Kein Wassergeist am „Danninger Weiher“ – aber viel, viel Gegend

Wer es nicht so mit Geistern und Gespenstern hat – dem kann ich an dieser Stelle verraten: Den Moorleichen-Wassergeist vom Danninger Weiher gibt es nicht. Der ist eine pure Erfindung von Sebastian Schneider. Und Sebastian Schneider wiederum ist eine Erfindung von Christian Lersch und Marcus H. Rosenmüller, dem Autorengespann, die das Drehbuch für den zauberhaften Film Wer früher stirbt ist länger tot verfassten (Trailer bei Youtube – hier). Und wenn Sie das noch nicht überzeugt und Sie vielleicht meinen, da könnte doch ein Funken Wahrheit dahinter stecken: Auch der Danninger Weiher selbst ist eine Drehbucherfindung. Es gibt ihn genauso wenig. Und verwechseln Sie den jetzt bitte nicht mit dem real existierenden Deininger Weiher. Dass es diesen gibt, davon habe ich mich 2018 selbst überzeugt.

Dass es den Danninger Weiher nicht gibt, erkennt man schon daran, dass man ihn vergeblich auf der Landkarte sucht. Gedreht wurden die Szenen, die dort spielen, am Hackensee in der Nähe von Kleinhartpenning, was wiederum hinter Großhartpenning liegt. So einfach ist das in Oberbayern.  Für Ortsfremde etwas gröber: Zwischen Holzkirchen und Bad Tölz. Und da wollte ich schon lange mal hin.

Der Danninger Weiher - in Wahrheit der Hackensee

Da diese filmische Kulisse als Badesee auch im Take me to the Lakes – München Edition erwähnt wird und ich dieses Werk ja irgendwann mal komplett abgearbeitet haben möchte, mache ich mich auf dem Weg ins Tölzer Land. Ein (Feier-)Abend am und im Weiher.
Um es kurz zu machen: Schwimmtechnisch ist der See keine Wucht. Aber das habe ich auch nicht erwartet, ich bin vorgewarnt, dass es viel eher ein Spazierterrain ist. Große Teile des Sees sind schlicht nicht beschwimmbar. Nicht bei bestem Willen – aber der würde sowieso davon abraten, weil es wertvolle Biotope für geschützte Tier- und Pflanzenarten sind.
Uferzone am Hackensee - nicht beschwimmbar
Hackensee - "Danninger Weiher"Zdem ist der Hackensee ohnehin eher klein, er ist enorm verkrautet , das Wasser ist trüb-braun, mit wenig Sicht: Ein echter Moorsee eben. Ein wenig Baden und hin und her schwimmen geht; aber nicht Strecke, geschweige denn Kilometer machen.
Landschaftlich hingegen ist der See ganz große Klasse. Das liegt daran, dass er von Wald umgeben ist. Man muss knapp zwei Kilometer vom Parkplatz zum See laufen (südlich), etwas kürzer ist es, nördlich, dem Trampelpfad zu folgen. Man kann eben nicht bis „vors Loch“ fahren, was Klasse ist,…Weg durch den Wald zum See

Das Ziel ist ein relativ unspektakulärer, Badeplatz mit schiefem Steg und wackliger Leiter, aber ohne sonst irgendetwas gibt. Kein Kiosk, kein Klo, kein Gar Nichts. Alles ist sehr naturbelassen – der Besitzer (der See ist in Privatbesitz) will keinen Rummel dort, was allzu verständlich ist. Das Ökosystem würde Anstürme nicht ertragen.
Daher ist dies auch keine wirkliche Empfehlung für einen Schwimmausflug dorthin – wie gesagt: Mit Schwimmen ist es eh nicht viel.

Öffentlicher Badesteg am Danninger Weiher, dem Hackensee
Was noch?
Es gibt am Badeplatz ein paar Matschlöcher (Moorlanfschaft!), die einen Fuß bis zum Knöchel aufnehmen und einem Schuh und Strümpfe einsauen. Das habe ich für Sie getestet.
Und es gibt drölfzig Millionen Mücken, die die überschaubare Schar Spaziergänger, Jogger, Gassigeher und den einzelnen Schwimmer (nämlich mich) sofort als Beute ausmachen und von der Gelegenheit, ein Festmahl zu sich zu nehmen, reichlich Gebrauch machen.

