Anser anser forma domestica – allein unter Hausgänsen

Anser anser forma domestica so nennt sich die domestizierte Form der Graugans, also die popelige Hausgans. Das wäre für diesen Blog nicht weiter von Belang, hätte ich nicht eine höchst charmante Begegnung mit einigen Vögeln dieser Art gehabt. Insgesamt neun.
Diese Begegnung war so nett, dass ich sie hier nicht unerwähnt lassen möchte und sie fand statt am Zustorfer Weiher, zu dem ich zum Schwimmen gefahren war:

Nach absolvierter Runde, bei der ich zwei hüllenlose Sonnenanbeterinnen kurzzeitig ins Gebüsch zwinge, als ich an ihrem Plätzchen am Ufer vorbei kraule (meinetwegen hätten die auch da liegen bleiben können), lasse ich mich von der Sonne abtrocknen und vertrete mir noch ein wenig die Füße.
Ich kenne den Trampelplatz, der zu einigen Bänken zum Verweilen führt. Hier möchte ich noch ein wenig sitzen, den Lieben Gott einen guten Mann sein lassen, einen anderen Blick auf das Wasser werfen und vielleicht doch noch mal für eine weitere Runde in den Weiher steigen.

Zwei der herrenlosen Hausgänse, die sich am Weiher herumtreiben und die ich schon im Januar dort gesehen und fotografiert habe, kommen schnatternd aus dem Wasser. Sie sind wohl not amused, dass ausgerechnet dort, wo sie das kleine Stückchen Wiese abgrasen wollen, jemand sitzt.

Schließlich überwinden sie die Scheu und kurz darauf kommen mehr und mehr Gänse ans Ufer gestiegen. Bis eben alle Neune beisammen sind.

Dann aber wird es unruhig zu meinen Füßen. Und es wird zunehmend lauter. Das ist zum einen der nahen Autobahn geschuldet, zum anderen der schnatternden Gefräßigkeit der verwilderten Hausgänse. Einige beäugen mich kritisch, andere fangen sofort an zu fressen, wieder andere entleeren erst einmal ihren Darm (was ich nicht im Bild festgehalten habe).

Ich verhalte mich möglichst unauffällig, keine hastigen Bewegungen, nur ein paar Handyfotos und -filmchen entstehen, derweil die Gänse Gräser zupfen. Der anser anser forma domestica beim Weidegang zuzusehen ist so herzallerliebst, dass ich auf eine weitere Schwimmrunde verzichte und mich lieber den Vögeln widme. Ich liebe solche Begegnungen, solche Momente.
Ja: Man ist nie ganz allein, wenn man irgendwo in einen See oder Weiher steigt, selbst wenn weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Aber es gibt ja auch Fische, Vögel, Insekten, Amphibien, vielleicht auch mal ein Reptil. Und das ist toll.
Heute sind es eben wildlebende Hausgänse.

Der Weg der Gänse führt sie an den Bank vorbei zum Trampelpfad und von dort wieder zurück. Auch für die Bankerl zum Verweilen ergattere ich ein Bild, andere pumpe ich schon mal in die FB-Schwimmgruppen, so nach dem Motto, ich würde ja gerne… geht aber gerade nicht.
Irgendwann, als sie einigermaßen sicher sind, dass von mir keine Gefahr ausgeht, bewegen sich die Vögel sich immer näher bis direkt heran an meine Füße.

Und dann plötzlich wieder weg.

Ich höre Stimmen, zwei Menschen kommen, der Mann verkündet laut, noch bevor ihn sehe, ihm fehle hier eigentlich nur noch ein Nils Holgersson.
Die beiden haben einen Hund an der Leine dabei und der interessiert sich sehr für das Federvieh.
Aber bevor er hier richtig zum Zuge kommen kann, sind alle Gänse zurück im Wasser.

Erhabenen Hauptes und unter lautstarkem Protest schwimmen sie davon – vermutlich nur eine kleine Runde, dann gehört der Platz wieder ihnen allein. Denn auch ich mache mich auf den Weg, nicht ohne der Hundehalterin mehrfach zu versichern, dass alles vollkommen ok ist. Denn sie entschuldigt sich fortwährend, dass der Hund die Gänse ganz offensichtlich verscheucht hat.
Die Gänse?

Nein – eigentlich haben die drei viel eher einem dieser ganz besonderen Momente des Innehaltens unwissentlich und unabsichtlich zerstört. Aber das ohne Schuld. Sie konnten ja nicht wissen, dass ich hinter den Weiden auf der Bank sitze und den Augenblick genieße.


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