Bayern! Empört Euch!

Erdinger Frauenkircherl - im Herzen von Bayern

Mehrfach war hier schon von der gar zu lustigen Facebook Gruppe „Traumhaftes Bayern“ die Rede, in der überwiegend folkloristisch-jodelnd übersättigte Hiesige sich selbst in der schönsten Gegend Deutschlands, ach was, der ganzen Welt abfeiern (!) und Tourist:innen aus eben dieser Welt das Gleiche tun, dabei Bayern überwiegend auf Berge, Seen, Barockkirchen und Neuschwanstein reduzieren. Es heimattümelt schon arg. Von mir aus.
Gelegentlich lobpreise ich dort das spröde Kiesland nördlich von München, weil Bayern auch anderswo traumhaft ist. Das geschieht durchaus mit einem provozierendem Hintergedanken.
Völlig frei aber von jeglicher Intention zur Provokation, poste ich in dieser Gruppe kurz vor Fasching ein Foto und schreibe nichts weiteres dazu als „Frauenkircherl Erding“.
Erding gehört nun mal zu Bayern, Erding hat auch mehr Gesichter als die Therme und das Weißbräu. Und Fasching gehört nun mal auch zu Bayern; vielleicht nicht so sehr wie Vetter Karneval im Rheinland aber trotzdem. Er hat auch in Erding seine Heimat, wovon hier schon mal die Rede war.
Ich denke mir nichts dabei und freue mich, wie das Bild weit über hundertmal gelikt und geherzt wird. Endlich mal kommt mächtig Resonanz auf etwas anderes als die üblichen wöchentlich wiederkehrenden Motive.

Dann tritt S. auf den Plan. Sein Kommentar korrespondiert mit der für diesen Blogtext gewählten Überschrift aufs Vortrefflichste und der nächste Kommentar kurz danach ist auch nicht besser. Bayern! Empört Euch!
Denn da ist er wieder, der Empörungsfuror, endlich findet wieder einer der Dauernörgler:innen etwas, über das man sich aufregen kann. Nicht, weil er es müsste, sondern weil er es will.
Fast unterstelle ich den Beteiligten, dass sie nur darauf lauern, dass irgendwer etwas im Netz veröffentlicht, was nur halbwegs als Folie für maximale Erregungen dienen könnte, und wenn nicht, dann koppelt man es halt mit vollkommen anderen Inhalten.

Empörung aus Bayern

Was die beiden Kommentator:innen nicht wissen, weil sie vermutlich beide gar nicht aus der Region kommen: Im Zuge der Säkularisation wurde das Erdinger Frauenkircherl 1803 als Gotteshaus aufgeben. Nach einer wechselvollen Geschichte und Nutzung des Gebäudes, unter anderem als Feuerwehrhaus, wurde es als Ausstellungs- und Konzertgebäude hergerichtet und steht unter der Verwaltung der Kommune.
Ich räume ein, dass das niemand wissen kann oder muss. Aber ich frage mich, warum man dann einfach mal einen Kommentar raushauen muss. Hätte ich vorausschauend zur Vermeidung solcher Kommentare gleich in den Post schreiben müssen, dass das Kircherl kein Kircherl mehr ist?
Nö.
Wenn man keine Ahnung hat, kann man auch einfach mal den Mund halten. Manchmal ist das besser, sonst macht man sich am Ende nur lächerlich. Der tümelnde Erstkommentator, auf den Sachverhalt hingewiesen, dass die Kirche seit über 200 Jahren säkularisiert ist, bemüht sich zur Wahrung seines Gesichts mit einer Antwort: „…und deswegn muas ma a so a schens Gebäude so verunstaltn?“ Dann blockiert er mich.
Schwach. Sehr schwach.
Quintessenz: Da ganze Bua a Depp!
Helau!


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3 Antworten

  1. Die Anzahl der Idioten beiderlei Geschlechts hat in den letzten Jahren immens zugenommen und wird noch steigen, wenn Hubsi erst das Landesszepter in der Hand hat.

  2. Jörg sagt:

    Warum soll eine Kirche nicht lächeln,nicht freundlich und einladend sein?
    Und warum keinen Regenbogen?
    Die Nörgelorgeln machen aus allem ein Gezeter und merken nicht, wie hässlich sie dabei werden.
    Zur Information: Ich bin Christ,befasse mich durchaus kritisch mit dem, was landläufig unter „Glauben“ und „Religion“ verkauft wird. Und ich bin in dem Fall froh, dass Jesus auferstanden ist, sonst müsste er sich bei solchen bigotten Zeitgenossen im Grab umdrehen.
    Einem nix gönnen,sich an nix freuen können, nur kritisieren…das ist alles andere als Christ sein.
    Vielleicht fühle ich mich deshalb auch oft denjenigen eher verbunden, die sich als „Nichtchristen“ bezeichnen.
    Ich finde auf jeden Fall das Kirchenbild einladender als viele anderen Aktionen, die die Kirche startet.

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