Wenn wieda a Weda kimmt…

A Weda – so sagen die Hiesigen, wenn sie von einem Gewitter sprechen. A Weda hat sich aus ein Wetter vernuschelt und hört sich für Fremde sonderlich an. Denn Wetter haben wir ja immer, aber wenn stürmisches, regnerisches im Anmarsch ist, kimmt a Weda. So als hätte man vorher gar keines gehabt, als sei man vollkommen wetterlos.

A Weda, also ein Gewitter, ist beim Schwimmen nichts Schönes, eigentlich gehört es zu den wenigen Dingen, die mich vor- oder zumindest frühzeitig aus dem Wasser treiben. Sonst gibt es da nicht viel. Ok: Unlust, Frieren, Gereiztheit, Langeweile, Ermattung, Zeitnot, Frust über andere, Blasendruck, Scheuerstellen im Neo, Feierabend im Bad, Dienstagsarschlöcher, Schlauchbootflottillen, Wadenkrämpfe, Beckenrandsteher, Hunger… Aber sonst gibt es wirklich gar nichts, was mich aus dem Wasser holt. Ehrlich.
Kam dieses Jahr schon mehrfach vor, dass a Weda kemma is und meine Flucht aus dem Wasser die einzig richtige Konsequenz war. In den vergangenen Wochen viel zu oft. Der Himmel wurde schwarz und schwärzer, die Wolken verdichteten sich, der Wind frischte auf. Die Blitzsaison hat begonnen.

Raus aus dem Weiher ist zum Einen eine Frage der eigenen Sicherheit, zum anderen aber auch der Tatsache geschuldet, dass nur wenig so bescheuert ist, wie sich im Regen auf der Wiese aus den Badesachen zu pellen und in die durchnässten Klamotten zu werfen. Kluge, vorausschauende Menschen deponieren daher alles, wenn a Weda kommen könnte, in regensicheren Plastiktüten. Aber selbst dann ist Umziehen im Regen ein rechter Scheiß!
Da beim Weda am Weiha anders als an den großen Seen kein Sturmwarnsignal gelb blinkt und die Häuschen von Wasserwacht und DLRG abends nach Feierabend, wenn ich noch eine Runde schwimmen gehe, nicht unbedingt besetzt sind, ist es sinnvoll, zumindest rudimentäre Kenntnisse in Wetterbeobachtung zu haben. Es hilft zu wissen, wann es angeraten ist, den Teich zu verlassen. Wie so’n Trapper, eine Rothaut oder ein Skipper. Einerlei. Hauptsache die Vorzeichen des Gewitters erkennen und richtig deuten können.

Es warnt einen nämlich keiner und es rettet einen keiner – also ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste und des Schwimmers.
Manchmal aber bleibt’s Weda aus oder es zieht vorbei. Während es zwanzig Kilometer weiter aus Eimern schüttet, blitzt und donnert, sogar hagelt, bleibt der Weiher verschont. Dann kommt man sich abgetrocknet und angezogen ein wenig verarscht vor, zweifelt vielleicht an seinen Qualitäten als Naturbursch, der tröpfchengenau das Wetter voraussagen kann und mit jeder Kaulquappe im Weiher per Du ist.

Nur drei der vielen Wettervorboten, wie man sie aus der Lektüre einschlägiger Fachliteratur von Karl May bis Jack London, entnehmen kann, möchte ich hier verraten:

  1. Stehen oder fahren Heißluftballons am Himmel oder fliegen Segelflieger übers Land, kimmt ka Weda. Die luftigen Gesellen wissen das besser. Sie haben einen besseren und zuverlässigeren Wetterbericht als unsereiner mit der App auf dem Wischphone. Bei denen geht’s nämlich um was. Im Zweifel um Leben und Tod.
  2. Riecht es nach Odel (Gülle, Dung), kimmt a Weda zumindest Regen, damit das Zeugs möglichst schnell eingeschlämmt wird und tiefere Bodenschichten erreicht. Auch hektisches Mähen und Ernten auf den Wiesen und Feldern bis spät in den Abend ist ein gutes Indiz, dass es demnächst regnen wird.
  3. Gießen meine Frau oder die Nachbarin die Blumen in den Gärten kimmt garantiert a Weda. Murphys Law will das so. Von aufgehängter Wäsche im Garten, während ich selbst im Freibad ist, wollen wir gar nicht reden…

A propos Freibad. Dort lassen sich Himmel und Wetter genauso gut beobachten, zur Not sogar aus der Fischperspektive unter Wasser. Und Sonnenschein ist als solcher deutlich identifizierbar. Es ist übrigens eine interessante Perspektive so vom Beckenboden aus nach oben gegen die gekräuselte Oberfläche. Ich sollte sie öfter einnehmen und einfach nur schauen, selbst wenn ich damit einen der Schwimmmeister nötigen sollte, mich in bester Absicht vom Beckenboden retten zu wollen.

Freibad - Fischperspektive

A Weda im Freibad ist wesentlich entspannter. Die Sachen liegen im Trockenen und man kann sich (hoffentlich) auf die aufsichtsführenden Schwimmmeister verlassen und bis zur letzten Sekunde weiter kraulen. Die werden einen schon rechtzeitig aus dem Becken pfeifen, bevor der erste Blitz mir meine nagelneue, rote Silikonkappe kaputt macht und mir einen ganz breiten Scheitel zieht.

Trotzdem ist ein wenig Umsicht angesagt, so auch vor Kurzem im Freibad Taufkirchen. Auch da war vor kurzem a Weda im Anmarsch.

Weda kommt von rechts

Aber es kam nicht. Dafür aber der erste Sonnenbrand der Saison. Trotz bedecktem Rücken, denn dagegen hatte ich ja vorausschauend den Shorty angezogen. Und auch die Kappe dient im Freibad in erster Linie dem Sonnenschutz und nicht der Identifizierung meiner Wenigkeit (sie ist mit Namen personalisiert). Und schon gar nicht der Idee, mit der Kappe so viel sportlicher auszusehen, dass sich Omabrüstler ehrfürchtig von der Bahn trollen.
Rot wie die Kappe war am gleichen Abend auch meine oberste Hautschicht. Sonnenbrand. Es traf die Arme. Man kann halt nicht an alles denken.

Aber das mit der Rothaut – das hat funktioniert.

PS: Abbitte an alle Bajuwaren unter den Lesern. Ich möchte diesen wunderbaren Dialekt weder verhunzen noch despektierlich nachmachen. Aber a Weda – das klingt so schön, da möchte ich Restdeutschland, bei denen es einfach nur gewittert und plästert, gern diese sprachliche Feinheit, die als solche hier gar nicht erkannt wird, gern informieren.

A propos Gewitter – ein Klassiker.

PS: DSGVO-Hinweis: Durch das Klicken auf die Video-Vorschau-Bilder gelangen Sie direkt zu Youtube.


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3 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Mit einem Gewitter ist da nicht zu spaßen. Du nimmst je auch keinen Fön mit in die Badewanner. Grins ….

    • zwetschgenmann sagt:

      Wobei die Gefahr des (kalten) Ertrinkens bei Gewitter und Starkregen vermutlich deutlich höher ist als die eines Blitzschlags. Ist aber nur ne Vermutung.

  2. Puzzleblume sagt:

    Bei Punkt 3 der verlässlichen Vorboten, für des, dass a Weda kimmt, musste ich kichern wie die sprichwörtliche Wedahex‘.
    Überhaupt bin ich auch sehr dafür, das zuweilen langweilige Hochdeutsch mit ein paar Dialektausdrücken zu bereichern. :-)

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