Ein verknicktes Stück Papier

Ein verknicktes Stück Papier, kaum 5,5cm x 3cm groß, bringt mich zu tagelangem Grübeln. Es ist eine Eintrittskarte, die ich, als in München im Theater bin, plötzlich in meiner Jackentasche entdecke und herausziehe.

Holzpapier, bedruckt, perforiert, eine Karte von der Rolle, wie man sie in Großmärkten und bei Spazialversendern zu kaufen bekommt – also nicht die einzelne Karte sondern die ganze Rolle.

Ewig habe ich eine solche Karte nicht mehr in der Hand gehabt. In der Regel werden sie abgegeben bei winzigen Wanderzirkussen, Chorveranstaltungen und -konzerten der hiesigen Musikschule, bei Aufführungen des Theatervereins im Gemeindehaus etc.
Seit Jahren habe ich keine solche Veranstaltung mehr besucht, teils, weil es mich nicht interessiert, teils, weil sie coronabedingt abgesagt wurden.
Wo also kommt diese Karte her? Wie kommt sie in die Tasche meiner neuen Jacke, die ich zudem noch keine sechs Wochen besitze. Das grenzt die Zeit, in der diese Karte in meine Tasche gekommen sein kann, erheblich ein, denn sie war da ganz sicher noch nicht drin, als ich die Jacke Ende Januar gekauft habe. Ein Zeitraum, den man eigentlich überblicken können sollte….

Ich zermartere mir mein Hirn, wo ich in den sechs Wochen gewesen bin, wo man mir eine solche Karte hätte verkaufen können. Kinos, Theater, Museen und Co. haben längst Computerkassensysteme und holen Eintrittskarten aus Spezialdruckern, die mit vorbedruckten Rohlingen befüllt sind. Karten von der Rolle – längst Geschichte.
Da fällt mir ein: Gelegentlich werden sie im Landkreis München an den Parkplätzen von Seen oder Weihern verkauft – dort, wo man im Sommer fürs Parken bezahlen muss, sonst aber nicht, dort, wo keine Automaten stehen.
Aber wir haben nicht Sommer. Wo also kommt dieses verfluchte Stückchen Papier her?
Wäre das Einpersonenstück Der Fänger im kleinen Theater… und so fort nicht so ungemein fesselnd, ich würde langsam verzweifeln.
Später am Abend scrolle ich durch meinen Facebook- und Twitteraccount, durch mein Blog… War ich wo und habe darüber geschrieben?
Mir will es beim besten Willen nicht einfallen.
Eine Wertmarke (Bon), kann es auch nicht sein – die sehen anders aus:

Aber es ist auch geschätzt drei Jahre her, dass ich auf einer Veranstaltung war, bei der man Bonmarken kaufen musste, um diese gegen Kuchen, Kaffee, Chilli con Carne oder Käsesemmeln einzutauschen.

Und wie immer, wenn Dinge unerklärlich sind oder scheinen, hilft es, eine veritable, groß angelegte Verschwörung aus dem Hut zu zaubern. Das sollten wir ja in den vergangenen drei Jahren gelernt haben.
Ich weiß, dass zu DDR-Zeiten die Stasi mit vielen sehr subtilen Aktionen Menschen dazu bringen wollte, an ihrem Verstand zu zweifeln: Verräumte Gegenstände in der Wohnung, eingeschaltetes Licht, wenn man abends nach Hause kommt etc. Es gibt seit langem auch einen Fachbegriff für diese Technik der Verunsicherung: Gaslighting, so benannt nach dem Theaterstück Gas Light, das mehrfach verfilmt wurde.
Und plötzlich ist mir vollkommen klar, dass mir ein Reptiloid, der mich irre machen will, diese Karte in meine Tasche geschmuggelt hat. Anders kann es gar nicht gewesen sein. Gelegenheiten dazu gab es genug. Oft genug hängt die Jacke irgendwo an der Garderobe.

Aber nicht mit mir Bürschchen. Ich hab das durchschaut, Echsenmensch. Und ich krieg Dich. Ich muss Dich nur noch finden.

Und Sie?
Oder schlafen Sie noch?
Wacht auf! Schlafschafe! Sonst erwischen die Reptiloiden Euch alle.


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