Dieser eine Moment – trotz allem

Dieser Moment, so schrieb ich vor Kurzem auf Facebook und Twitter in meine Timeline…

Dieser Moment, wenn Du in der Abendsonne am Teich am Waldrand sitzt, es rundum sehr still ist, aus dem Dorf das Abendgeläut herüber weht und Du denkst: „Scheißegal, ob wir im Spätsommer ins Ausland in den Urlaub fahren dürfen oder nicht. Daheim ist es genauso schön…!“

#WirbleibenZuhause
Ein Moment am Weiher, abends in vollkommener Entspannung

Ja, ich weiß – da ist enorm viel Auto-Suggestion mit dabei, um nicht zu sagen, Selbstbetrug.  So wie viele derzeit versuche auch ich, mein Unbewusstes, oder von mir aus meine Seele, mein Gemüt zu  trainieren, an etwas zu glauben, was ich eigentlich ganz anders erlebe, bzw. die Medien uns fortwährend suggerieren. Das Leben ist schön. Alles könnte viel, viel furchtbarer sein, es besteht kein Grund, in hysterische Angstzustände zu fallen.

Verschließe ich meine Augen vor der Realität?
Nein – ich blende Corona nicht aus. Ich versuche nur, damit zu leben und mir immer wieder einzureden: So schlimm ist es nun auch wieder nicht, womit ich rein subjektiv weniger die Bedrohungslage meine, also die persönliche Gefahr einer Infektion. Das sehe ich persönlich gar nicht so bedrohlich an.
Ich muss mir hingegen immer wieder klar machen, dass es so schlimm auch nicht mit den vorübergehenden Beschränkungen unserer Grundrechte, mit der Maskenpflicht, den Veranstaltungs- und Reiseverboten. All das ist aushaltbar, wenn auch nervig, nerviger als die Tatsachen an sich sind die omnipräsenten von Halbwissen, Gerüchten und moralischem Druck geprägten Diskussionen und Kommentare im Netz.

Aber ich habe gut reden, es trifft mich bei weitem nicht so sehr wie so manch anderen, der vor dem Scherbenhaufen seiner wirtschaftlichen Existenz steht, Opfer häuslicher Gewalt wird, vollkommen vereinsamt, in panischer Angst vor einer Infektion lebt oder einfach nur „am Rad dreht“ in einer kleinen Wohnung, in der die Decke bedrohlich näher kommt und einem auf den Kopf zu stürzen droht.
Ich höre von Kolleginnen, die mit ihren Kindern in Stadtwohnungen hocken und nach etlichen Wochen ohne KiTa und Grundschule, Home-Office und Home-Schooling am Ende der Nerven sind. Und ein Ende dieser Ausnahmesituation ist nicht abzusehen.
Irgendwann hilft auch Selbstaffirmation nicht mehr, sich schöne Gedanken zu machen, Think positive… Ha ha ha.
Da wird der oft in Politik und Wirtschaft zitierte Mutmach-Satz, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt, zum blanken Hohn.

Einigen Kollegen und Kolleginnen habe ich empfohlen, die Kinder, sich selbst und einen Picknick-Korb ins Auto zu packen und gelegentlich der Stadt zu entfliehen. Ich habe auf Outdooractive verwiesen, erzählt welche tollen Wanderungen, Radtouren und Spaziergänge dort empfohlen werden. Man muss nicht mit den Horden die HotSpots an den Seen ansteuern, nicht die äußerst beliebten und überfüllten Wanderstrecken in den Wäldern. Es gibt viele Alternativen im Hinterland, Wege, auf denen man ziemlich allein ist oder man einander im Zweifelsfall ausweichen kann.

Klar, Kinder sind nicht unbedingt begeisterte Wanderer – aber ein Wald ist auch ein Abenteuerspielplatz, das war er früher für mich, später für meine eigenen Kinder: Mooshäuschen bauen, auf Bäume klettern, auf Stämmen balancieren, einen kleinen Staudamm in einem Bach bauen, ein Hüttchen aus Stöcken errichten, Zielwerfen mit Tannenzapfen, an Stöcken schnitzen, der Phantasie seinen Lauf lassen kann – es gibt tausend Dinge, die man mit Kindern im Wald machen kann. Und es gibt Dutzende Ratgeber, die all das beschreiben und erklären. Nicht alles muss dabei in „Pädagogik“ ausarten, nicht jeder Baum muss der Art nach bestimmt/unterschieden werden können, nicht jeder Vogel und sein Schrei erkannt werden. Aber wer kann schon die notwendige Phantasie entwickeln, wenn die Nerven irgendwann blank liegen?

Weiher am Abend - Sorlosigkeit, einen Moment lang

Ja, ich habe leicht reden. Ich habe den Wald vor der Tür. Nicht mal 200 Meter und ich bin dort.  600 Meter laufen und ich sitze auf der Bank am Froschteich und lasse die Seele baumeln. Zumindest für eine gewisse Zeit kann ich dort all das hinter mir lassen, was nicht nur mich aufwühlt, umtreibt, nervt. Was mir Sorgen macht.
Am Weiher, abends, ein wunderbarer Moment
Vieles verliert dann für einen Moment an Relevanz.
Die Tatsache zum Beispiel, dass unser Städtetrip im Mai geplatzt ist, die Absage mehrerer Veranstaltungen, auf denen ich Voträge hätte halten dürfen, eine schöne Geburtstagsfeier, die verschoben ist auf irgendwann… Und es steht in den Sternen, ob wir in einem Vierteljahr zu einem runden Geburtstag und später zu einer Silberhochzeit werden fahren können/dürfen, ob diese überhaupt gefeiert werden. Auch die geplante Reise, die uns im frühen Herbst ans Mittelmeer und zu den Schildkröten führen soll, ist ungewiss.
All das ist enorm schade – aber dann sage ich mir: „Trotz all dem – es geht uns gut. Wir haben es schön.“
Das ist dieser Moment, wenn Du in der Abendsonne am Teich am Waldrand sitzt, es rundum sehr still ist, aus dem Dorf das Abendgeläut herüber weht und Du denkst: „Scheißegal, ob wir im Spätsommer ins Ausland in den Urlaub fahren dürfen oder nicht. Daheim ist es genauso schön…!“
#WirbleibenZuhause

In der Abendsonne am Waldrand. Ein schöner Moment

So, als ob wir eine Wahl hätten…


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1 Antwort

  1. wasserundeis sagt:

    Ich kann deinen Gedanken gut folgen.
    Ich bin aber inzwischen der Meinung, dass einige der Maßnahmen zu weit gehen – wir werden länger mit dem jetzt angehäuften Gedankengut – seien es Verschwörungen und Denunziantentum, also mit dem Virus oder dessen wirtschaftlichen Folgen.

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