Wasserhopping bei Wasserburg: Im Weitsee und im Penzinger See

Zwei Halbe sind weniger als ein Ganzes, zwei kleine Seen machen noch keinen Großen – und ich wollte doch endlich nach so vielen Baggerlöchern wieder in einem großen, natürlichen See schwimmen gehen. Als ich aber zwei weitete kleine Seen ausfindig mache, ändere ich meinen Plan. Statt einen großen zu besuchen, fahre ich zum Seen- bzw. Wasserhopping in die Gegend von Wasserburg: Erst zum Weitsee bei Schnaitsee, dann zum Penzinger See bei Babensham.

Wasserhopping - Weitsee

Beide Seen sind  klein, aber immerhin sind es natürliche Gewässer. Der Unterschied dieser Toteisseen zu den künstlichen Seen aus ehemaligen Kiesgruben ist schon in der Wasserbeschaffenheit zu spüren.  Das Wasser ist weicher, trüber, grünlich-brauner. Es fühlt sich ganz anders an, darin zu schwimmen.

Wasserhopping - Weitsee

A. Weitsee

Der Weitsee bei Schnaitsee wurde mir schon vor längerer Zeit von einer Tante meiner Frau empfohlen. Seit ein paar Jahren führe ich ihn daher auf meiner Liste, jetzt endlich habe ich es geschafft – vielleicht auch, als ich entdecke, dass der Penzinger See, von dem ich nie zuvor gehört hatte, ganz in der Nähe ist und ich mit Wasserhopping zwei Fliegen mit einer Klappe, zwei Seen mit einem Ausflug schaffe.

Wasserhopping - Weitsee

Idyllisch liegt der See von Wald umschlossen südlich des Dorfes Schnaitsee, mit dem See gleichen Namens bei Reit im Winkl, den ich auch noch auf der List habe, ist er kaum zu verwechseln. Das von der Gemeinde betriebene Strandbad ist geschlossen, was allerdings nur heißt, dass das Kassenhäuschen zugesperrt ist. Die Anlage ist aber Spaziergängern  frei zugänglich, Baden erfolgt auf eigene Gefahr, die Station der Wasserwacht ist nicht besetzt. Also ist alles eigentlich ganz normal – nur, dass man eben um den Eintritt drum herumkommt.
Das Ganze ist Corona geschuldet, eine elegante Lösung, der Gemeinde, sich nicht wirklich um Hygienekonzepte kümmern zu müssen, Daten zu erfassen, alles in die Verantwortung der Badegäste zu legen, wie das eben an all den vielen Seen ohne Eintritt auch gang und gäbe ist.

Wasserhopping - Weitsee

Das Idyll ist schnell zu Fuß umrundet und ebenso schnell durchschwommen. Ein See, ein echter See, noch dazu angenehm warm, etwas moorig, erdig und waldig. Das hatte ich schon länger nicht mehr.

Wasserhopping - Weitsee

Wasserhopping - Weitsee

Der Sprungturm auf der Badeinsel ist gesperrt – was aber die Jugendlichen, die zur Mittagsstunde eintrudeln, auf gut Deutsch gesagt einen Sch… interessiert. Anarchie bricht sich Bahn als sie den Turm erklimmen. Einer nach dem anderen springt herunter. Und das gleich mehrfach hintereinander. Zustände wie am Mühlensee, auch da werden die Verbote, die Schwimminseln zu benutzen, beherzt ignoriert. Offensichtlich sind diese Verbote nur da, um konsequent missachtet zu werden, weil sich der Sinn dieser Verbote schlicht nicht mehr erschließt. Geht es um Corona oder um einen Haftungsausschluss der Gemeinde im Fall von Unfällen?

