Irgendwas mit Augen

Wenn Dich die Augen Deines Gasthundes anstarren und der Blick gefüllt mit Vorwürfen ist, dann bleibt nur eines: Alles stehen und liegen lassen und den Hund entweder füttern oder beschmusen. Oder raus mit ihr und mir in den Wald. Mehr Alternativen gibt es nicht.

Treue Augen des Hundes

Letzteres ist die sinnvollste Idee, zumal mir etwas frische Luft auch gut tut und das Sofa spür- und hörbar entlastet aufatmet, wenn ich endlich den A… von selbigem – Sie wissen schon.
Schnell ist die lange Leine geschnappt und mit dem Hund geht es hinaus. Mein Ziel ist an diesem Samstag Nachmittag das Müllner Bründl, jener jedem Kind im Dorf bekannte Ort, an dem der Sage nach im Dezember 1800 ein Reiter, der vor den französischen Soldaten in den Wald floh, fast im Morast versank. Seine Rettung verdankt er einer wundersamen Fügung. Seitdem tritt dort Wasser aus der Erde und dieser Quelle werden heilsame Kräfte nachgesagt. Also ein ganz und gar mythischer, wenn nicht mystischer Ort im Herzen Bayerns. Derer soll es ja viele geben, zumindest meinen Esoteriker das.
Die Kamera nehme ich mit – zum einen will ich ein Bankerl fotografieren für die Facebook-Gruppe Bankerl zum Verweilen, in der es um nichts anderes geht als Freiluftsitzmöbel in Gottes weiter Natur. Gelegentlich stelle ich auch ein Bild dort ein.

Zum anderen verspreche ich mir ein paar reizvolle Aufnahmen von einem meiner Lieblingsmotive: Sehr gerne nämlich rücke ich vertrocknete Gräser, Wasserdost und andere Kräuter im späten Herbst ins rechte Gegenlicht. Das Sujet strapaziere ich bis zum Anschlag, vielleicht auch ein wenig darüber hinaus.

Eine geeignete Stelle ist schnell gefunden, bzw. wusste ich ja, wo ebensolche Bilder gemacht werden können. Ich nehme das vertrocknete Grünzeug ins Visier, suche Perspektiven und Winkel, fotografiere auf Teufel komm raus und Gut Glück, denn natürlich kann ich nicht direkt durch den Sucher der Kamera schauen, wenn ich das Objektiv benutzerhandbuchwidrig direkt in die Sonne richte. Das geht dann nur über Bande, also Display.

Und dann ist er plötzlich da, dieser Moment, da spüre ich, dass ich beobachtet werde.
Kennen Sie das?

Dieses instinktive Ahnen, dass irgendwer oder -was seine Augen auf Sie richtet.
Ich sehe mich um.
Niemand ist da. Einfach niemand.

Augen irgendwo

Wer kann das sein?
Spaziergänger hätte ich ohnehin längst wahrgenommen, das Geratsche hört man schon lange durch die Bäume, bevor man sie sieht. Dann hört man die knirschenden Schritte auf dem Wirtschaftsweg oder das Knacken des Geästs unter ihren Füßen. Man muss kein Berufsmohikaner sein, um sich nähernde Menschen im Wald wahrzunehmen, denn es schleicht ja hier kein Irokese herum.

Also ein Tier?
Außer dem heiseren Gezeter eines Eichelhähers und dem Gekrächze zweier Krähen habe ich nicht bemerkt, dass es in diesem Augenblick irgendwelche Tiere in der Nähe gäbe.  Außerdem wäre die Hündin unruhig geworden. Sie ist ein Hütehund, zwar nicht immer ganz aufmerksam bei der Sache, aber doch recht versiert darin, sich näherndes, größeres Viehzeugs zur Kenntnis zu nehmen und die Ohren zu spitzen.
Und da ist es schon wieder, dieses Gefühl. Fast spüre ich einen kalten Atem im Nacken, als ich von schräg unten ein Spinnennetz im Sucher scharf stelle.

Das Foto mache ich trotzdem. Anschließend drehe ich mich wieder um.
Nein –  nichts. Niemand.
Leise bewegen sich ein paar Gräser im Wind.Augen irgendwo?

Ich habe ein gestörtes Verhältnis zu jedem Spökenkiekerei, zu Geisterglaube und Spukgeschichten, auch wenn ich natürlich verstehe, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als meine Schulweisheit mich träumen lässt (um einmal Shakespeare zu bemühen).

Als ich mit den Fotos fertig bin, gehe ich doppelt wachsam weiter. Auch Frau Hündin spürt meine gewisse Unruhe. Sie hält sich, sonst wild an der Leine zerrend, nah an meinem Bein.
Schließlich bleibe ich stehen und warte. Augen beobachten mich, da bin ich sicher.
Es ist dieses Geduldspiel. Wird der unsichtbare Beobachter sich dann irgendwann aus der Deckung trauen, wenn ich einfach keinerlei Bewegung mehr mache? So wie Tiere aus den Vertecken wieder auftauchen, wenn man sich nur lange genug ruhig verhält.

Plötzlich nehme ich im Augenwinkel eine winzige Bewegung wahr zu meiner Linken an einem Baumstamm war.
Eher zufällig. Und jetzt weiß ich Bescheid.
In diesem Wald haben die Bäume Augen. Und die beobachten aufmerksam, was um sie herum geschieht. Einer schließlich zwinkert mir zu.
Die Augen der Bäume

Die Augen der Bäume
Es müssen entfernte Verwandte der Ents aus dem Fangornwald sein. Und da fällt es mir förmlich wie Schuppen von den Augen. Isen(gart) ist nah. Ich befinde mich sogar schon in der Isener Gemarkung.

Die Augen der Bäume

Da muss ich mich schließlich auch nicht wundern.


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1 Antwort

  1. manni sagt:

    ein typischer Hundeblick eben ! Sehr schön

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