Am Tinninger See und am Naturerlebnisweiher Halfing – Haken dran, erledigt

Gründe gab es einige, mal wieder zum Tinninger See zu fahren, sie alle waren mehr oder weniger fadenscheinig. Allen voran erwarte ich von diesem kleinen See in der Nähe von Rosenheim recht warmes Wasser. Er ist klein, flach, hat keine nennenswerte Zuläufe und ist damit ideal, wenn ich deutlich über 20 °C haben will, derweil alle anderen Größeren noch irgendwie an dieser Schwelle rumkrebsen.
Außerdem war ich neugierig, ob der See immer noch so verkrautet ist, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Schließlich, und das ist einer der wichtigsten, war ich das erste und bisher einzige Mal 2019. Von einem einmaligen Besuch ein Urteil über ein Schwimmgewässer abgeben zu wollen ist reichlich unfair. Also habe ich dem Tinninger Weiher einen zweiten Besuch abgetattetet und danach, weil noch Zeit ist, mir noch einen weiteren See am Rand des Chiemgaus vorgenommen. Nicht zu vergessen: Es gibt dort einen guten Kiosk, für eine Brotzeit muss allemal Zeit sein. So zumindest war der Plan.

Tinninger See

Nur hat der Kiosk geschlossen, irgendwie ist der Sommer bei den Betreibern noch nicht angekommen oder die Zuversicht, Umsatz zu machen, auch wenn nicht Wochenende ist. Sei’s drum! Brotzeit geht auch woanders.
Ab in den See, der nicht nur angenehm warm sondern auch sehr leer ist. Zumindest, was Menschen betrifft.

Badesteg am Tinninger See

Für das Raue Hornblatt sieht die Sache allerdings ganz anders aus, wie bereits ein Blick vom Badesteg klar macht. Die Eutrophierung ist in vollem Gange. Es wächst wie wild, offensichtlich ist es ein aussichtsloser Kampf, die Pflanzen rauszureißen.

Teppich von Wasserpflanzen auf dem Tinninger See

Teppich von Wasserpflanzen auf dem Tinninger See

Wie es auch ein aussichtsloses Unterfangen ist, sie beim Schwimmen zu ignorieren. Viele sind bereits an der Oberfläche angekommen oder kurz davor, man kann also nicht mehr über sie hinweg schwimmen. Ja ok: Man könnte schon, wenn es nur ein kleines Stückchen wäre. Das weiß man aber nicht, wenn man sich der „Wand“ aus Hornblatt nähert. Und dadurch wird es meistens eher unangenehm, die Pflanze heißt nicht von ungefähr Raues Hornblatt. Rau ist sie und kratzig ist sie auch. Zwei- dreimal lande ich unvermittelt in einem ganzen Teppich. Es wird wirklich anstrengend, da durch zu pflügen, vor allem mit der kleinen Kamera im Schlepptau, an der sich ratzfatz büschelweise Hornblatt verfängt.
Ich suche einen anderen Weg. Es gibt immer noch schmale Passagen, dort ist das Hornblatt noch nicht soweit, dort habe ich ein Stück zumindest freie Bahn.

Raues Hornblatt im Tinninger See

Nur führt mich das nicht unbedingt dorthin, wo ich hin will. Einerseits ist es schön, über die Pflanzen zu schwimmen, ein wenig ist das wie das Fliegen in den verzweigten Schluchten eines Canyons in einem Sci-Fi. Kurvig, eng, wenig Sicht, Hornblattwände rechts und links.
Überall steigen kleine Blasen vor mir und neben mir auf. Es ist ein Naturerlebnis. Aber andererseits ist es eben kein ebtspanntes Schwimmen.

Raues Hornblatt Tinninger See

Es langt dann auch nach relativ kurzer Zeit.
Als ich aus dem Wasser komme, hat der Kiosk immer noch nicht auf. Schade. Drei Schritte abseits des Badeplatzes ins Grün genügen, um von einer Heerschar von Mücken überfallen zu werden. Am Steg war wenig davon zu merken, aber auf dem Uferrundweg dürfte es ein regelrechter Aderlass werden. Nein, Danke! Kein Spaziergang!

Badesteg am Tinninger See

Da mache ich doch lieber die Biege und besuche noch einen anderen See.
Eine Brotzeit wäre sicher bei einem Bäcker in einem der Dörfer möglich, aber ich steuere lieber den Kiosk am Rinser See an, der ist nicht weit entfernt. Dort hat der Kiosk phantastisches Eis. Aber eben auch nicht auf.
Das führt mich nach erneuter Planänderung nach Halfing zu einem Bäcker, bei dem ich schon öfter Station gemacht habe. Und von dort ist es nur noch ein Katzensprung zum Naturerlebnisweiher Halfing.
Der Name klingt reichlich hochtrabend für eine alte Kiesgrube, die zu einem Weiher nebst Liegewiesen und Beachvolleyplatz umgebaut wurde. Und einen Vereins-Fußballplatz gibt es auch.

Von dem Weiher weiß ich seit Jahren, oft führt uns der Weg von oder aus dem Chiemgau durch Halfing, immer kamen wir am Weiher vorbei. Ein wenig verächtlich habe ich es bisher verworfen, hier schwimmen zu gehen. Zu klein, zu voll, ein Dorfteich. Wozu?

Halfinger Naturerlebnisweiher

Groß ist er nicht, zugegeben, aber ich war in kleineren Gewässern und nehme solche Gelegenheiten mittlerweile gern war, meine Liste oberbayerischer Gewässer um ein weiteres vorher nicht Gekanntes zu erweitern. (Nr. 106 – fürs Protokoll).
Besonders warm ist der Naturerlebnisweiher nicht. Kiesgruben sind immer kälter als vergleichsgroße Seen, aber hier kommt noch dazu, dass der Weiher zu dem genutzt wird, zu dem er da ist – eben zum Baden. Das wirbelt das Wasser durcheinander und schon ist das ruhige warme Oberflächenwasser perdu.

Im Halfinger Naturerlebnisweiher

Von Naturerlebnis im Weiher zu sprechen, ist einigermaßen übertrieben, da habe ich schon ganz anderes gesehen. Vielleicht ist die Namensgebung aber auch nur die Umschreibung dafür, dass es keine Badeinsel, keinen Steg, keine Wasserwacht… kein gar nichts gibt. Das finde ich nicht weiter tragisch, aber eben den Namen auch nicht ganz richtig.

Warnschild im Halfinger Naturerlebnisweiher

Außer einem Schwarm Gänsen, ein paar Fischen, Wasserläufern und jeder Menge Becherazurjungfern gibt es nämlich nichts, was man als Naturerlebnis benennen könnte.
Aber das ist doch auch schon mal was. Immerhin wird eine dieser Libellen auserkoren zum Foto der Woche zum Thema Sommeranfang.

Libelle im Halfinger Naturerlebnisweiher

Das ist doch auch schon mal was…


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