Kopfrechnen im Tüttensee (Challenge 2018/3a)

„…ein Moorsee, in idyllischer Ruhe im Wald…“ schwärmt Dorothea Steinbacher in ihrem Buch 111 Orte im Chiemgau, die man gesehen haben muss. (Affiliate Link führt zu Amazon) vom Tüttensee. Man findet „nämlich nicht nur verschwiegene Plätzchen am ‚wilden‘ Ufer im Wald und kleine idyllische Holzstege“, sondern es gibt auch eine große Liegewiese, eine Gaststätte mit Seeterrasse und vieles mehr. Ein perfektes Ausflugsziel.
Auf der Suche nach Seen, in die ich noch nie einen Fuß gestoßen habe, bin ich durch dieses Buch auf den Tüttensee gestoßen und entscheide, ihn als ersten von mindestens Fünfen im laufenden Jahr zu erkunden. Der Reiseführer verspricht viel, der See hält hingegen weniger.
Das ist aber nicht dem Tüttensee geschuldet, vielleicht liegt es einfach an meiner etwas zu hoch angesetzten Erwartungshaltung.
Östlich vom Chiemsee in der Nähe von Grabenstätt finde ich dieses fast kreisrunde Gewässer, über das seit einigen Jahren ein erbitterter Streit unter Wissenschaftlern tobt, ob der See ein weiterer der vielen Toteisseen im Chiemgau ist, oder als Folge eines Meteroiten-Einschlag entstanden ist. Mir egal – ich bin kein Geologe. Ich will schwimmen.
Eine zuvorige Betrachtung bei Google-Maps ergibt, dass eine Innenumrundung etwa einen Kilometer ausmacht. Das klingt nach ein paar Runden, der Plan ist gefasst, am Pfingstmontag geht es zum Tüttensee.
Vor Ort stelle ich, nachdem ich meine Euro 2,50 für das Strandbad bezahlt habe, dass man mitnichten ein oder mehrere Male am Ufer entlang schwimmen kann. Ein Teil des Sees ist gesperrt für die heimische Fauna und Flora – was ich schon oft erlebt habe und es als kein Problem empfinde.
Das verkürzt allerdings die Runden, die ich im Neoprenanzug absolviere auf 1000-x. Wieviele muss ich denn nun drehen?
Zwar gilt der Moorsee als sehr warm, aber trotzdem sind mir 18°C Wassertemperatur doch etwas zu wenig, um eineinhalb Stunden hin und her zu schwimmen. Wenn ich schon nicht die Strecke weiß, dann mache ich es eben übe die Zeit.
Also ab in die Pelle und ab ins Wasser.
Überall sind Hinweisschilder angebracht, dass das Ufer steil ins Wasser fällt und so ist es dann auch. Badegäte gibt es reichlich, auch ein paar Schwimmer – ein Geheimtipp, wie Dorothea Steinbacher es nennt, ist der See mitnichten. Überfüllt ist es nicht, aber ich möchte gar nicht wissen, wie es hier im Hochsommer zugeht.
Keine hunderte Meter schwimme ich, da habe ich einen weiteren Grund, dass ich die geplanten Uferrunden noch weiter kürzen muss. Totholz ragt überall ins Wasser, umgestürzte Bäume, deren Kronen sich unter Wasser weit verzweigen. Man sieht sie erst bwenn man kurz davor ist. Ich muss nicht ausprobieren, wie das ist, wenn Holzstamm auf Holzkopf trifft – oder ein Ast einen Riss im Neo verursacht.Totholz Tüttensee
Immer wieder stieben Fischschwärme unter mir auseinander, wenn sich mich wahrnehmen. Selten habe ich so viele Tiere im Wasser in einem See gesehen. Die idyllischen Stege und Uferabschnitte, die ich passiere sind gut bevölkert von Seebesuchern, die Picknick machen, baden, Hängematten aufgespannt haben – sie alle/wir alle genießen Pfingsten.
Totholz Tüttensee

Von den Chiemgauer Alpen ziehen Wolken heran, Gewittertürme bauen sich auf, verfliegen aber wieder, bevor sie den See erreichen. Nach knapp eineinhalb Stunden kehre ich ans Strandbad zurück. Einmal noch starte ich, nachdem ich mir die Paddle, die ich auf einem Steg deponiert hatte, angelegt habe. Sprint zur äußersten Boje und zurück. Wie weit mag das wohl sein?
Aus der hintersten Hirnwindung krame ich die alte Formel hervor: U=2·π·r. Und da ich weiß, dass der Umfang etwa 1.000 Meter ausmacht, foltere ich mich mit dem Dreisatz. Dabei könnte das Leben so einach sein.
Also 1.000=6,28·r. Jetzt noch die 6,28 auf beiden Seiten rausrechnen. 1.000/6,28 kann und will ich aber nicht ausrechnen (es sind 159m), dann müsste ich das verdoppeln, da der Durchmesser ja zweimal dem Radius entspricht (318m) und dann wieder abziehen, was bis zum gegenüberliegenden Ufer Sperrzone ist.


Das ist natürlich alles Kokolores, weil der See eben doch nicht kreisrund ist, wie ich später auf Google-Maps noch mal überprüfe und nachmesse, dass die Distanz nicht 318 sondern 340m sind.
Egal. Es geht ja nur ums Schwimmen.

Oder?


Noch zu erledigen:
Fünf neue Seen: noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
Fünf Wiederentdeckungen: noch 5 / noch 4 / noch 3 / noch 2 / noch 1
Und außerdem: Jahressoll 480 km / ein fremdes Freibad / Ranking aktualisieren / Langbürgner See / Chiemsee – ein neuer Uferabschnitt / Badehosen ausmisten / Chiemsee-Querung / Vollmond-Schwimmen / Goldene Stunde / 100km im Freiwasser
Erledigt:
Fünf neue Seen: Tüttensee,
Fünf Wiederentdeckungen: noch nichts
Und außerdem: Ein 5.000er, ein fremdes Hallenbad,


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1 Antwort

  1. Günter sagt:

    Das kenn ich, dass man beim Schwimmen den Kopf nicht abstellen kann und Wurzeln im Totholz zieht 😀

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