Anatidaephobie – oder eben gerade nicht

Anatidaephobie heißt eine selten verbreitete Phobie, es geht um die Angst von Enten beobachtet zu werden. Das klingt skurril, fast schon lächerlich, aber es ist wie es ist. Und Witze über anderer Leute Angst vor Enten zu machen, wäre letztlich genauso deplatziert wie Witze über die wesentlich häufiger vorkommende Angst vor Schlangen oder die berühmte Arachnophobie. Nur, weil etwas nicht so weit verbreitet ist, heißt das nicht, dass es das nicht gibt. Nur, weil man selbst etwas rational nicht nachvollziehen kann, heißt das ja auch nicht, dass ein Mensch, der vor einer Maus auf den Tisch springt, nicht gerade Todesängste empfindet. Seien wir also gnädig mit den Ängsten der anderen, wir wissen nicht, was sie ausgelöst haben könnte.

Anatidaephobie - Stockentenweibchen im Schnee

Das gilt auch für Anatiaephobie, die ich – entgegen einer hochausgeprägten und liebevoll kultivierten Höhenangst – nicht zu meinen tiefsitzenden Phobien zähle. Wer die also nicht hat, der kann sich gefahrlos Weihern, Seen und Teichen nähern – Enten, selbst wenn sie einen beobachten, lösen dann weder Schweiß, Herzrasen noch Fluchtreflexe aus. Eher anders herum…
Meist sind es die Enten, die Reißaus nehmen, wenn man ihnen dann doch zu nahe kommt. Es sind in den meisten Fällen immer noch Wildtiere, die eine ganz natürliche Fluchtdistanz aufweisen. Wenn sie nicht gerade von irgendwelchen Trotteln auf den Liegewiesen in Naherholungsgebieten so lange gefüttert werden, dass sie jegliche Scheu verlieren. Was nicht nur per se ungesund für die Enten ist sondern auch lebensbedrohlich werden kann, wenn sie zwischen die Zähne gassigeführter unangeleinter Hunde geraten. Aber das ist ein anderes Thema.

Selbst wenn Enten einen nicht ansehen, tun sie es doch. Zumindest mit einem Auge.

Anatidaephobie - Stockentenmännchen, dem Kopf im Gefieder. Trotzdem schauend

Nach den Blässhühnern und einer kleinen Fotoübung im November sind es dieses Mal die Stockenten am Fischteich im Wald, denen ich mit der Kamera auf die Pelle rücke. Eigentlich ist mein Ziel ein anderes. Aber der fast zugefrorene Teich und die Futterknappheit, wohl auch das Gefühl, dass immer wieder wer vorbeikommt, der was Fressbares hat, lässt die Stockenten vollkommen distanzlos werden.
Zu neunt stehen sie auf der Eiskante, erzählen sich laut schnatternd dies und das, man hört sie schon von weitem. Das heißt: Eigentlich redet nur die eine (auf dem Bild ganz links) und alle anderen tun so, als ginge sie das gar nichts an. Vollkommene Missachtung?
Vermutlich.

Ich kann das gut verstehen. Dieses permanente Geschnatter – wem ginge das nicht auf die Nerven?

Neun Stockenten nebeneinander auf dem zugefrorenenen Weiher

Als ich mich nähere, verkennen sieben von ihnen die Situation, denken, ich würde sie nun füttern und kommen heran. Sie schwimmen durch das eisige Wasser, erklimmen den halben Meter Uferböschung und watscheln mir förmlich zwischen den Füßen hin und her. So viel Einsatz für so wenig Ergebnis, denn füttern werde ich sie nicht. Grundsätzlich nicht.
Nur zwei – dem Benehmen und allem Anschein nach ein altes, lang verheiratetes Ehepaar – nimmt wenig Notiz.

Stockentenmännchen und Weibchen auf dem Eis. Anatidaephobie

Sie beobachten mich, ob sie mir damit Angst einjagen wollen, weiß ich nicht. Zu Fressen jedenfalls gibt es nichts. Nur Fotos. Denn ich beobachte sie auch, und zwar mit der Kamera. Harmlose, durchschnittliche Allerweltsvögel, die man überall antreffen kann. Nichts besonderes – und doch: Wunderschön. Herzallerliebst vor allem die gekringelten Schwanzfedern. Ebenso neckisch: Der kecke, verwegene Ausfallschritt des Weibchens.

Stockentenmännchen - von der Seite

Anatidaephobie - Stockentenweibchen im Schnee

Es macht Spaß, sie zu beobachten. Und zu fotografieren.  Von Anatidaephobie keine Spur. Wirklich nicht.

Anatidaephobie - Stockentenmännchen

Aber sie beobachten einen eben auch, manche starren mich regelrecht an. Da könnte man richtig Angst bekommen…


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1 Antwort

  1. Lo sagt:

    Es gibt Dinge, vor denen hat man einfach Schiss, und kann es nicht erklären.
    Ich habe vor zwei Dingen Bammel: vor Hunden aller Art – und Beifahrer sein zu müssen.
    Bei den Hunden kann ich es mit zwei schmerzhaften Kindheitserlebnissen begründen.
    Für meine Angst als Beifahrer habe ich keine Begründung. Ich fühle mich einfach unwohl und habe Angst. Wer mich auf dem Beifahrersitz hat, ist zu bedauern. Ich bremse mit und freue mich über jeden Stau. Es hilft auch nicht, auf mich beschwichtigend einzureden oder mein Verhalten zu belächeln.
    Danke für diese für mich neue Information! :-)
    Lo

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