Als Tourist daheim (18): Die letzte Fünfer Runde, jetzt habe ich sie alle (Teil 3)

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Teil 2 hier

Es sollte ein Finale Furiose werden, die letzte Fünfer-Runde, und das war es auch. Inklusive der Kirche St. Sebastian eine Aufeinanderfolge von Promis. Jetzt, auf dem Rückweg widme ich mich dem „Beifang“. Ich hatte überlegt, die Runde genau andersherum zu machen, dann wäre das Beste wirklich zum Schluss gekommen, aber das Beste wäre dann nicht mehr das Beste sondern nur noch ein Geschiebe und Gedränge inmitten von Menschenmassen. Und es hätte mich dem Druck ausgesetzt, mich immer zu beeilen, um noch rechtzeitig am Königssee zu sein, denn die Schifffahrt stellt ihren Betrieb relativ früh ein und das letzte Schiff zurück muss man halt erwischen. Sonst wird’s unangenehm.

Während im Radio auf Bayern 1 in der Bundeligakonferenz der Moderator und die Reporter der Spiele mit bayerischer Beteiligung fortwährend ächzen, freut mich jedes vermeldete Tor, das Augsburg in Dortmund kassiert (das Spiel endet 5:1 für die Guten). Auch freut mich jedes Tor des VfB Stuttgart, der den FC Bayern mit 3:1 besiegt und der ungeklärten Trainerfrage in München eine weitere hitzige Diskussion auf dem Sender beschert. So erreiche ich den Saalachsee. Den Parkplatz an der B21 hatte ich vorab auf Google Maps erkundet. Großes erwarte ich nicht. Was kann auch nach dem, was ich heute schon gesehen habe, noch kommen?

4. Saalachsee

Der Saalachsee ist ein wenig ansehnliches Gewässer bei Bad Reichenhall, entstanden durch die Aufstauung des Flusses Saalach.

An seinem Nordende befinden sich eine kleine Staumauer und ein Kraftwerk, am anderen im Süden ein Kies- und ein Fertigbetonwerk. Also ist das alles andere als malerisch. Da mich der Weg über die B21 aber direkt am See entlang führt, mache ich trotzdem hier einen kurzen Halt. Vielleicht gelingt ja ein Foto.

Ein paar hundert Meter langer Weg, führt direkt am künstlich angelegten Ufer des Sees entlang. Die Sonne scheint, die Stimmung ist famos. Ich spaziere ein Stück am aufgestauten Fluss entlang und bilde mir ein, es sei schön hier. Als potentielles Schwimmrevier hake ich den Saalachsee allerdings sofort ab. Abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, ob das in dem Stausee erlaubt wäre, ist es auch alles andere als attraktiv. Nicht mal die geschotterte LKW Piste am Ufer ist ein ein empfehlenswerter Spazierweg.
Fazit: Schön ist etwas anderes.

Nun liegt Schönheit im Auge des Betrachters – eine seit der griechischen Antike bekannte Weisheit. Der Saalachsee kann nichts dafür, dass ich aus den Bergen wieder heruntergekommen habe und mit Königs-, Ober- und Hintersee absolute Highlights besucht hatte. Und als künstliches Gewässer ist er ganz sicher nicht zur Verschönerung der Landschaft angelegt worden oder wie viele künstlichen Kiesweiher und -seen nach dem Ende des Abbaus durch Landschaftsarchitekten in geformte schöne Naherholungsgebiete eingebettet. So fair muss man sein.
Also stelle ich mir die Aufgabe, wenigstens ein oder zwei Bilder vom See zu machen, die fern von der Wirklichkeit den Anschein erwecken, es sei doch ein sehenswerter Ort.
Schließlich fotografiere ich bei den Promi-Seen auch um die Leute herum und „verfälsche“ so die Wahrheit.
Dann kann und darf ich das hier ganz genauso machen

Ich laufe das aufgeschotterte Ufer entlang bis zum versüerrten Tor, das die Einfahrt zum Betonwerk markiert, dann kehre ich wieder um. Hin und wieder sausen Radfahrer an mir vorbei, ein jüngeres Paar steht mit Ferngläsern am Ufer, Birdwatcher offensichtlich, die ihre Blicke stur auf ein paar Kanadagänse gerichtet haben.
Zurück zum Auto – die Runde zum Abschluss bringen.
Was bleibt ist ein Bild von einem Baum im Maigrün in der Abendsonne (leider mit Kieslaster dahinter) vor dem tiefdunklen Wald am gegenüberliegenden Ufer. Dazu glitzernde Reflektionen der Sonne auf dem Wasser. Dann hat sich der Halt also doch gelohnt.

5. Thumsee

Es ist kurz vor 18 Uhr, als ich den Thumsee erreiche. Hinter den Bergen zieht sich langsam die Sonne zurück, ihre Schatten liegen über dem Großteil des Sees, den ich umrunde. Schnell wird es kühl, es war ein Fehler, ohne Jacke loszulaufen. Aber so weit ist der Weg nicht, knapp 3 Kilometer, da lohnt sich das Umkehren, um sie noch zu holen, nicht.

Am See gibt es ein Strandbad, dazu eine große freie Liegewiese (Memo an mich: Noch mal herkommen) und mehrere Restaurants, in einem, das auch ein Hotel ist, hat 1901 Siegmund Freud seinen Familienurlaub verbracht. Darauf ist man heute noch stolz, ein Schild an der Fassade berichtet darüber. Vielleicht erhofft man sich einen späten Promi Bonus davon.

Musik schallt über die Terrasse, elegant gekleidete Menschen stehen rauchend auf dem Parkplatz und beobachten ihre herausgeputzten Kinder, die sich auf dem Spielplatz vergnügen und dabei ihre hübsche Garderobe einsauen. Eine Familienfeier ganz offensichtlich…
„Thumsee ist wirklich ein kleines Paradies, besonders für die Kinder, die hier wie wild gefüttert werden, sich miteinander und mit den Gästen um die Boote raufen, auf denen sie dann unseren besorgten Elternblick entschwinden,“ notierte 1901 Freud, wie ich später auf der Webseite des Hotels nachlese. Das war wohl früher schon so, dass die Kinder ihre eigenen Vorstellungen von Vergnügungen hatten, die nicht unbedingt mit denen der Eltern kompatibel sind. Wer, wenn nicht Freud, sollte das wissen?

Vom gegenüberliegenden Ufer mache ich ein Foto des denkmalgeschützten über 150 Jahre alten Wirtshauses.

Auch den Thumsee nehme ich in die Liste der Seen auf, in denen ich unbedingt mal schwimmen gehen möchte. Das Ostufer ist ein gesperrtes Schutzgebiet, aber es wird auch so genug beschwimmbare Bereiche geben, das sehe ich sofort.

Eine ganze Serie von Bildern schieße ich schließlich vom Südufer auf entlang des Sees. Zwischen den Bäumen ragen die Ruinen der alten Burg Karlstein empor, zu der sich sicher auch mal ein Spaziergang lohnt. Aber nicht heute. Der Tag war voll genug gepackt. Der Morgen am Königssee liegt schon wieder so weit zurück, weil ich so viel zwischenzeitlich erlebt, gesehen und fotografiert habe, dass es mir fast schon unwirklich vorkommt, dass das alles am gleichen Tag geschah.
Es wird Zeit für die Heimfahrt.
Und das soll es dann auch mit diesen exzessiven Seentouren zum Fotografieren und den jeweiligen Blogmehrteilern zu jeder Runde gewesen sein.

Jetzt hab ich sie alle!


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