Zweiter Doppelpack im Münchner Westen – im Karlsfelder und im Regattaparksee

Es gibt Dinge, die tut man aus Neugier, aus großem Interesse, aus Leidenschaft.
Und es gibt Dinge, die tut man eher aus Notwendigkeit, eher der Vollständigkeit halber.
Als ich im Take me to the Lakes – München Edition vom Karlsfelder und vom Regattaparksee lese, habe ich keine großen Erwartungen. Aber es sind zwei Seen in meinem Einzugsgebiet, die ich noch nicht kenne. Also nutze ich einen Urlaubstag und fahre hin. Geplant ist ein Doppelschlag: Ein See am Vor- und der Zweite am Nachmittag.
Dann habe ich die auch abgehakt, habe ich zwei Seen mehr auf meiner Liste, die ich besucht habe und zugleich zwei Seen weniger im erwähnten Buch, in denen ich noch nie geschwommen bin.  Alles der Vollständigkeit halber also.

Sommer am Regattaparksee. Es sieht leerer aus, als es ist

Zudem kann ich mein kleines Spiel, mindestens fünf neue Seen jedes Jahr zu besuchen, für 2020 auch abhaken.

Karlsfelder See

Den Vormittag verbringe ich, nachdem ich ein paar Kleinigkeiten erledigt habe, am Karlsfelder See. Das erlaubt mir zum Einen, den See in noch relativer Leere kennenzulernen und zum Anderen die Mittagspause dort im Paulaner Biergarten zu verbringen. Gute Planung eben ist alles.
980 Meter misst der See von seinem südlichen zum nördlichen Ufer, dafür ist er nur 250 Meter breit. Ein langes, schmales Etwas. Ich suche mir im Süden ein schattiges Plätzchen unter einem der vielen Bäume. Morgens ist das noch möglich, gegen Mittag füllt es sich enorm – kein Wunder, der See liegt zwischen Karlsfeld und Dachau in einem dicht besiedelten Gebiet. Es sind Ferien, viele Eltern und noch mehr Großeltern sind mit Kindern dort, denn das Seeufer der ehemaligen Kiesgrube (was auch sonst) ist sehr flach – optimal für die Kleinen.
Kies wird dort seit 1942 nicht mehr abgebaut, die Fläche wurde lange mehr oder weniger sich selbst überlassen. Heute kümmert sich der Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München e.V., der rings um den See ein Freizeitgelände geschaffen hat, um das Naherholungsgebiet.

Der Karlsfelder See - Blick nach Süden

Das Wasser ist erstaunlich warm, der See ist nicht besonders tief, immer wieder sieht man an flacheren Stellen Wasserpflanzen emporragen.
Ich schwimme ihn der Länge nach einmal hin und einmal zurück. Merklich voller wird es zum Mittag hin, aber wenn man sich seine Bahn etwas vom Ufer entfernt wählt, kommt man sich mit den Badenden kaum ins Gehege. Erstaunlich wenig SUPs sind auf dem See, dafür sind umso mehr Schlauchboote und Luftmatratzen-Paddler unterwegs. Vor dem Schwimmen mache ich ein paar Fotos, die eine größere Leere vorgaukeln…

Die Leere am Karlsfelder See trügt.

…als sie tatsächlich vorhanden ist. Das Nachher-Bild jedenfalls spricht da eine andere Sprache.

Voll ist es vor allem im Südosten des Sees - Karlsfelder See

Ein kleiner Spaziergang gibt einen verlockenden Blick vom Süden her über den See preis, sogar etwas, was man mit viel Phantasie, und dazu gehört auch das Wegdenken des Mülls auf dem Boden, so etwas wie Natur“ vorgaukelt.

Bäume, einer im Wasser - Karlsfelder See

Aber das ist nur eine flüchtige Illusion – und die braucht auch kaum einer außer mir vielleicht.
Alle anderen zieht es aus ganz anderen Gründen an den Karlsfelder See. Sonnen, Baden, den Sommer genießen.
Alle?
Nein.

Ich werde Zeuge, wie sich ein Ehepaar heftig streitet, weil er lieber hierhin, sie aber an den Olchinger See wollte und es ihr einfach zu voll ist. Er reagiert pampig, sie trotzig. Unglaublich und mit höchstem Fremdschämpotential, was Menschen sich in der Öffentlichkeit in Hörweite Anderer an den Kopf werfen.
Bei der Weitläufigkeit des Geländes kann ich das Problem nicht wirklich erkennen, es sei denn, die Frau will wirklich 100 Meter vom nächsten entfernt ihre Sonnenliege aufbauen. Selbst das könnte sie hier, sie muss eben nur ein paar hundert Meter auf die andere Seite laufen. Da ist es deutlich leerer.

