Von allen Tassen im Schrank – oder der Vitrine. Das Museum der Phantasie

Ich weiß nicht, ob Lothar Günther Buchheim noch alle Tassen im Schrank hatte oder nicht. Jedenfalls hatte er unendlich viele davon, eine kitschiger als die andere. Er war schon ein Exzentriker, der Autor (Das Boot), Sammler, Verleger, Fotograf. Von asiatischer Volkskunst über Nippes, Tassen, gläsernen Briefbeschwerern bis hin zu musealer Kunst von Erich Heckel und der Künstlergemeinschaft Die Brücke sammelte Buchheim, was ihm unter die Finger kam.
All das wollte er eigentlich seiner Heimatgemeinde Feldafing am Starnberger See zur Verfügung stellen, vorausgesetzt, man errichtete dafür ein eigenes Museum, um all das der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Feldafinger Bürger winkten nach zahlreichen Querelen mit Buchheim ab, ein paar Kilometer weiter in Bernried aber griff man zu und so steht dort seit 1999 das Museum der Phantasie, das auch Buchheim-Museum genannt wird.

Museum der Phantasie in Bernried

Ein wenig Stress gab es auch dort zu Lebzeiten Buchheims, als man sich bemühte, das Konvolut an Exponaten zu sortieren um zu entscheiden, was man zeigen wollte, und was nicht. Zu weit die Spanne zwischen Kitsch und Kunst, Nichtigem und Bedeutendem. Mittlerweile aber hat man sich eingerichtet – was bedeutet, Schwerpunkte sind gesetzt und die liegen eindeutig auf der expressionistischen Kunst.

Die bereits erwähnten Tassen und gläsernen Briefbeschwerer (es müssen Tausende sein), lagern etwas abgedrängt im 4. Stock unterm Dach. Da verirrt sich so schnell niemand hin und der Pflicht ist Genüge geleistet. Dort entstand übrigens das Foto Nicht alle Tassen im Schrank für #JedeWocheEinFoto. Erst wusste ich nicht so genau, was ich zeigen wollte. Aber dort offenbarte es sich mir.

Die Tassensammlung eines Sammlers, der nicht alle Tassen im Schrank hat.

Kitschige Tassen im Schrank

Gelegentlich führt der Zufall eine sonderbare Regie. Vor lauter Tassen im Glasschrank (und sicher gibt es im Depot noch mehr), wage ich nicht zu beurteilen, welche die Kitschigste ist.
Diese?

Kitschige Tassen

Diese?

Noch kitschigere Tassen

Das Fotografieren ist schwierig, meine Kamera darf (und will) ich nicht durchs Museum mitnehmen, mit Handy ist es erlaubt, so dass ich wenigstens ein paar Bilder machen kann. Allerdings sind die Rück- und Seitenwände der Vitrinen aus Spiegelglas, nur sehr verwinkelte Fotos sind möglich, will ich mich nicht selbst mit im Bild haben.

Der Ausstellungsraum asiatischer Volkskunst ist schnell durchschritten – mir fehlt der Zugang dazu, wohl auch das Interesse, um so mehr begeistern mich die Grafiken und Gemälde von Erich Heckel sowie die Exponate der Künstlergemeinschaft Die Brücke. Von Heckel möchte ich hier einige zeigen. Das als kleine Anregung für alle, die mir irgendwann mal etwas schenken möchten:

Erich Heckel - Das Floß

Erich Heckel - Badende im Schilf

Erich Heckel - Zwei Verweundete

Die kleine Auswahl zeigt die drei Werke, auf die ich es als allererstes abgesehen habe. Wenn Sie also eventuell bei der Beschaffung behilflich sein wollen, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Als da wären:

Das Floß. Holzschnitt von 1905
Badende im Schilf. Lithographie auf Vergé von 1910
Zwei Verwundete. Holzschnitt von 1914

Ich kann verstehen, dass Lothar Günther Buchheim Heckel-Grafiken und Gemälde gesammelt hat. Ich kann auch verstehen, dass die Gemeinde Bernried zugeschlagen und dieses Museum errichtet hat, denn dieses Kunstwerke zeigen zu können, ist schon etwas Besonderes – nicht zu vergessen das wohl berühmteste Exponat, das Gemälde Der schlafende Pechstein von 1910.

Erich Heckel - der schlafende Pechstein

Wer öfter in Museen unterwegs ist, weiß, dass sich vor Gemälden dieser Bekanntheit oft die Massen drängen und man sie sich kaum in aller Ruhe betrachten kann; nicht so an diesem Tag im Museum der Phantasie.
Das Hygienekonzept angesichts der Corona-Pandemie lässt nur eine begrenzte Zahl an Besuchern zu, die gleichzeitig ins Gebäude dürfen. Und noch dazu ist der Zeitpunkt gut gewählt. Außerhalb der Ferien, der Hauptreisezeiten und unter der Woche kann ein Urlaubstag „Dahoam“ gut genutzt werden, endlich mal all das abzuklappern, wozu man sonst angesichts der Besuchermassen und Bustouristen gar keine Lust hat.

Denn auch das Museum der Phantasie ist häufig überlaufen.

Ein Flanieren durch den Park vorbei an allerlei höchst phantasieanregenden Kunstwerken, Installationen und dem berühmten auf dem Trockenen liegenden vormaligen Ausflugsschiff MS Phantasie, das in coronareien Zeiten einst Hort für Kindermalschulen und -aktionen war, ist angesichts der Leere und trotz des bedrohlich näher kommenden Gewitters ein großes Vergnügen.
Erlaubt es doch Fotos ohne andere Menschen.

MS Phantasie (Tassen)

So ganz stimmt das nicht – überall sind andere Menschen, aber die meisten sind nicht echt. Herzallerliebst zum Beispiel die Gallionsfigur des Bootes.

Skulptur im Garten - zu den Tassen

Skulptur im Park - Tassen

Besonders angetan haben es mir diese beiden:

Sitzendes Paar im Garten (Skulptur) Tassen

Auch die würden sich außerordentlich gut im eigenen Garten machen, wenn sie auch selbigen dominieren und die Mitbewohner des Ortes ein ganz klein wenig an unserem Verstand würden zweifeln lassen. Aber so ist das nun mal mit der Kunst. Auch die grellbunte Riesenlibelle, einst ein polnischer Mil Mi 2T Militärhubschrauber, gehört dazu.

Bemalter Hubschrauber

Wer Kunst liebt, hat sicher nicht alle Tassen im Schrank. Und das ist gut so.

Nachtrag:
Vom Museum aus führt ein langer Steg hinaus Richtung Starnberger See. Bildern im Netz zu Folge normalerweise dicht gefüllt mit Menschen. Nicht so bei unserem Besuch.

Museumssteg

Von der Stegspitze aus genießen wir einen faszinierenden Blick über den Starnberger See.

Ausblick auf den Starnberger See

Gut, dass Bernried zugeschlagen und sich auf das Wagnis Museum der Phantasie eingelassen hat. Die Feldafinger haben es versaut, die haben eben nicht alle Tassen im Schrank.


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