Kunst kommt von Können

Kunst kommt von Können – das wissen Sie. Daher können wir uns die kalauereske Fortsetzung, dass es nicht von Wollen kommt, sonst hieße es nicht Kunst sondern Wunst, eigentlich sparen.
Einer der das wirklich konnte, war der Leipziger Maler Max Beckmann (1884 – 1950), sicherlich einer der herausragendsten Künstler des Zwanzigsten Jahrhunderts, einer der prominentesten noch dazu, was nicht bedeutet, dass er und seine Kunst in der Nazizeit, der größtmöglichen Barbarei, zu der in Deutschland in allen Bereichen fähig war, verfemt wurde.
Beckmann und seine Frau mussten das Land verlassen, nicht nur eine Frage des Wwiterarbeitenkönnens sondern auch des puren Überlebens.

In München findet in der Pinakothek der Moderne derzeit eine fulminante Ausstellung statt: Beckmann – Departure  „Aufbruch und Reise als existentielle Grunderfahrungen“, so die Webseite des Museums, „stehen erstmals im Mittelpunkt einer Max Beckmann gewidmeten Ausstellung. Sein Leben war geprägt durch tragische Erfahrungen von Krieg und Entwurzelung, von Transit und Exil, aber auch von mondänen Urlaubsreisen, von Freiheitsdrang und Reisesehnsucht – inspiriert durch Lektüre und Mythos. Seinem ersten Triptychon verlieh Beckmann den vieldeutigen Titel DEPARTURE, der namensgebend für diese groß angelegte monografische Sonderausstellung ist.“

Mehr dazu können Kunstinteressierte in der Ausstellung selbst, auf der Internetseite der Pinakothek und/oder dem großen Katalog erfahren.
Aber nur vor Ort kann man sich von den eindrucksvollen, mächtigen Werken gefangen nehmen lassen – wenn denn einen die anderen Museumsbesucher in den sechs Sälen lassen.
Denn natürlich ist Beckmann ein Hingucker, also für Hingeher. Und diese strömen in Scharen ins Museum.
Das ist zunächst einmal nichts Schlechtes, im Gegenteil.  Es ist äußerst erfreulich, wenn Kunst Menschenmassen ins Museum lockt. Aber es schmälert natürlich die Möglichkeiten des kontemplativen Betrachtens immens. Darüber meckern darf ich selbstverständlich nicht, denn ich bin selbst ist ja Teil der Massen und nun möglicherweise ein Störfaktor für andere.


Dabei sind manche nervtötenden Dinge durchaus hausgemacht und könnten mit etwas mehr Cleverness durchaus vermeidbar sein. Nehmen wir nur den QR-Code, mit der Museumsbesucher sich mit der Museumsapp verbinden können, um allerlei Wissenswertes über das Exponat zu erfahren. Nun sind die Codes so nah am Bild und vor allem so klein an der Wand, dass ausnahmslos jeder, der sein Handy zückt, um den Code zu scannen, den fiependen Alarm auslöst.
Das wiederum setzt umgehend die Security in Gang, davon gibt es massig, seit einige Zeitgenossen sich an Bilderrahmen festkleben oder hinter Glas gezeigte Bilder mit Tomatensugo oder Kartoffelbrei bewerfen.
Das will und das weiß man in München zu verhindern – mit einer Heerschar an Aufsichtspersonal zum Beispiel. Was dann aber wiederum auch zur Folge hat, dass man ein Bild nicht auf seine Feinheiten von Nahem betrachten kann, wobei dies bei Beckmann eher weniger notwendig  ist bei den Dimensionen der Bilder und dem eher grobem Pinselstrich.

Davon mal ganz abgesehen kann man sich sowieso nicht vor ein Bild stellen und es in Ruhe betrachten, denn kaum hat man den notwendigen Erfassungsabstand,  stellt sich irgendeine Uschi oder Renate vor einen und verbaut einem die Aussicht auf die wahre Kunst. Und zu allem Überfluss müssen Uschi und Renate dann auch noch lautstark das Augenscheinliche interpretieren. Blöd nur, wenn beiden die Grundkenntnisse antiker Mythologie und biblischer Inhalte fehlen und sie auf Teufel komm raus und für unbeteiligte Zwangszuhörer ihrer Gespräche äußerst schmerzhaft in die vollkommen falsche Richtung deuteln und rätseln.

Tja: Hätten sie mal die App. Dann könnten sie sich das Ausgestellte erklären lassen, was sie andererseits aber zum längeren Zuhören verdammt.
Und das ist weder Renates noch Uschis Ding.
Da wird dann lieber auf auf Teufel komm raus jedes Bild abfotografiert. Ich frage schon gar nicht mehr warum so viele Museumsbesucher das machen. Denn ich mache das ja gelegentlich auch. Sogar samt Besuchern. Was aber Absicht ist.
Immerhin weiß ich, wozu ich die Bilder nutzen will.
„Ein Blog braucht Bilder,“ hat mir Freund Alex, Blogger, Künstler, Flaneur und auch sonst ein rechter Feingeist immer wieder erklärt.
Also bitte!
Knips, knips, knips.
Wir sehen uns im Museum.

Kunst - Können, in der Beckmann Ausstellung


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1 Antwort

  1. Bettina sagt:

    Lieber Lutz,
    danke für Deinen informativen Beitrag über diese spannende Ausstellung. Ich hätte noch einen Tipp für Dich und Deine Follower. ARTE hat zur Beckmann-Schau in München die sehenswerte Dokumentation „Max Beckmann – Ein Reisender“ produziert. Den Film gibt’s noch bis 1.6.2023 in der Mediathek zu sehen. https://www.arte.tv/de/videos/109030-000-A/max-beckmann-ein-reisender/
    Liebe Grüße Bettina

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