Ein Wochenende im Schwarzwald (#5): Burgruine Zavelstein

 

Nicht nur Kloster Hirsau, auch die Burg Zavelstein, die im 13. Jahrhundert wurde, fiel den marodierenden Truppen des französischen Marschalls Ezéchiel de Melac im Erbfolgekrieg zum Opfer. Einzig erhalten blieb der knapp 30 Meter hohe Bergfried, den man besteigen kann. Von oben hat man eine wunderbare Aussicht über den nördlichen Schwarzwald. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und beenden unser Schwarzwaldwochenende in Bad Teinach in Zavelstein.

Heerscharen pilgern zu der Ruine, flanieren zwischen der Schildmauer, den Resten des Palas, steigen auf den Turm oder in die beiden Kellergewölbe hinab.
Wieder wird meine Geduld arg auf die Probe gestellt, möglichst menschenleere Bilder zu machen. Es gelingt nicht immer. Wieder müssen alle auf mich warten, wieder werde ich unfreiwilliger Zeuge tiefschürfender Gespräche über ein Scheidungsdrama. Zwei Frauen kauen auf dem Turm ihre Eheprobleme durch, sch… egal, ob das wer mithört.
50 ct kostet die Turmbesteigung, einzuwerfen ins Cash-Kässle, ich lache mehr als ich sollte über diese schwabo-denglische Bezeichnung für eine an die Wand geschraubte Box, einem Opferstock nicht unähnlich, in den man seinen Obolus einwerfen soll. Wechselgeld wird natürlich nicht retouniert, wir sind in Schwaben. Allerdings wird der Einwurf auch nicht kontrolliert. Was ist da los bei den Pfennigfuchsern?
In der Tat ist die Aussicht vom Turm aus gigantisch. Vor allem der Blick, der nach Süden geht, erfüllt alle Wünsche, die man von deutscher Romantik haben kann. Jetzt noch Carl Maria von Webers „Jägerchor“ aus dem Freischütz, dazu lodengrüne Kluft und das Klischeeschwein quiekt vor Freude.

Ein wenig bemitleide ich die Zavelsteiner, die Wochenende für Wochenende die Menschenmassen im Ort haben, am ungemütlichsten muss es in der Straße Im Städtle sein, dort lebt man quasi auf dem Präsentierteller wie im Freilichtmuseum – und wirklich jeder glotzt einem in den Vorgarten und gibt seine Kommentare ab. Wie gut, dass es im Schwabenländle so schön aufgeräumt ist – welch Albtraum, wenn da mal ein paar „Un“kräuter zwischen den Kopfsteinen aus dem Pflaster luken.

Das Holztreppenhaus ist wieder eine ganz besondere Herausforderung. Ich weiß noch immer nicht, ob hinauf oder hinuntersteigen den bedrohlicheren Moment für jemand mit ausgesprochener Höhenangst darstellt. Aber was tut man nicht alles für einen tollen Ausblick und die Chance auf ein paar attraktive Fotomotive?

Im Hof lädt Bankerl lädt zum Verweilen ein, ein Bild davon rauscht in die gleichnamige FB-Gruppe. Mittlerweile ist mein Blick geübt, Bankerl zum Verweilen zu erspähen. Menschenleer – was einem Wunder gleichkommt.

Denn nur wenige Minuten später, als ich hinaufsteige in die Ruine, ist sie wieder okkupiert…

Treppen führen hinunter in die Gewölbe, man mag es nicht, dass ich dort stehen bleibe, um den Farn, der zwischen den Gewölbesteinen heraussprießt, zu fotografieren. Das hält den Verkehr auf. Mir egal. Ich tu es trotzdem, fange mir ein paar böse Blicke ein und überschlage, wie weit mir selbige am A…. vorbei gehen. Sehr weit.

Und wie in Kloster Hirsau mache ich auch hier ganz bewusst und absichtlich Fotos von Menschen. Dieses Mal von zwei Wanderern, die Brotzeit machen und über die geschmacklichen Nuancen diverser Tees vom Discounter fachsimpeln.
Ja, das ist Absicht – und nein, es ist mir egal, ob ich das durfte oder nicht.

Nach etwas mehr als 48 Stunden, wie gesagt 440 Fotos und fünf Blogbeiträgen  ist das Schwarzwaldwochenende um. Mehr gibt es nicht zu erzählen oder zu zeigen.
Nur eines noch:

Schön war’s.

 


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