Mediatipps (Teil 23): „Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern: schaurige und mystische Plätze und ihre Geschichten…“ von Fritz Fenzl

Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, in den Mediatipps ein Buch vorzustellen, dass eigentlich gar kein Tipp ist. So viel Blödsinn versammelt zwischen zwei Buchdeckeln habe ich selten gelesen. Und trotzdem hat das Buch Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern: schaurige und mystische Plätze und ihre Geschichten; Lost Places und bayerische Sagen und Legenden. Schauplätze von Verbrechen und gruseligen Begebenheiten von Fritz Frenzl sogar ein paar Reize. Zum Einen gilt es, den Buchtitel in die Überschrift dieses Beitrags zu bringen, was schier unmöglich ist. Zum Anderen enthält es eine Fülle an Ausflugstipps in die nähere Region aber auch in die anderen Regierungsbezirke Bayerns. Ganz sicher werde ich den einen oder anderen Ort noch abklappern.
Das aber, was Fritz Fenzl über diese mystischen Orte zu berichten weiß, ist ein bunter Mix an esoterischem Unfug, viel Polemik, dem Aufblasen vollkommen profaner Orte zu angeblich unheimlichen, dazu etwas Volkskunde, Sagen, Legenden, Aberglaube und jede Menge okkultistischer Schnickschnack.

Das Buch der unheimlichen Orte

So viel davon, dass es schon wieder spannend ist, umzublättern, die Beschreibungen der nächsten magischen-mystischen und angeblich unheimlichen Orte zu lesen und verwundert bis belustigt den Kopf zu schütteln. Was ein Schmarrn.

Nimmt man es aber mit einer gehörigen Portion Humor, kann man Spaß an diesem Ausflug in die Welt von Magiern, Gespenstern, Verschwörungen und Verbrechen (die es dann doch irgendwann gegeben hat), haben. Dann bleiben nur noch die sich wiederholenden Provokationen, wie zum Beispiel dass laut Fenzl in der Bronzezeit während der Erderwärmung niemand „Oh Gott, Klimawandel!“ geschrien hat. Unnötig sind solche Randbemerkungen, es sei denn, man zielt auf eine bestimmte Leserklientel…

75 Orte hat Fenzl portraitiert – angefangen in München und dann der Reihe nach die einzelnen Regierungsbezirke Bayerns durchgehend. Dabei geht es allerdings weit weniger um Lost Places im klassischen Sinn als um Orte, um die sich düstere Sagen und Legenden ranken, an denen Verbrechen verübt wurden, auch um Orte, von denen angeblich eine mystische Kraft ausgeht. Da ist mancher dabei, den ich mir gerne anschauen möchte und das auch ganz bestimmt machen werde. Weniger allerdings, weil sie angeblich unheimlich oder mystisch sind, sondern nur, weil sie lohnenswerte Ausflugsziele darstellen.

Da ich einige der im Buch vorgestellten Orte bereits besucht habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Ja, die Geschichte von der Mausinsel im Wörthsee ist ein wenig schauerlich. Aber eben nur eine Geschichte. Längst vorbei und mit hoher Wahrscheinlichkeit nie passiert. Wie das bei Sagen eben so ist. Kein Grauen durchwühlt einen und die Gänsehaut gibt es nur, wenn man die Insel schwimmend besucht und das Wasser dann doch etwas frisch wird.

Einer der unheimlichen Orte

Ein ganz anderes Kaliber ist da Hinterkaifeck, Ort eines echten, bis heute nicht aufgeklärten Verbrechens, das knapp hundert Jahre zurück liegt. Ja, diese Geschichte ist auch wahr und diesem Ort wohnt, wenn man davon weiß, etwas Düsteres an. Aber nur dann.
Mit dem Mordfall Hinterkaifeck kann Fenzl allerdings eher wenig anfangen, das ist eben nicht esoterisch genug sondern nur ein ganz furchtbar brutaler wie profaner Sechsfachmord. Da gibt es nichts Okkultes hinzuzudichten, er aber versucht es trotzdem. Und dann wird es vollkommen abstrus.
Und das ist weder dem Ort, noch den Mordopfern noch den dort lebenden Menschen gegenüber angemessen. Dass die Doppelseite Niederbayern und der Oberpfalz zugeordnet ist statt regional richtig nach Oberbayern mag dabei einer gewissen Schludrigkeit geschuldet sein.

