Als brenne der Himmel…

Wenn im Westen die Abendsonne versinkt, ist das wenig spektakulär. Interessant wird das Ganze allerdings, wenn gleichzeitig westlich von unserem Dorf eine Gewitterzelle vorbeizieht.
Während es anderswo kracht, blitzt, donnert und aus Eimern schüttet und a Weda sich austobt, sehen wir nur den sich verfinsternden Himmel und hören ein fernes Grollen.

Himmel am Abend - Dorfsilhouette, Wolken

Das ist dann der Moment, da greife ich nach meiner Kamera. Es gilt, mit etwas Glück Bilder zu machen, die eine schier einzigartige Stimmung ausdrücken. Bilder, die es mit den üblichen Reisefotos aus aller Welt durchaus aufnehmen können. Nur, dass eben Elefanten- oder Giraffensilhouetten im Bildvordergrund fehlen. Oder die Schatten der Berge im Monument Valley. Oberbayern ist eben nicht Afrika oder Utah. Dafür kann ich mit einer Überland-Telefonleitung aufwarten, wie man sie gelegentlich als Telegraphenleitungen aus Western in der amerikanischen Prärie zu sehen bekommt…

Himmel am Abend - Dorfsilhouette, Wolken

Und es gibt noch einen Unterschied. Während viele dieser Reisefotos eine Menschenleere vorgaukeln, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, weil gleichzeitig Busladungen fotografierwütiger Touristen nebeneinander stehen und alle das Gleiche aufnehmen, bin ich am Dorfrand ganz allein. Die Leere, die andere suchend um die halbe Welt ziehen lässt, bekomme ich gratis fast bis an die Haustür geliefert. Ich muss mir keine Mühe geben, um andere drum herum zu fotografieren. Ich muss mich nicht ärgern, weil ein schnöseliger Busfahrer per Hupe die Reisegruppe zum Einsteigen zwecks Weiterfahrt drängt und derweil die Umgebung mit seinen Dieselabgasen geröstet, nur damit er bei laufendem Motor während der Wartezeit die Klimaanlage weiter laufen lassen kann.

Dutzende von Fotos entstehen in wenigen Augenblicken – zwischen 28mm und 200mm Brennweite, mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und Blendenöffnungen. Mal mit Kirchturmsilhouette, mal ohne. Alle mehr oder weniger vom gleichen Standpunkt aus gemacht. Hinter der Tankstelle, hinüber zum Dorf, über die Wiese und das Maisfeld. Mal ist in der Ferne der Waldrand zu sehen, mal nicht.

Himmel am Abend - Dorfsilhouette, Wolken

Einige Bilder bedürfen nach dieser kurzen Foto-Orgie kleiner Polituren: Horizontbegradigung ist bei mir ein Dauerthema, aber eine sanfte Korrektur des Schwarzwertes ist auch nicht schlecht. Dann sieht alles gleich noch viel dramatischer aus.
Das alles aber ist nichts, bis die Sonne glutrot ein letztes Mal durch die Wolken hervorbricht. Mit bloßem Auge sieht das nicht spektakulär aus, auch nicht mit dem Normalobjektiv. Mit dem Tele aber sieht es aus, als ginge der Himmel in Flammen auf.

Himmel am Abend - Dorfsilhouette, Wolken

Zwei Bilder stelle ich noch am gleichen Abend (am 28. Juli) bei Facebook und Twitter ins Netz; versehen mit dem Kommentar:

Es gibt Leute, die fliegen für Fotos von Himmel und Weite um die halbe Welt.
Und es gibt Leute, die gehen aus der Haustür 200 Meter zum Feldrand und warten aufs kommende Gewitter.
Und fotografieren, was das Zeug hält…
Jetzt ratet.

Himmel am Abend - Dorfsilhouette, Wolken


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4 Antworten

  1. Ola sagt:

    Was für ein Spektakel!

  2. Ich mache das vom Balkon aus, weil ich kein Flugzeug habe … und Du? Lach …

  3. Fast zu schön, um wahr zu sein. Und es behauptet sich wieder die Tatsache, dass man gar nicht weit weg muss, um tolle Aufnahmen machen zu können.

  4. Struppi-2009 sagt:

    Gigantische Bilder – Der Himmel brennt.

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