Von nun an ging’s bergauf – eine Schwimmbadverschwörung

Es ist schon ein Kreuz mit manchen deutschen Schwimmbädern. Täusche ich mich, oder haben die nicht – vor allem bei den 50m Becken – eine Bahnverlängerungsmaschine eingebaut?
Zumindest kommt es mir so vor. Je länger ich schwimme, umso länger wird die Bahn. „Nach 3km sind das doch mehr als 50m von Beckenrand zu Beckenrand, oder?“ jammerte ich unlängst in der einschlägigen Schwimmercommunity bei Facebook, und das gleich in mehreren Gruppen.

Bahnendehnung im Freibad - und bergauf geht es auch

Selbst schuld, könnte ich sagen. Wenn man nahezu jeden Tag seine Bahnen zieht, ist man irgendwann entweder übertrainiert oder untermotiviert. Oder beides. So könnte man es natürlich auch ausdrücken. Aber das würde ja bedeuten, die Verantwortung für die allgemeine Unzufriedenheit mit und ggf. Hilflosigkeit in der Gesamtsituation bei sich selbst zu suchen. Pfui, wie kann man das tun?
Lieber eine Verschwörung vermuten. Und was funktioniert besser, als diese in den sozialen Medien zu verbreiten?
Wohlan.

Klar, es gibt immer die, die auf so eine Vermutung das Gegenteil behaupten: In diesem Fall die Volltrainierten, die einem erzählen, das sei nicht so. Im Gegenteil: Je länger sie schwämmen, umso kürzer käme ihnen jede Bahn vor. Solche Realitätsfanatiker gibt es eben immer.

Das Gros der Gruppenmitglieder aber teilt meine alternativen Fakten und bestätigt dies mit der eigenen Erfahrung.
„Ja, kenn ich auch, merkt man ja auch, dass man mehr Züge braucht. Habe gehört, die Verlängerung gehört zur Grundausbildung sadistischer Schwimmmeister!“ bestätigt Michael meine Meinung. „Auf jeden Fall. Ich denke, die Bahnen werden pro 1000m ca. 4m länger…“ kommentiert ein Twitterfreund gleichen Vornamens. Stefan ergänzt: „Die sind dann wie Gummi. Wie in den Armen“. Sonja setzt noch einen drauf: „Bei uns geht es manchmal sogar auf einmal bergauf!“
Anekdotische Evidenz in Reinkultur. Prima. So liebe ich das. Was zählen da schon fundierte Erkenntnisse?

Mit ihrer Beobachtung steht Sonja übrigens nicht alleine da: „Ich bin auch davon überzeugt, dass da manchmal ein kleiner Berg mit eingebaut wird…“ – Oh ja. Etwa auf Höhe der Strecke zwischen den Leitern geht es steil bergauf. Leider aber nicht steil bergab. Höhenverstellbare Böden in Lehrschwimmbecken habe ich auch schon gesehen. Jetzt weiß ich auch, was die bewirken.
Wichtig, und von mir vollkommen außer acht gelassen, ist zudem, was Elisabeth beobachtet hat: „Und die Strömung nicht zu vergessen!“
Last not least: „Und das Wasser wird kälter,“ kommentiert die oder der Travelfriend auf Twitter.

Schivi nennt es die „Streckbahn2500“ – und das vollkommen zu Recht. Wer sähe nicht die Streckbank vor sich, beliebtes Instrument rustikaler Ketzerbefragung in mittelalterlicher Zeit?
Und schon gibt es weiterführende Statements: „Und besonders in eine Richtung sind die immer länger als in die andere. Weiß auch nicht, wie das geht“ meldet Nicole, eine Erfahrung, die ich durchaus bestätigen kann. Übrigens nicht nur beim Schwimmen. Selbst beim Spazierengehen geht es zurück immer um ein Vielfaches schneller als auf dem Hinweg. Selbst bei gleicher Streckenführung ist der Rückweg deutlich kürzer. Seitdem wir Schlafschafe alle diese wunderbaren Chips von Bill Gates im Körper haben, läuft es eben prima bei uns. „Mit den geleinten Doppelbahnen sind die doch sowieso länger geworden, schließlich schwimmt man ja am Ende immer ein Dreieck“, meldet sich schließlich ein anderer Stefan zu Wort und verwirrt mit harten Fakten.

Fassen wir also zusammen:

Bademeister dehnen die Bahn, und zwar, wie Janine bemerkt „proportionell zum Grad der schlechten Laune“, weil die Bahnen aus Gummi sind. Zudem gibt es eine Gegenströmung und man schwimmt permanent bergauf.

Eine perfide Bande.

Schwimmen bergauf

Alles Quatsch, weiß allerdings Holger, der mich eines Besseren belehrt: „Bekanntlich zieht sich in kaltem Wasser alles zusammen, also bist du kürzer, die Bahn aber nicht länger!“ Dieser These kann ich mich natürlich nicht verschließen. Weiß man ja, dass sich in der Kälte alles zusammenzieht und alles kürzer wird: Wer hätte nicht bemerkt, dass die kalten Wintertage viel kürzer sind als die warmen Tage im Sommer? Na sehen Sie!
Und kommen Sie jetzt ja nicht damit, dass das überhaupt nichts miteinander zu tun hätte und irgendwelche Wissenschaftler was Anderes behaupten. Die sind doch alle gekauft! Oder Reptiloiden. Weiß man doch. Gibt doch genug Videos bei Youtube, die das beweisen.

Hach, ich liebe Facebook. Nie ist man mit seinen Teorien allein, für alles gibt es die richtige Erklärung. Einer weiß es immer ganz genau, daher brauche ich mich weder mit einem Kunststoffgliedermaßstab, in Fachkreisen auch Zollstock oder Zöllibert genannt und höchst fragil, noch mit einer Wasserwaage ins Freibad zu bewegen.
Soviel Kompetenz hat mich überzeugt. Und immer setzt einer noch einen obendrauf!

Danke an alle, die den Spaß mitgemacht und ihre Kommentare abgegeben haben. Natürlich sind wir alle keine Verschwörungstheoretiker. Wir tun nur so…


Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.

Mehr von mir und meinen Schwimmerlebnissen in Frei- und Hallenbädern, in Seen, Weihern, Flüssen und im Meer finden Sie in meinem Buch Bahn frei – Runter vom Sofa, rein ins Wasser , das Sie in meinem Web-Shop aber auch in jeder stationären Buchhandlung bestellen können. Klicken Sie auf die Cover-Abbildung um mehr Informationen zu erhalten und in den Web-Shop zu gelangen.

Diesen Beitrag weiterempfehlen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.