Nr. 61 und Nr: 62 im Norden – der Unterschleißheimer und der Waldschwaigsee

Zwei weitere Seen habe ich ausprobiert – einen zum Abhaken, einen zum Wiederkommen.

Der Unterschleißheimer See

Nein – natürlich schwimmt man im Unterschleißheimer See nicht wirklich unter Strom. Aber man schwimmt irgendwie doch unter Strom; genauer gesagt: In diesem See, der einst aus einer Kiesgrube entstand, schwimmt man unter Strommasten und Leitungen. Also in gewisser Weise auch unter Strom.

Schwimmen unter Strom im Unterschleißheimer See

Zwei Dinge dominieren den kleinen See und sein weitläufiges parkartiges Uferareal: Der dröhnende Lärm der nahen A92 und eben die Hochspannungsleitung, die direkt über den See führt und deren Masten dicht am Ufer stehen. Beides ist unvermeidbar, dem Bau der Autobahn verdankt der Unterschleißheimer See letztlich sogar seine Existenz. Und es gibt wohl keinen Punkt, an dem man nicht mindestens einen der Strommasten im Blick und damit mit im Bild hat. Außer vielleicht, man schaut stur unter Wasser. Muss man mögen, kann man ignorieren oder zur Not einen Aluhut aufsetzen oder einfach woanders hingehen, wenn man damit ein Problem hat.

Der Unterschleißheimer See ist weiteres kleines Gewässer, wie ich sie schon zu Dutzenden in meiner Liste und in meinem Ranking habe – und ehrlich: So ganz langsam finde ich diese wohlaufgeräumten Kies-Seen mit ihren properen Naherholungsgeländen ringsum nur noch langweilig, beliebig und austauschbar.
„Warum“, fragt meine Frau zu Recht, als ich das erwähne, „warum fährst Du da überhaupt noch hin?“
Die Antwort ist denkbar einfach. Der Münchner Norden und die angrenzenden Landkreise sind voll davon und sie alle sind einfach und schnell nach der Arbeit zu erreichen. Vor allem aber helfen sie mir, die Zahl der Seen rings um München und in der Landeshauptstadt, die ich besucht habe, deutlich nach oben zu treiben. Hinfahren, schwimmen – Zack wieder einer. So komme ich jetzt auf über 60.
Weit oben platziert sich keiner dieser Weiher in meinem Ranking – sie sind quasi die Füllmasse. Aber jeder See hat seine Berechtigung, seine Nutzer, Schwimmer und Erholungssuchenden. Gut also, dass es so viele sind, denn München und sein Speckgürtel brauchen jeden einzelnen Teich.

Schwimmen unter Strom im Unterschleißheimer See

Fair ist das Vergleichen allerdings nicht, eher wie bei Äpfeln und Birnen, wenn ich den Unterschleißheimer See zum Beispiel mit dem Schliersee, Ostersee oder Chiemsee in einem gemeinsamen Ranking einordne. Aber so sind nun mal die Regeln.
Ich weiß das, ich habe sie selbst aufgestellt.

Überaus voll präsentiert sich mir der See, was jetzt nicht die Besucher meint, sondern den Wasserstand. Voll, warm und erstaunlich klar. Ein Ablauf führt das Zuviel an Wasser über einen Graben in die Moosach, die es dann irgendwann der Isar aufs Auge drückt, trotzdem drückt es auf die angrenzenden Liegewiesen, die Gewitter mit Starkregen in den letzten Wochen haben sicher ihren Anteil daran.

An diesem Abend und unter der Woche ist nicht mehr allzu voll, was das Schwimmen angenehm macht. Am Wochenende aber mag es, so verraten viele Bilder im Netz, dort ordentlich zugehen.
Das Südufer ist ein Biotop, ein Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen, ein abgesperrtes Terrain mit Betretungsverbot. Jedoch traut man wohl den Verbotsschildern allein nicht so ganz und hat sowohl von Land- als auch von Wasserseite aus Zäune aufgestellt, die die Zweibeiner abhalten sollen. Es wird wohl seine Gründe haben, warum das notwendig war.

