecken nach der Sauna – nur, dass wir eben nicht im Tauchbecken sind, sondern im See, zuvor auch nicht in der Sauna waren und nach Abkühlung lechzen.

Ist das Schwimmen, was wir hier im Thuner See treiben? Ja – aber nur sehr wenig. Es ist mehr Baden. Die Distanz ist vernachlässigbar, ich werde sie nicht in meine Statistik eintragen. Aber den See führe ich trotzdem in meiner Challenge auf: Auch wenn es sich eigentlich um einen krassen Regelverstoß handelt. Schwimmen in Seen, in denen ich noch nie war – schwimmen kann man das nicht wirklich nennen. Aber das ist egal: Ich definiere die Regeln, also breche ich sie nach Gutdünken.

Kopf unter Wasser - arschkalt

Füße in die Höh - sonst frieren die

Immer wieder drehe ich mich auf den Rücken, strecke die starren Füße aus dem Wasser um sie zu wärmen, bewege die Zehen als Test, ob sie sich überhaupt noch bewegen lassen. Zwar habe ich längst kalte Füße bekommen, aber bewegen lassen sie sich noch.

Abendstimmung mit Panoramablick

Am Thuner See

Weit entfernen wir uns nicht vom Ufer. Und irgendwann ist es dann auch genug. Raus aus dem Wasser, ab in die Sonne.
Aufwärmen, lesen, Musik hören, plaudern, das kleine Kind bespaßen. Die Schatten werden länger, Abendstille liegt über dem See.  Dann ist es Zeit für Masoud, seinen Grill anzuwerfen. In der Ferne schimmern die schneebedeckten Gipfel von Eiger, Mönch, nur die Jungfrau hüllt sich schamvoll in Wolken.

Schnell noch mal ein Ründchen Schwimmen?
Ganz sicher nicht. Ein anderes Mal vielleicht.


Noch zu erledigen:

  • Fünf neue Seen:  noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Fünf Wiederentdeckungen:  noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
  • Und außerdem: Jahressoll 480 km / ein fremdes Freibad / Ranking aktualisieren / Langbürgner See / Chiemsee – Ostufer / Badehosen ausmisten / Ab in die Alz / Vollmond-Schwimmen / Goldene Stunde / 100km im Freiwasser / Herbstlaubschwimmen / Seehamer See

Erledigt:


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