Nix los in Tratmoos

Tratmoos, rät mir einer, als ich von meinem Schwimmen im Finsinger Weiher gebloggt habe, da solle ich hinfahren. Schwimmen sei erlaubt und es sei wenig los.
Also Tratmoos.
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und als ich dort am Ufer stehe, ist in der Tat weniger als wenig los. Irgendwie so gar nichts.

Fünf Kiesgruben gibt es dort, einem winzigen Industriegebiet am westlichen Rand des Erdinger Landkreises. Eine der Gruben ist in Betrieb, mit Schwimmen ist da verständlicherweise nichts machbar.

Kieswerk Tratmoos

Eine weitere ist hinter einer undurchdringlichen Wand aus Schilf, Birken und ein paar Schwarzerlen versumpft, vollständig renaturiert. Ein ohrenbetäubendes Gekecker und Gequake der Frösche in diesem Biotop macht klar, wer hier das Sagen hat – und wer nicht.
Die anderen drei Gruben gehören laut Beschilderung diversen Fischer- und Anglervereinen. Ob Schwimmen erlaubt oder geduldet ist, weiß ich nicht, verboten scheint es nicht zu sein, zumindest sind keine entsprechenden Schilder aufgestellt. Und was nicht dezidiert verboten ist, ist erlaubt.

Tratmoos

Es wäre auch zu schade drum, denn der Anblick ist mächtig verführerisch.
An einer der beiden Gruben, die der Straße am nächsten gelegen sind, steht ein Angler mit seinen beiden Kindern. Während die Wolken immer mehr aufreißen und der blaue Himmel zum Vorschein kommt, erkundige ich mich bei ihm, wie das hier mit Schwimmen so ist.
Er erzählt mir, dass hier immer geschwommen wird, auch SU-Paddler ihre Runden drehen. Also passt alles. Ich bedanke mich, verabschiede mich und stapfe zunächst zu Fuß an den Gruben entlang.

Minütlich wird das Wetter besser und das Froschkonzert lauter. Allerdings auch das Dröhnen des Kiesbaggers, dem ich immer näher komme. Die Wolken spiegeln sich im Wasser, das mal tiefblau scheint, dann wieder schillernd grün.

Frosch am Weiher

Tratmoos

Tratmoos

Wäre der Radau nicht, es wäre ein traumhaftes, idyllisches, kleines Fleckchen Natur, das ich später in einem eigenen Beitrag noch einmal vorstellen werde. Ach ja: Es gibt natürlich auch hier sirrende Hochspannungsleitungen, das verwundert nicht, der Isarkanal ist nah und an dem Kanal liegen zig kleine Wasserkraftwerke. Irgendwie muss der Strom ja von dort weggeschafft werden.

Als ich zum Ausgangspunkt meines kleines Spaziergangs zurückkomme, packt der Angler gerade zusammen.
„Sie beißen nicht“, erzählt er mir. Seine beiden Kinder sind hochinteressiert, was ich nun tun werde, zumal ich mich entschieden habe, im Neo zu schwimmen. Sie durchlöchern mich mit Fragen, erzählen vom Tauchen in der Badewanne, dass sie noch nicht richtig schwimmen können und lassen mich nur wenige Minuten zum Umziehen allein. Dann stehen sie wieder am Ufer. Warum ich eine Schwimmmütze aufsetze – wegen der Sonne und Du trägst doch auch eine Kappe.
Und warum eine Badebrille? Warum Schuhe und so weiter.

Ich erkläre alles genau, auch warum ich den Neo anziehe. Denn ich war bis vor kurzem im Urlaub, ich weiß nicht, wie warm oder kalt das Wasser ist. Vom Drilling-Haken im Neo im Kronthaler Weiher erzähle ich jetzt nichts, aber natürlich ist auch das ein Grund. In Gewässern, in denen intensiv und vornehmlich geangelt wird, ist es mir ohne gerade nicht so behaglich.
Den Neo braucht es eigentlich nicht, das Wasser ist angenehm warm, viel wärmer als nach den Gewittertagen erwartet.
Als ich die erste Runde im fast quadratischen östlichen  Weiher geschwommen bin, ist die Familie verschwunden. Der Tippgeber hat recht – hier ist wirklich überhaupt nichts los. Wen wundert’s, dass die Weiher noch nicht einmal Namen haben?

25 Meter stapfe ich über den Kies und schlüpfe in den zweiten Weiher, westlich vom ersten. Auch dieser ist fast quadratisch, auch hier schwimme ich meine Ründchen. So erledige ich in Tratmoos Nr. 78 und 79 der Freiwasser meiner Region direkt hintereinander. Es scheint wirklich das Jahr der kleinen Weiher zu werden.


Wieder fällt mir auf, dass solche ehemaligen Kiesgruben unglaublich schnell zu einer tödlichen Falle für ungeübte und schlechte Schwimmer werden können.
Die Bilder zeigen nur unzulänglich, dass die Abbruchkante sich direkt am Ufer befindet. Nach zwei Schritten ins Wasser kommt eine etwa 40 cm tiefe Stufe und nach weiteren zwei Schritten geht es senkrecht hinunter ins Bodenlose. Die Kante ist auf dem Bild allerdings kaum mehr zu erahnen, also bleibt sie auch denen verborgen, die nicht ganz genau hinschauen, wenn sie überlegen, wo sie ins Wasser gehen könnten.
Dort, wo die Kanten nicht ganz so scharf sind, geht es allerdings ebenfalls steil ins Wasser und der Boden bietet den Füßen kaum keinen Halt.
Das merke ich, als ich den Weiher verlassen will und mich als es nicht mehr so tief ist, hinstellen möchte, um die letzten Schritte zu gehen. Immer wieder rutschen die Füße weg.

Leider lauern solche Gefahren allzu oft ausgerechnet an den schönsten Uferabschnitten und eher abgeschiedenen Badeplätzen.

Einmal mehr also die dringliche Warnung an alle, die nicht wirklich gut oder gar nicht schwimmen können: Meidet solche Gewässer, zumindest solche Uferabschnitte. Das Fatale ist, dass das Wasser oft so trüb ist, dass man das nicht vom Ufer aus sehen kann und nach dem dritten Schritt kann es schon passiert sein, dass der Boden weg ist – und wenn dann Panik ausbricht, ist das lebensgefährlich. Es wäre nicht das erste Mal, dass in solchen Weihern Menschen ertrinken.


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