Von Null auf Hundert in wenigen Sekunden

Wie schafft man das? Von Null auf Hundert in nur wenigen Sekunden?
Klar: Aufs Gaspedal treten und dann kräftig durchtreten.
Das führt dann dazu, dass der Körper Adrenalin ohne Ende ausschüttet – ein (Männer-)Traum.

Das geht natürlich auch anders – Sportler kennen das, wenn der Körper Hormone im Überschuss produziert, dazu Schweiß, der von der Stirn tropft, sich in der Kleidung festsaugt und man in kurzer Zeit klatschnass ist (es sei denn, man ist Schwimmer, dann ist man ohnehin klatschnass, ins schwitzen kann man aber trotzdem kommen).
Es gibt noch eine vollkommen andere Art, die ich gerade mal wieder für Sie, werte Leserinnen und Leser, getestet habe.

Sie müssen nur nach einem ausgiebigen Geschäftstermin in die Tiefgarage gehen, in die Hosentasche greifen und feststellen: Der Autoschlüssel ist weg.
Links vorne nicht.
Rechts vorne nicht.
Und hinten in den Gesäßtaschen auch nicht. Da ist er nie – wer sitzt schon gern auf einem Bund mit sieben Schlüsseln plus diesem elektronischen Türöffner?
Na sehen sie.


Hektik macht sich breit.

VERDAMMT!!! WO IST DER BESCHEUERTE SCHLÜSSEL?

Hab ich ihn aus der Hosentasche genommen, irgendwo hingelegt und vergessen? Womöglich verloren?
Eine Jacke habe ich nicht an, es ist zu warm. Und sekündlich wird mir noch wärmer, während sich der kalte Schweiß auf dem Rücken bildet.
Moment: Bürotasche.Die Tasche im Halbdunkel der stets dämmrig gehaltenen Tiefgaragen zu durchwühlen ist ein wahnwitziges Unterfangen. Und führt zu nichts. Denn auch dort ist er nicht.
Panik macht sich breit. Die Phantasie steht im Startblock, gleich wird sie davon galoppieren.
Hab ich den Schlüssel im Auto vergessen, das selbige am Ende gar nicht abgesperrt und bin einfach zerstreut so losmarschiert? Ist er mir runtergefallen als ich ausgestiegen bin?

Kann nicht sein. Ist aber schon mal vorgekommen.
„Bitte… bitte…“ stoße ich hervor. „Lass den Schlüssel im Auto sein und die geliebte Katze an ihrem Platz!“

Der Rücken ist feucht, die Stirn auch, ich grabe in der Tasche weiter. Verdammt. Wo ist der Schlüssel. Was, wenn jemand das gesehen hat, dass ich das Auto unabgeschlossen geparkt und den Schlüssel drinnen habe liegen lassen. Das Auto könnte geklaut worden sein. Nichts einfacher als das. Drei Stunden ist das her, das Auto könnte längst sonstwo sein.
Wie erklärt man diese Idiotie der Polizei, der Versicherung?

Das Herz rast; die Pumpe ist auf hundert. Der Schweiß fließt in Strömen. Leute gehen vorüber – zielstrebig zu ihren Karossen, öffnen sie und fahren davon.
Mein Parkticket ist bereits bezahlt, ich habe nicht allzuviel Zeit, die Tiefgarage zu verlassen, bevor die Schranke sich nicht mehr mit dem Ticket öffnen lässt.
Allein: Das ist jetzt gerade mein kleinstes Problem.

WO IST DIESER ELENDE SCHLÜSSEL?

Mir ist ganz schlecht. Der Kreislauf macht Bocksprünge.

Ich komme dem Platz, wo ich das Auto geparkt hatte, näher. Kein Auto. Also schon welche. Nur meines nicht. Panik hat vollständig Besitz genommen von mir.

 

NEIN! NEIN! NEIN! – DAS KANN DOCH JETZT NICHT WAHR SEIN. SCHEISSE! SCHEISSE! SCHEISSE! NICHT DAS AUCH NOCH! SCHEEEEEEIIIIISSSSSSSSSSSEEEEEEEEEEE!!!!!!!!!!!

Mein Auto ist weg. Ich wusste es. Von allen anzunehmenden Missgeschicken trifft mich das Größte. Das war ja sowas von klar. Ich müsste mich setzen. Sofort. Sonst kollabiere ich. Ein letztes Mal fingere ich fahrig in den Tiefen der Tasche umher. zum x-ten Mal ziehe ich den USB-Stick hervor. Nicht mein Schlüssel. Doch da. Nein. Doch. Doch. Da, in der letzten Ecke, unter dem Block.

Ein Jubel und Stoßseufzer: Der Schlüssel ist da.
Aber das Auto nicht. Es steht doch genau da, wo ich es gestern auch abgestellt habe. Einigermaßen beruhigt, dass ich den Schlüssel gefunden habe, durchkämme ich die Tiefgarage am Stachus. Vielleicht steht es eine Reihe weiter hinten? Hier sieht aber auch alles so verdammt gleich aus. Ohne Schlüssel kann das Auto ja eigentlich nicht verschwunden sein. Eigentlich.
Und wenn doch?

EY MANN, WO IS‘ MEIN AUTO?

Von neuem Bangen. Die Herzpumpe ras schon wieder. Hier – genau hier – hatte ich es doch abgestellt. Das Hemd ist durchgeschwitzt. Der Atem geht schwer. Statt meines Autos steht dort ein schwarzer  BMW. Wieso?

Was ist passiert? Hier hatte ich doch geparkt.

Ja – stimmt!
Gestern.
Auf Parkebene 4.
Heute steht es auf Ebene 3.

Zurück zum Treppenhaus, ein Stockwerk höher.
Da steht die geliebte Katze.
Unangetastet von unbefugtem Zugriff.  War ja eigentlich klar.

Freudig erregt blinkt sie mir zu, als ich sie sehe und auf den elektronischen Türöffner drücke.
So, als wenn nie etwas gewesen wäre. Sie strahlt über alle Scheinwerfer.

Hey Babe


Lass uns einfach fahren. Und nicht mehr darüber rede, ok?
Eines Tages werde ich vermutlich an so etwas sterben, oft genug kommt das ja vor.

 


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1 Antwort

  1. Klaus-Dieter sagt:

    eine tolle Geschichte, wie ich finde, lasse es dir gut gehen.

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