Mediatipps (Teil 21): „Anekdoten eines Beifahrers“ von Daniel Dakuna

Die einen tun es, um sich etwas zu beweisen oder an ihre Grenzen zu gehen.
Die anderen tun es, weil sie sich längst ihren einen Traum erfüllen wollten.
Und die dritten einfach, weil sie Bock darauf haben.

So einer ist Daniel Klesen, der sich Daniel Dakuna nennt, sich an den Straßenrand gestellt und den Daumen rausgestreckt hat: 42 Länder, 53.000 Kilometer, 432 Mitfahrgelegenheiten und 135 Einladungen zum Übernachtungen. So bilanziert er ebenso nüchtern wie er damit die Neugier der Leser anstachelt auf dem Klappentext seiner Anekdoten eines Beifahrers.
Worum geht es also? Seine Schilderungen, wie er die Welt als Tramper bereist (zumindest Teile davon), viel zu erleben, daraus ein Showproramm (früher hätte man es Vortragsabend genannt) und aus all dem auch ein Buch gemacht hat.
Das hat mich neugierig gemacht. Denn das das Beste: Dakuna nimmt einen überall mit hin:. Auf die Beifahrersitze der Autos, in interessante und faszinierende Winkel fremder Länder, in die Wohnungen und Häuser, in denen er auf Einladung übernachten musste, aber auch in sein saarländisches Heimatdorf und auf die Bühne, wenn er das Lampenfieber heruntergrungen hat und vor Publikum von dem Erlebten erzählt.
Ein Trailer zum Buch (hat man sowas schon mal gesehen?) macht noch mehr Appetit (Link zu YT):

 

 

Als mir vor ein paar Monaten das erste Mal Werbung für dieses Buch bei Facebook entgegenschwappte (es ist eben nicht jede FB Werbung komplett am potentiellen Käufer vorbei ausgespielt) und dann mit schöner Regel- und Hartnäckigkeit auftauchte, habe ich das Buch irgendwann bestellt. So eine hartnäckige Werbeaktion wollte schließlich nicht ganz vergebens gewesen sein und mein Interesse war schnell geweckt.

Warum eigentlich?
Ich bin kein Anhalter (war ich nie) und auch kein Weltreisender. Mich treibt weder die Abenteuerlust noch das Fernweh kreuz und quer durch die Welt.  Trotzdem, oder gerade deshalb, lese ich bisweilen gern darüber, wie Leute mit dem Rad durch Frankreich kurven, mit dem Moped nach Las Vegas knattern, den Rhein herunterschwimmen, die Alpen von Ost nach West durchwandern… Bequem von Sofa aus, der Liege im Garten oder auf der Wiese an irgendeinem See liegend. All das muss ich nicht selber machen, aber ich freue mich, wenn andere das tun und mit großer Begeisterung davon erzählen. Und ich gehöre noch immer zu denen, die hin und wieder jemanden mitnehmen, der mit ausgestrecktem Daumen und freundlich lächelnd am Straßenrand steht. Mal nur bis zur nächsten Kleinstadt zur S-Bahn, mal auch längere Strecken. Wie es sich so ergibt.  Und gelegentlich habe ich auch schon meine Fahrrouten geändert, um einen Anhalter an einer für ihn sinnvolleren Stelle abzusetzen.

Ein paar Tage oder Wochen (je nach aktuellem Lesetempo oder Zeit) begleite ich all diese „Freaks“, von denen ich lese,  bei ihren Unternehmungen und habe viel Spaß daran. So auch an Dakunas Anekdoten wie auch seinem Bericht von der Bühnenperformance. Vor Publikum zu stehen und es mitzureißen zu versuchen. Auch eine Art Abenteuer.  Diesen Spagat der mehrfachen Erzählebenen, wie Dakuna es liefert, kannte ich so noch nicht, er ist überaus gelungen.

Was ich besonders gut finde: Endlich erzählt auch mal einer nicht nur, warum er so etwas macht und was es mit ihm anstellt. Dakuna konzentriert sich auch auf viele Kleinigkeiten und beantwortet so, was man sich als Leser immer auch fragt: So schildert er beispielsweise, wie er trotz aller Sprachbarrieren und gelegentlich nur mit Händen und Füßen bzw. Google-Übersetzer im Handy  mit der Bevölkerung der bereisten Länder kommunizieren konnte; dass alle Fotos auf seinen Reisen „nur“ mit einem Handy gemacht wurden;  dass er trotz aller Bedenken, vielleicht überfallen und ausgeraubt zu werden, trampt. Und er hebt die notwendige Bereitschaft, sich auf wildfremde Menschen einlassen zu müssen, Vorurteile und Klischeevorstellungen über Bord zu werfen, immer wieder hervor. Die Anekdoten eines Beifahrers sind auch ein flammendes Plädoyer für Offenheit im Umgang miteinander, an das Gute im anderen zu glauben. Anders würden solche Abenteuer wohl auch nicht funktionieren.
Zwangsläufig geraten solche Bücher auch immer zu einer Selbstoffenbarung. Sie geben immer viel Einblick in das Denken und Fühlen des Autors, auch in seine Ansichten und Standpunkte. Denn all die Erfahrungen wollen reflektiert, eingeordnet und kommentiert werden. Und damit lernt man über 300 Seiten einen wildfremden Menschen kennen, als würde er gleich nebenan wohnen. Und der muss einem sympathisch sein. Sonst funktioniert das Konzept dieser Bücher nicht.  Das macht diese Art Literatur so authentisch und schafft Nähe zu einem Menschen, den man mit jedem Abschnitt besser zu kennen meint und der doch letzten Endes ein vollkommen Fremder ist, der quasi in Buchform eine Zeitlang auf dem Sofa- oder Nachttisch herumliegt, wie ein Beifahrer eine kurze Zeit in das Leben des Lesers hineinhüpft, dann wieder verschwindet und nur Erinnerungen hinterlässt.
Eben wie jemand, den man ein paar Kilometer oder auch eine längere Strecke im Auto neben sich sitzen hat und vielleicht doch ins Plaudern kommt.  Und dabei ganz viel Spannendes zu hören bzw. zu lesen bekommt.

 

PS an Facebook: Ich habe das Buch bereits gekauft. Spielt bitte die Werbung dafür jetzt lieber anderen Accounts aus, die es noch nicht haben. Das wäre sinnvoller, statt sie mir immer wieder in die Timeline zu spülen ;).. Daran müsst Ihr noch arbeiten.

 


Jetzt hier kaufen (Link zu Dakunas Webshop – das Buch gibt es aber auch über die ISBN bei Ihrem Buchhändler):

Daniel Dakuna: Anekdoten eines Beifahrers

Softcover  / 327 Buchseiten davon 62 Bilderseiten / Verlag: L100 Kempen / Erschienen 10.12.2020 / Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3947984091

Preis: 20,00 €


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Vielen Dank fürs Lesen.

 

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