Während sich also auf der Nordseite noch einige Familien mit planschenden Kindern vergnügen, liegen auf der anderen Seite fette Karpfen im warmen Wasser. Ich sehe sie, als ich über sie hinwegschwimme, träge bewegen sie sich von ihren Plätzen, als ich ihnen dann doch zu nahe komme. Zumindest denken sie das wohl.

Schwimmen unter Strom im Unterschleißheimer See

Natürlich ist das Bullshit – was sollte ich schon von einem Karpfen wollen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich sie sowieso niemals erwischen könnte als Schwimmer. Ein paar Flossenschläge und sie sind im tiefen Wasser, allen Blicken und jedem Zugriff entzogen.
Wäre nicht wenigstens diese Begegnung, der See wäre noch um Einiges langweiliger, so aber ist wenigstens ein bisschen was passiert.
Ach ja: Und die Strommasten, die hat es allerdings auch am Hollerner und Echinger See. So etwas Besonderes ist das also auch nicht. Schwimmen unter Strom geht eben auch anderswo.

Schwimmen unter Strom im Unterschleißheimer See

Langsam wird es Zeit für ein paar „richtige“ Seen, auch, um vielleicht mal wieder in die Weite zu schwimmen und nicht immer nur im Kreis.

Und doch stehe ich die Woche drauf wieder am Ufer einer solchen ehemaligen Kiesgrube in der Nähe von Dachau:

Der Waldschwaigsee

Wärmstens ist mir der See empfohlen worden und das gleich von Mehreren.

Weil er so ganz anders ist als die ganzen Kiesseen, die ich sonst so abklappere. Weil es vergleichsweise leer dort ist, denn die Massen zieht es dort an den wesentlich größeren Karlsfelder See. Ruhig liegt er da, der Waldschwaigsee mit seiner kleinen Insel mittendrin. Das Wasser kräuselt sich, das Licht ist sehr speziell an diesem Abend, denn das Wetter kann sich nicht entscheiden, ob der Himmel zuzieht oder die Wolken verschwinden werden.

Kühl ist es nach den vielen Gewittern der vergangenen Tage, das Wasser war schon mal wärmer, denke ich mir und schlupfe vorsichtshalber in den Neo, was aber vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre. Aber wie soll man das wissen, wenn nur ein paar Leute etwas hin und her brüsteln, zwei junge Männer ins Wasser sausen und augenblicklich schreien und quicken, als ginge es um ihr Leben und nicht nur im ein paar fehlende Grad Celsius.
Doch gut, dass ich im Neo bin.

Den Gänsen macht das freilich nichts, sie genießen die Ruhe, scheißen munter Wiesen, Wege und den Steg voll und sind auch sonst frohgemut. Gnädig lassen mich die, die im Wasser sind, vorbei ohne sich irgendwie beunruhigt zu fühlen. Es geht, wie sollte es auch anders sein, der untergehenden Sonne entgegen, die eine Lichtspur aufs Wasser wirft. Funkelnde Reflexionen. Wunderschön.

Noch schöner aber ist es, nach dem Schwimmen vom Ufer aus in dieser sehr sonderbaren Stimmung auf der Bank in der Abendsonne zu sitzen.

Wie war das noch?
Sitzt nicht doch irgendwo der liebe Gott am Ufer, schaut versonnen über den – zugegeben nicht von ihm – erschaffenen See und lässt alle Fünfe gerade sein. Wie man das eben so macht im Home Office.

Sie müssen jetzt ganz tapfer sein: Aber so sah es wirklich aus.
Im Münchner Norden (bzw. Nordwesten), bei Dachau, also dort, wo eigentlich gar nichts schön ist.


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