Wasserhopping - Weitsee

Gesperrt sind auch die meisten Badestege, die ins Wasser ragen. Auch das wird großzügig und komplett ignoriert. Allerdings stellt sich hier eher die Frage, ob die Stege nicht eher wegen akuter Einsturzgefährdung gesperrt wurden. Ein zaghafter Tritt über das Flatterband hinweg lässt die Bretter bedrohlich knarzen und federn. Wer da einbricht, kann sich in der Tat schnell übel verletzen. Gut, wenn man als Federgewicht quasi über die Bohlen hinwegschwebt.

Wasserhopping - Weitsee

Als pittoreskes Motiv jedoch sind sie Stege bestens geeignet. Vom Land aus wie vom Wasser.

Wasserhopping - Weitsee

Als ich aufbreche, um mit dem Wasserhopping weiterzumachen, werde ich Zeuge eines herzerwärmenden Gesprächs zwischen einer Mutter und ihrem Vorschulkind.
„Schau mal Mama“, sagt das Kind und zeigt auf mich, als ich am Ufer entlang gehe. „Der Mann sieht aus wie ein Bademeister!“
„Hier gibt es keine Bademeister“, antwortet die Mutter und schaut fast zu schon entschuldigend zu mir herüber.
„Das weiß ich“, sagt das Kind. „Aber wenn, dann sehen die so aus wie der da!“
Ich schaue an mir herunter.
„A ha!“ So ist das also. Ich schaue aus wie ein Bademeister.
Nun – es gibt Schlimmeres.

B. Penzinger See

Ein pinker, glitzernder Flamingo schaut zu, wie ich nach der Mittagspause in den Penzinger See steige.

Wasserhopping - Penzinger See

Überhaupt ist alle furchtbar pink dort – zumindest die großen Tonnen, die im Wasser die Schwimmbereiche markieren. Mehrere davon gibt es und sie sind so beschaffen, dass man sich zur Not sehr gut daran festhalten kann. Sicherheit wird in diesem kleinen See offenbar sehr groß geschrieben. Safety in Pink – das allein wäre als Buch- oder Filmtitel geeignet.

Wasserhopping - Penzinger See

Wasserhopping - Penzinger See

Auch der Penzinger See ist schnell durchschwommen, im Strandbad ist es relativ voll, offenbar ist der See ein beliebtes Ausflugsziel in der Region, nicht zuletzt wegen eines Restaurants und eines Kiosks mit gemütlichem Sitzbereich.

Wasserhopping - Penzinger See

Da weite Uferflächen mit Teichrosen bewachsen sind, ist die Fläche, die zum Schwimmen zur Verfügung steht, nicht gerade riesig. Aber es reicht aus für eine angenehme Erfrischung an diesem schwül-heißen Tag.

Wasserhopping - Penzinger See

Und noch etwas fällt hier auf: Viele ältere Herrschaften scheinen hier Stammgäste zu sein. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber das erste Mal bemerke ich, wie viele von ihnen hier mit selbstgebastelten Bojen unterwegs sind. Sie ziehen an Bändern befestigt Schwimmbretter oder halbe Schwimmnudeln hinter sich her. Eine alte Dame hat immerhin eine klassische Schwimmboje umgeschnallt. Zwar hat der fast runde See nur einen Durchmesser von etwas über 300 Metern, man ist also nie mehr als 150 Meter vom nächst erreichbaren Ufer entfernt und die pinkfarbenen Tonnen sind auch immer recht nah, aber wenn es ihnen Sicherheit gibt, ist das mehr als in Ordnung.

Wasserhopping - Penzinger See

Dank Wasserhopping bei Wasserburg kann ich zwei weitere Seen in meine Liste aufnehmen. Nr. 68 und 69. Das werde ich demnächst wiederholen, die 100 sind keine vollkommen illusorische Zahl mehr.
Und keiner der Seen außerhalb eines Umkreises von 80 Kilometern Luftlinie von Haustür zu Badeplatz. Das nenn ich mal eine komfortable Auswahl.


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1 Antwort

  1. Metz sagt:

    Du schreibst schöne Geschichten…

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