Überall Haarflieger, sonst niemand – im Notzinger Weiher

Dazu auch: Auf Trampelpfaden um den Weiher herum – am Notzinger Weiher

Zweii immense Vorteile bietet der Notzinger Weiher im nordwestlichen Teil des Landkreises Erding: Relative Abgeschiedenheit und wärmeres Wasser als andernorts.
Zunächst: Es ist nicht ein Weiher, es sind drei. Der östlichste, der Brandl-Weiher ist zum Schwimmen eigentlich uninteressant, da er recht klein ist. Am sogenannten Kleinen Notzinger Weiher gibt es eine große Liegewiese und Kiosk, also das, was die Naherholenden suchen. Dazu einen Badesteg, einen Naturlehrpfad und einen Spielplatz. Das zieht die Besucher fern und hält die meisten vom größten ab. Der nämlich ist „naturbelassen“, also ohne Badeaufsicht, Steg, und ausgedehnte Liegewiesen. Damit ist dieser Weiher für viele Besucher eher unattraktiv. Die Folge: Er ist nicht überlaufen, nur wenige Leute suchen dort ihren Platz. Während es am Nachbarweiher oft ziemlich voll ist, ist man am großen Notzinger Weiher gottlob oft ziemlich allein.Der Notzinger Weiher im Landkreis Erding
Zudem ist er nicht besonders tief und so groß nun auch wieder nicht. Das Wasser wärmt sich relativ schnell auf, da es  auch an Zu- und Abflüssen fehlt. In der Regel ist er zwei oder drei Gad wärmer als die großen Kiesweiher im Landkreis und dieses Plus an Wärme kann im Frühjahr oder im Herbst schon ein erheblichen Ausschlag geben, ob ich im Freiwasser schwimmen gehe oder nicht, und wenn ja, dann wo: Nämlich hier.>
Während am Freitag im Wörther Weiher das Thermometer 14 °C zeigt, sind es tags drauf im Notzinger schon fast 17 °C.
Na bitte geht doch!

U-Boot-Selfie
Die Entscheidung also, am Wochenende hierhin zu fahren, war goldrichtig. Und wie zu erwarten: Nach dem Regen der Nacht und dem aufgeweichten Boden ist dort bis auf ein Pärchen, das es sich auf der kleinen Insel gemütlich gemacht hat, einfach niemand da. Und im Wasser schon gar nicht. Ein Weiher nur für mich, sieht man von zwei Enten und den quakenden Fröschen am Ufer einmal ab.

Vom Wasser aus- Der Weiher.
Es quutscht und gluckert unter jedem Schritt auf der klatschnassen Wiese zwischen den Bäumen, nur dort, wo die Sonne schon hin scheint, ist sie einigermaßen trocken. Ein paar vereinzelte Monoblockstühle stehen herum – nutzbar für alle und zum Umziehen sehr willkommen. Meine Garderobe verstaue ich in einer gr0ßen Tasche, nicht,  weil ich mit Regen rechne, aber ins nasse Gras will ich sie auch nicht legen.
Zeckenbelastet ist das Gelände, wie ich vor ein paar Jahren bemerkte, aber heuer ist von den kleinen krabbelnden Blutsaugern nichts zu sehen – und im Wasser sowieso nicht. Fast optimale Bedingungen also.
Allerdings bedeckt eine immense Masse filigraner Haarflieger die Oberfläche. Die Silberweiden am Ufer haben ihre Samen in unbendiger Vermehrungsabsicht in die Welt geschleudert. Der Westwind hat die Flieger fort geblasen, eben auch auf das Wasser. Dort haben sie sich vor allem am Ostufer gesammelt bzw. sind dort hingetrieben.

Die Weide samt. Haarflieger machen sich auf den Weg

Haarflieger überall auf dem Wasser

Die Weiden am Ufer sehen aus wie mit weißen Wattebäuschen oder Baumwollknäulen dekoriert. Da kommt also noch einiges mehr.
Haarflieger auf der Wasseroberfläche stellen für Schwimmer keine Gefahr dar, an Land kann das für Allergiker anders aussehen, aber im Wasser läuft man nun nicht Gefahr, dass die Flieger an oder gar in die Nase geraten. Und verschlucken wird man sie wohl auch nicht. Extrem störend mag der eine oder andere sie trotzdem empfinden, im Freiwasser gehören solche „Verunreinigungen durch die Natur“ aber nun mal dazu.
Haarflieger und ein ins Wasser gestürzter BaumWie Laub im Herbst, wie Bodensedimente, Hornkraut oder eben die vielen umgestürzten Bäume, die ins Wasser ragen. Denen allerdings weiche ich aus, denn vielfach sind die alten Baumkronen unter dem Wasserspiegel nicht sichtbar und ragen viel weiter herein, als man denkt. Eine Kollision mit den Zweigen kann nicht nur schmerzhaft sein, sie kann auch den Neo beschädigen. Und das muss nun auch nicht sein.Im Weiher. Totholz am Ufer
Toter Baum. Ein paar HaarfliegerMich stören die Weidensamen nicht, also kraule ich durch diese Flächen einfach hindurch. Damit bringe ich das Wasser genug in Bewegung, dass ich nicht am Ende doch noch einen Haarflieger zwischen den Zähnen kleben habe. Aber selbst wenn: Davon stirbt man nicht. So hätte es meine Oma ausgedrückt und die wusste, wovon sie geredet hat und wovon nicht. Wie schade, dass es niemanden gibt, der diese Haarflieger auf der Oberfläche mit Begeisterung wegfuttert. Oder gibt es da Fischarten und ich weiß es nicht, dann klären sie mich auf. Es müssten gerade Festwochen für die entsprechende Art sein.Im Weiher

Ein paar Runden drehe ich im Weiher, mal nah am Ufer, mal quer durch – und immer wieder durch die Haarflieger. Fast schon mit Absicht. Das Schmusepärchen schaut nur einmal etwas irritiert, als ich mich doch der Birkeninsel nähere, legt sich dann aber wieder in seliger, sich umarmender Zweisamkeit ins Gras, nieder um mit dem fortzufahren, was sie schon die ganze Zeit machen.
Es sei ihnen gegönnt – und eigentlich interessiert es mich auch nicht weiter.
An diesem Samstag kann hier eben jeder seinen Bedürfnissen nachkommen und niemand stört sich an dem anderen.
So soll es sein.


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