Einer der unheimlichen Orte

Ein ganz großes Highlight: Fenzls Ausführungen zu Schloss Neuschwanstein und der dahinter liegenden Pöllatschlucht – da gehen mit dem Germanisten und katholischen Theologen regelrecht die Gäule durch. Was ein höchst bewundernswertes Beispiel für Ingenieurbaukunst ist, ist für ihn Ort und Schaffen eines Magiers, denn der Kini war ja ein solcher. So der pensionierte Gymnasiallehrer.
Ein Träumer: Ja. Ein Spinner: Vielleicht auch. Aber ein Magier?
Hust.

Einer der unheimlichen Orte

Folgerichtig ist der Ort, an dem im Starnberger See das Totenkreuz für Ludwig II. steht, und genau dort und nirgends anders, keinen Meter weiter weg, ebenfalls ein durch und durch mystischer Ort. Und ja: Selbstverständlich ist Fritz Fenzl der Meinung, der Kini sei ermordet worden. So einer stirbt nicht einfach. Der wird getötet und gleich wieder das ganz große Fass aller Verschwörungstheorien aufgemacht.
Mag sein, dass Ludwig II. wirklich ermordet wurde. Das macht den Schauplatz des Ortes aber weder mystisch, noch mythisch noch magisch. Denn, wenn es so war, dass es dann dort geschah, ist eigentlich eher der Logik des Ablaufs der Ereignisse geschuldet und nicht dem speziellen Ort.
Sorry, Fritz: Ich war dort. Im Wasser. Verbotenerweise. Auch hier kein transzendentaler Schauer, nicht mal leichter Grusel. Nur etwas der Wassertemperatur geschuldetes Frösteln.

Einer der unheimlichen Orte

Finger weg also von dem Buch, wenn man nicht gleich an jedem Ort das Gefühl immenser Erdkräfte, dunkler Geheimnisse und geheimer Magie zu verspüren vermag. Aber dann kann man das Buch ja auch nicht halten und lesen, weil man vermutlich permanent mit der Wünschelroute zugange ist. Lesen Sie es als einen kuriosen, unfreiwillig witzigen Ausflugsführer, denn ich denke: Der Autor meint das am Ende sogar ernst, was er da alles formuliert hat. Der Rat, an Orten umherirrender Seelen, wie dem vergessenen Friedhof in Holzhausen nicht allzu lang zu verweilen, damit sich die Seelen nicht vielleicht noch an einem festkrallen… echt jetzt?

Zum Abschluss noch etwas Persönliches: Die einzig wirklich gruselige Geschichte meiner Region mit einem durch und durch mystischen und unheimlichen Vorkommnissen fehlt natürlich. Ich meine nicht den Hack-Winkler-Tatort, True crime und Dark Tourism inklusive.

Ich meine die Weiße Frau an der Hubertuskppelle im Ebersberger Forst. Die nun gibt es wirklich.
Zwar habe ich sie selbst noch nie gesehen. Aber ich sprach mal mit jemanden, der jemanden kennt und dessen Bekannter hatte vor einigen Jahren mal einen Kollege, dessen Onkel vor vielen Jahren die Weiße Frau gesehen haben will. Das ist doch schon ein Beweis für ihre Existenz, oder?
So fair muss ich sein: Die nahezu gleiche Geschichte hat sich im Bayerischen Wald bei Freyung zugetragen, auch wenn es sich dort um eine Schwarze Frau gehandelt haben soll, die in den 70re Jahren für erhebliche mediale Aufmerksamkeit gesorgt und Füllung des Sommerlochs gesorgt hat. Und die Story ist drin im Buch.

Hinweis: Die Fotos in diesem Beitrag stammen nicht aus dem Buch sondern aus meinem Archiv. Aus Urheberrechtsgründen. Die zahlreichen im Buch gezeigten Bilder entstammen übrigens zumeist Fotopools von Bildagenturen.


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Fritz Fenzl: Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern: schaurige und mystische Plätze und ihre Geschichten; Lost Places und bayerische Sagen und Legenden. Schauplätze von Verbrechen und gruseligen Begebenheiten

Gebundene Ausgabe / 192 Seiten / Verlag: J. Berg, München / Erschienen 19.10.2020 / Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3862467020

Preis: 22,99 €


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