Ein obskures Schild im Wasser erklärt die Spielregeln – nur leider ist es einfach nicht mehr lesbar.
Schild im See
Dafür ist es stachelverdrahtet, nicht, dass noch einer auf die Idee kommt, da hochzuklettern und vielleicht doch noch zu entziffern, was  einst dort gestanden haben mag.

Und es gibt Gegend – Gegend – Gegend. Wunderschön. Heimelig, beschaulich, romantisch, eine perfekte Filmlocation, und davon har Rosenmüller ja Gebrauch gemacht.

Hackensee - der Danninger Weiher im Film
Blick nach Süden am HackenseeAn einer Uferstelle am Nordufer findet sich ein Paar ein – nach kurzem Baden sitzen sie in der Abendsonne. Alles wäre perfekt für einen höchst romantischen Abend am See – wären da nicht die bereits erwähnten blutsaugenden Störenfriede, die jede unbedeckte Körperstelle in Windeseile ausmachen und einem ihre Rüssel in die Haut bohren. Da geht es den beiden sicher nicht besser als mir vor und nach dem Schwimmen.
Und wäre da nicht der „brutale“ Sound aus dem Wald: In der Ferne kreischt unentwegt eine  Motorsäge. dann hallt der Ruf „Baum fällt“ über den See. Ein zwei  Sekunden Stille. Schließlich hört man das Krachen, wenn der Baum wirklich fällt. Danach geht das Gekreische der Säge wieder los.

Kleiner Privatsteg
Nach einer eher kurz gehaltenen Schwimmrunde um Seerosen herum gehe ich den Trampelpfad am Nordufer zum Parkplatz zurück. Damit habe ich den See zu Fuß einmal umrundet. Wenigstens das. Ich will noch ein wenig schauen und ein paar Fotos machen. Es bietet sich einfach in dieser wundbaren Landschaft an. Spiegelglatt liegt der Kastensee vor mir, kein Windhauch ist zu spüren, der das Wasser kräuseln könnte.

Abendsonne am See

Moorleichen-Wassergeister aber sind auch keine am Danninger Weiher, der eigentlich Hackensee heißt, zu entdecken.
Zumindest habe ich keine gesehen,  aber das muss ja nichts heißen. Vielleicht war es nur die falsche Tageszeit.
In Bayern ist ja alles möglich…

Steg - ramponiert. Am Hackensee

 


Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.

Mehr von mir und meinen Schwimmerlebnissen in Frei- und Hallenbädern, in Seen, Weihern, Flüssen und im Meer finden Sie in meinem Buch Bahn frei – Runter vom Sofa, rein ins Wasser , das Sie in meinem Web-Shop aber auch in jeder stationären Buchhandlung bestellen können. Klicken Sie auf die Cover-Abbildung um mehr Informationen zu erhalten und in den Web-Shop zu gelangen.

Diesen Beitrag weiterempfehlen:

3 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Auch ohne Geist, eine sehr schöne und idyllische Gegend.

  2. Von der Lage her schon ein Juwel. Idyllisch mit den Holzstegen, einfach wunderschön eingerahmt, und die kleinen Biotope im See bzw. die Seerosen machen sich natürlich auch gut (fürs Auge und die Natur).
    Ich kann mir jedoch sofort vorstellen, dass es tatsächlich eher etwas für den Spaziergänger (schöne Waldwegstücke!) als für den Schwimmer ist – für dich natürlich schade. Und ich übergehe geflissentlich die erwähnten Matschlöcher und die Horden von hungrigen Mücken. (Für die wäre ich wieder das gefundene Fressen.)
    Schön, wieder einen weiteres Gewässer kennengelernt zu haben, dass sich wirklich sehen lassen kann!

    Gruß aus dem Norden
    Michèle

  3. Alexander sagt:

    Wunderschöne Bilder! Ein Traum von einem Idyll … Man muss nicht immer sportliche Höchstleistungen vollbringen… einfach abhängen und genießen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.