Spazieren statt Schwimmen gehen (#16): Zwischen zwei Regenschauern zur Röthelmoosalm

Der Plan klang gut: Hinauf gemeinsam mit Freunden, die derzeit im Chiemgau Urlaub machen, auf die Dürrnbachalm – eine schöne Wanderung, angenehm für Fußkranke und Lahme oder Menschen, die höchstens mal spazieren gehen weil deren Element nicht die Erde sondern das Wasser ist. Menschen wie mich.
Allein: Das Wasser machte das Unterfangen zunichte. Denn es kam von oben. An dem verabredeten Sonntag schüttete es in Strömen. Ein zwingender Grund, mit den Freunden ein Alternativprogramm aus dem Boden zu stampfen und erst mittags einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Dann nämlich – so die WetterApp – sei es mit dem Regen bis etwa 18 Uhr vorbei. Danach drohe neues Ungemach.

Ziel unseres Spaziergangs, der für einen wie mich doch eher in die Kategorie Wanderung fällt, war das Röthelmoos zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding, etwa 4,5 Kilometer vom Ausgangspunkt der Wanderung am Weitsee entfernt. Auf gleichem Weg sollte es dann wieder nach zünftiger Einkehr auf einer Almhütte zurückgehen. Tante Google findet viele Beschreibungen dieser Tour, die als geeignet für Familien mit Kindern beschrieben wird, oder als Klassiker und Einstieg fürs Mountainbiken (entsprechend oft trifft man auf dem Weg Radler), so dass ich das an dieser Stelle textlich nicht wiederholen muss. Davon ist zum Beispiel im Blog Gipfel-Glück von Ex-Iron-Blogger-Kollegin Stefanie Dehler zu lesen.

Noch hängen die Regenwolken in Fetzen über dem Weitsee, als wir am frühen Nachmittag den dortigen Parkplatz erreichen. Ich nutze die Gelegenheit, einen Blick auf den See und mögliche Einstiegstellen zu werfen, denn im Weitsee war ich noch nie, könnte den aber gut in meine Liste und Challenge aufnehmen. Mal sehen.

Wolkenverhagener Weitsee - Blick nach Westen

Vielversprechend und einladend jedenfalls schaut er aus. Und kalt. Zur Not dann halt im Neo…

Wolkenverhagener Weitsee - Blick nach Osten

Wir folgen dem ausgeschilderten, breiten Schotterweg, sanft geht es parallel zum Großen Wappbach bergauf, spätestens jetzt ist klar, warum der Weg als familientauglich ausgewiesen ist und von Mountainbikern, die sich nicht wirklich überanstrengen wollen, gern genommen wird.

Der Große Wappbach - hinauf zum Röthelmoos

Kaum kommt die Sonne heraus wird es warm, dampfig und bremsig. Rettet die Bienen und Artenvielfalt ist ja eine Sache. Aber Bremsen? Muss nicht sein.

Freund Christof, der nicht nur ein profunder Orchideenkenner ist, weist uns auf allerlei Pflanzen aber auch auf die vielen verschiedenen Schmetterlinge hin, hetzt mit der Kamera Kaisermantel, kleinem Eisvogel und Mohrenfalter hinterher, derweil ich es wesentlich entspannter finde, winzigen Fröschen und Kröten, die den nassen, schattigen Weg kreuzen beim Hüpfen und Kriechen zuzusehen.

So verschlendern wir uns bergauf durch den Wald, bis wir die Ebene mit den Almen und dem Moos erreichen.

Kurz vor der Röthelmoos Alm

Noch immer familientauglich, fotografenfreundlich und fast schon klischeehaft arrangiert geht es dort zu. Brunnen, Hüttchen und endlich das Hochmoor:

Hölzerner Brunnen und Viehtränke

Schutzhäuschen

Röthelmoos - das Hochmoor

Der Himmel wird blau und blauer – es ist ein Fast-wie-ein-Urlaub-Tag, der nur dadurch getrübt wird, dass es eben keiner ist: Zumindest auf zwei von uns vieren am Montag das Büro wartet.

Aber das ist in solchen Momenten weit, weit weg, bedarf keiner Gedanken und keiner Erwähnung. Kleine Fluchten am Wochenende haben etwas ungemein Erholsames.
Unterhalb von Hörndlwand und Gurnwandkopf nähern wir uns den Weideflächen.

Hörndlwand und Gurnwandkopf

Das Hochmoor Röthelmoos

Gleich drei bewirtschaftete Almhütten laden Wanderer, Spaziergänger und Radler zum Verweilen ein, wir entscheiden uns für die Langerbauer-Alm, was vielleicht nicht die klügste Wahl war, womit nichts gegen die Alm gesagt sein soll. Tags drauf lese ich im Netz, dass fünfhundert Meter weiter ein Wasserfall zu bewundern gewesen wäre – nun ja. Man kann nicht alles haben. Der Ausblick von der Hütte jedenfalls ist alpin bilderbuchbayerisch und richtig was fürs Herzerl.

Alm mit Kühen

Frische Buttermilch, Brotzeitplatten mit Käse und Speck sind eine angemessene und wunderbare Stärkung für den Rückweg. Es geht wieder zwischen den Kühen hindurch. Mir kommt der Alm-Knigge des Bayerischen Rundfunks in den Sinn: Die Alm ist kein Streichelzoo. Da ist was dran und an diesem Tag habe ich den Eindruck, dass das die Almbesucher hier begriffen haben.

Ein Blick zurück zeigt, dass der Himmel an blauer Farbe verliert. Wolken und Regen sind im An- und wir deshalb im Abmarsch.

Hochmoor - der Himmel zieht zu

Aber richtig was aufs Dach gibt’s erst, als wir wieder auf der Rückfahrt sind. Heftig prasselt es, als wir den Maserer-Pass überqueren.
Egal. Wir sitzen ja im Trocknen…


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2 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Superschöne Bilder. Eine tolle Landschaft.

    • zwetschgenmann sagt:

      Danke für das Kompliment, das ehrt mich besonders, wenn es von jemandem kommt, der fotografiertechnisch so viel mehr kann als ich.

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