Idylle mit etwas Lärm, einem Haubentaucher und einer Prise Grass – der Stoibermühlsee

„Vielleicht ist es der letzte See, den ich in dieser Saison kennenlerne,“ denke ich auf dem Weg zum Stoibermühlsee. Damit ist ein weiterer Kiesgrubensee, dieses Mal zwischen Freising und dem Münchner Flughafen direkt an der A 92 gelegen, mein Ziel am freien Freitag.
Schon lange weiß ich, dass es diesen See gibt, vorbeigefahren bin ich auch schon mal, aber  hingefahren allerdings bin ich nie.
Das gilt es, zu ändern. Das wäre dann Nr. 55 auf meiner Liste der Seen in meinem Einzugsgebiet, die ich abgeklappert habe. 10 neue davon allein in diesem Jahr. Mein 2019er Seen-Ranking wird kräftig durcheinandergewirbelt werden.

Der Stoibermühlsee bei Freising

Dort angekommen entschließe ich mich, erst noch einen Spaziergang rund um den See zu machen. Zum einen hat sich der morgendliche Nebel noch nicht ganz verzogen, zum anderen ist meine im Riemer See geschrottete Unterwasserkamera immer noch nicht repariert. Statt dessen habe ich die Spiegelreflex dabei, so kann ich vom Ufer aus wenigstens einen Schwung Impressionen einfangen.

Das gelingt auch. Fast mehr Fotos mache ich an diesem wunderbaren Spätsommertag (oder ist es schon Frühherbst) allerdings auf dem Spaziergang.  Von der Idylle dieses künstlichen Sees bin ich nämlich wieder mal mehr angetan.
Pfaffenhütchen,  Hagebutten, wilde Brombeeren, Kolbenschilf… viel zu viel, um hier alles zu zeigen.

Pfaffenhütchen - Blüte

Bäume, Felder, Wege – im Süden ein eingezäuntes Biotop, das zu betreten verboten ist. In dem Biotop ist zumindest ein Teil komplett überwuchert mit Springkraut und Kanadischer Goldrute – nicht gerade besonders sinnvoll, ausgerechnet diesen beiden invasiven Neophyten so viel Raum zu lassen.

Bäume und Felder am Stoibermühlsee

Wäre nicht das monotone nervende Grummeln der A92, die keine 200 Meter nördlich vorbeiführt und für deren Bau diese und schier unendlich viele weitere Kiesgruben angelegt wurden. Hinzukommen im Minutentakt die Flieger vom Münchner Flughafen, die Startbahn liegt zweieinhalb Kilometer weiter südlich. Beides zusammen macht es schwierig, sich am Seeufer einfach woanders hinzuphantasieren. Andererseits: Ohne die Autobahn gäbe es den Stoibermühlsee wiederum nicht.
Der Flughafen München in direkter Nähe

Idyllischer Stoibermühlsee

So aber bleibt die Idylle schadhaft und wird den Stoibermühlsee im Ranking Abzüge bringen.
Schwimmer mache ich nur sehr wenige aus, ein paar Badegäste, ein paar Sonnenanbeter. Ein einzelner Stand-Up-Paddler. Ein Schild teilt den See in einen Bade- und einen Surferbereich, mangels Wind gibt es keine Surfer und ich werde auch nicht baden, ich werde schwimmen. Und das so ziemlich allein.
HaubentaucherEin einsamer Haubentaucher zieht seine Bahnen, manchmal kommt er recht nah ans Ufer. Ich beobachte und fotografiere den Vogel – irgendwie mag ich Haubentaucher und bin immer wieder begeistert, wenn der grazile Vogel, „der mal weg, mal da war, unverhofft, plötzlich, nach Lust und Laune und nach jedem Auftauchen  triumphierte seine elegante Frisur unbeschädigt…“ wie Günter Grass in seinem Roman Ein weites Feld  seinen Protagonisten Wuttke über diese Tiere sinnieren lässt.Haubentaucher

„…nicht wendehälsisch sondern indem er untertaucht, wenn ihm etwas zu nahe kommt. Sich wegducken ist ein besseres Prinzip, um durch die Strudel der Geschichte zu kommen, als genickbrechende Wendemanöver.“
Dem könnte ich mich anschließen, aber ich bin zum Schwimmen und nicht, um Allegoresen über Grass‘ wunderbare Sprache zu betreiben.

Haubentaucher auf dem Wasser

Der südliche Teil des Sees ist abgegrenzt mit zwei Inseln, ich überlege, ob ich sie mit in meine Schwimmrunde einbeziehen darf oder ob ich dann von der Wasserseite aus in das gesperrte Biotop gelangen werde. Aber weder Hinweisschilder noch Bojen versperren mir den Weg, also beziehe ich diesen Teil des Sees in meinen Runden mit ein.
Herbstlich mutet die Ufervegetation ab – rote Beeren, die ersten braunen und gelben Blätter, manche davon treiben auch schon auf dem Wasser.

Bäume und eine Insel im Vordergrund

Stoibermühlsee

Einen guten Orientierungspunkt bietet am nordwestlichen Ufer die rote Hütte der Wasserwacht, die an diesem Freitag zumindest während ich dort bin, unbesetzt bleibt. Auch für die Rettungsschwimmer neigt sich die Saison offenbar langsam dem Ende zu.
Schade, dass es bald vorbei sein wird, für mich könnte die Freiwassersaison anhalten. Aber mit Neo geht sicher noch etwas länger was. Ein Trost. In meinem Blog habe ich mal notiert, dass ich im Oktober noch im See war. Und das mehrfach.

Nordufer Stoibermühlsee mit Wasserwacht und Liegewiese

Das Wasser ist ungewöhnlich klar, das bemerke ich schon beim Spaziergang, später beim Schwimmen erst recht. Viel Vegetation ist zu sehen – ein Jammer, dass ich meine Unterwasserkamera nicht dabei habe. Ich werde noch einmal mit ihr herkommen müssen, um Bilder von diesen nach verwunschenen Feenwäldern aussehenden Pflanzen zu fotografieren. Zum Teil schwimme ich über sie hinweg, zum Teil umrunde ich sie, schrecke kleine Fische und ein paar größere aus ihrer Mittagsdösigkeit im sonnenbeschienen Wasser auf und kann mich kaum sattsehen. Kacheln zählen ist ein Sch… dagegen.
Die Kraulzüge bewegen das Wasser, dieses wiederum lässt die Pflanzen leicht hin und her wiegen. Einfach schön.

Klares Wasser, Pflanzen im Stoibermühlsee bei Freising

Der Stoibermühlsee bei Freising

Der Ausflug zum Stoibermühlsee endet wie so viele, wenn es die Zeit zulässt, beim Obatzdn und einer Schorle im benachbarten Biergarten. Eine kleine Brücke führt über die Goldach direkt dorthin. Ein wenig Zeit wäre noch, den Gedanken nachzuhängen.
Auf geht's in den Biergarten Stoibermühle

Da kann man doch nicht „Nein!“ sagen.


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