Karlsfelder See vom Süden aus

Ein landschaftliches Kleinod ist der Karlsfelder See nicht, einen Hauch von Natur vermitteln allemal die vielen Kanadagänse, zu denen sich ein paar Graugänse gesellt haben, die sich dort angesiedelt haben. Aber die gehören ja eigentlich auch nicht dahin. Vollkommen unbeeindruckt von Badenden und Sonnenden halten sie an einem Abschnitt Ufer fest, das überall mit Federn übersäht ist. Nur unwillig und fauchend weichen sie ein paar Schritte aus, wenn ihnen jemand zu nahe kommt. Ansonsten geht ihnen der sommerliche Trubel buchstäblich am A… vorbei.

Nilgänse am Ufer des Sees

Im Paulanergarten, zum Glück ohne den penetranten Markenbotschafter Olli K. und frei vom Verdacht, den Hashtag „Geschichten aus dem Paulanergarten„, mit dem auf Twitter jemandem gern unterstellt wird, er habe das Geschriebene komplett erfunden, zu bedienen, treibe ich Studien, welche Kategorie Besucher es in Sachen Corona mit Maskenpflicht ernst meint und welche nicht. Zugleich komme ich mal wieder dazu, nach dem Schwimmen, was in diesem Fall auch vor dem Schwimmen ist, einen Obatzn und einen Russn zu mir zu nehmen. Mit einem Eisportionierer klatscht mir der Wirt im Biergarten eine fette Kugel auf den Teller. Fast zu viel für eine Person, aber er schmeckt zu gut, um etwas übrig zu lassen. Und der Russ spült alles runter.

Obatzda uns Russ im Paulanergarten

Anschließend wird angemessen verdaut bevor es zum nächsten See geht. Börps! Tschuldigung!

Knie hoch - Pause

Regattaparksee

Nach einer Pause und einem weiteren kleinen Spaziergang fahre ich zum nahegelegenen Regattaparksee nach Oberschleißheim. Der befindet sich nur etwa 6 Kilometer weiter östlich, da wäre es töricht, den auszulassen, wenn ich schon mal in der Region bin. Und so viel bin ich (absichtlich) nicht im Karlsfelder See geschwommen. Da geht also noch was.
Auch der Regattaparksee, der direkt an der Olympia-Ruderstrecke von 1972 liegt und umgeben von einem kleinen Park ist, ist ein ehemaliges Kiesloch. Alles andere hätte mich auch gewundert.

Regattaparksee

Das Südufer ist als Flachwasserzone aus Naturschutzgründen gesperrt. Die Nordhälfte ist von vielen Liegewiesen umgeben, allerdings weniger flächig und es ist weniger voll als am Karlsfelder See. Es gibt ja auch keine Gastronomie direkt am Wasser.
Nochmal Börps – die Zwiebeln vom Obatzn fordern ihren Tribut. Sorry.
Es fordert etwas Geduld, Fotos zu machen, die zumindest den Anschein erwecken, ich wäre nahezu alleine dort. Aber es geht. Schließlich ist die Zeit auch vor- und so manch Badegast abgerückt. Zumindest von der jetzt im Schatten liegenden Westseite.

Scheinbare Leere am Regattaparksee

Ein beliebtes Ausflugsziel scheint der Regattaparksee zu sein, niemand stört das Permanentrauschen der nahegelegenen A92 und B471.
Die Runde im See fällt kürzer aus als geplant, weil eben einige Bereiche aus Naturschutzgründen gesperrt sind und der Zickzackkurs, den ich stattdessen schwimme am Ende doch nicht ganz die eineinhalb Kilometer zusammenbringt, die ich gerne geschwommen wäre.
Dann ist auch dieser abgehakt.

Regattaparksee

Erst zu Hause realisiere ich, dass ich an diesem Tag meiner Seenliste rings um München Nr. 50 und Nr. 51 hinzufügen kann. 50!

Und ich fange ganz langsam an zu überlegen, wo die neuen Seen 2020 sich im Ranking wohl platzieren werden. Aber noch ist Sommer – noch ist vieles offen, ein paar Seen will ich noch abklappern…


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4 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Das Paulaner war wohl das Beste. Gibt es auch einen Paulaner See? Lach …

    • zwetschgenmann sagt:

      Paulaner ist nicht unbedingt meine Lieblingsmarke. Und drin schwimmen würde ich sicher auch nicht.
      Aber zur Not nimmt man eben, was man bekommt.

  2. Struppi-2009 sagt:

    die zwei Seen gefallen mir gut und Deine Brotzeit hat Dir sicher mit dem Paulaner Weizen sehr gemundet.

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