Spaziergänge (#26): Im Dobel bei Grafing

Nein, vom Dobel bei Grafing hatte ich noch nie gehört. Kunststück; Grafing, südöstlich von München und südlich von Ebersberg gelegen, ist nicht gerade mein Einzugsgebiet. Luftlinie sind das nicht mal 20 Kilometer, aber irgendwie orientiert man sich doch in seiner eigenen Hood, auch beim Spazierengehen. Auf Höhenrausch.de und auf Outdooractive allerdings finden wir einen Spazier-Rundweg durch den Dobel, bei dem es viel zu sehen gibt und wenig Anstrengung zu erwarten ist. Dobel heißt der Wald zwischen Grafing und Oberelkofen. Gut, dann weiß ich das jetzt auch.
Der Tourbeschreibung nach klingt das nach einer gemütlichen Runde am Sonntag Mittag. Seit die Schwimmbäder wegen Corona mal wieder geschlossen haben, ist das Wochenende dem Frischlufttanken auf Schuhsohlen gewidmet, hilft ja nichts. Stahlblau ist der Himmel an diesem Novembersonntag über dem kleinen Naturschutzgebiet, unermüdlich sprüht unsere Landesregierung Chemtrails herab, um die aufgebrachte Bevölkerung wieder zur Ruhe zu bringen (oder was sonst für ein Unfug von den Verschwörungsanhängern über Kondensstreifen erzählt wird).

Bäume, blauer Himmel, Kondensstreifen - im Dobel bei Grafing

Blauer Himmel bedeutet aber auch, dass es in der Nacht kalt war. Eiskalt. Das ist nicht ungewöhnlich. Ende November, so sah ich unlängst in meiner FB-Chronik, hatten wir schon mal den ersten Schnee vor dem Haus. Ende November war ich aber auch noch auf Madeira im Atlantik baden.
An diesem Sonntag hat sich an den schattigen Plätzen im Wald über Nacht Reif gebildet. Dort, wo ihn die Sonne nicht erreicht, findet man ihn auch mittags noch. Kamera raus, Raureif fotografieren.

Raureif - im Dobel bei Grafing

Wieder muss die neue Kamera zeigen, was sie kann. Und das tut sie auch. Wir kommen langsam immer besser miteinander klar. Es braucht nicht mehr 10 oder 15 Bilder vom gleichen Motiv mit unterschiedlichen Blenden und Verschlussweite.

Blätter, Früchte, Moos mit Eis überzogen - im Dobel bei Grafing

Auch wenn sich die Bilder der vielen Spaziergänge mittlerweile gleichen – ich mache sie doch immer wieder. Schon, um zu sehen, wie ich sie vielleicht noch ein wenig besser hinbekomme. Wie gesagt: Ich übe ja. Auch in Grafing.

vertrocknete Pflanzen - im Dobel bei Grafing

Sonne hinter einer Buche - im Dobel bei Grafing

Unser Spaziergang führt und an einem merkwürdigen Hügel vorbei auf dessen Gipfel seit 1922 eine Mariensäule steht. Ein Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg hat sie dort als Zeichen seiner Dankbarkeit, dass er der Hölle der Stahlgewitter entkommen ist, errichten lassen. Verwittert ist der Kalkstein und mit Flechten überzogen. Scharf hebt  sich die Säule gegen den blauen Himmel ab. Fotografieren ist schier unmöglich, weil eine vierköpfige, zauselige Familie mit kleinen Kindern den Hügel okkupiert hat und dort picknickt. Instinktlos, wie sie sind, rühren sie sich nicht einen Millimeter, um mich ein personenloses Foto machen zu lassen. Wir waren zuerst da, der Hügel gehört jetzt uns. Dann eben nicht! Vor der Säule hockt die selbstgestrickte Mutti und serviert ihrem Nachwuchs aus Plastikdosen Karottenstücke und Kirschtomaten. Erst als ich die Kamera direkt auf die Säule und damit auch auf sie richte, verzupft sie sich für einen Moment. Aber nicht weit genug, sie bleibt hinter der Säule stehen. Fotobomber. So furchtbar.

Marienstaute. Portrait im Gegenlicht - im Dobel bei Grafing

Schöner und ruhiger geht es an den Weihern zu, an denen entlang uns unser Spazierweg führt. Zwar sind dort auch Völkerscharen unterwegs, aber für ein paar menschenleere Fotos reicht es schon.
Ich verstehe das. Wieder drängt es sonntags alle nach draußen, es ist wieder dieses merkwürdige Verhalten frischluftbedürftiger Großstädter zur Coronazeit.  Und nicht jeder stürmt die Berge und Seenpromenaden in Münchens Süden, so dass dort genervte Voralbenland-Bürgermeister schon wieder nach Ausflugsverboten kreischen, was sie mit Corona begründen , als wäre das Infektionsgeschehen ihre eigentliche Sorge und nicht das hemmungslose Zuparken der Orte, das Verkehrschaos an jedem Wochenende und die Überflutung ihrer ländlichen Beschaulichkeit durch die Städter.Ein kleiner Bachlauf

Wie auch immer. Nicht mein Poblem!
An den Teichen zeigt sich auf der Schattenseite eine erste, hauchdünne Eisschicht. Still, tiefblau den Himmel reflektierend liegen die Gewässer vor mir. Totholz am Ufer, ein Spiel von Licht, Schatten und Farben – ein gigabyte-schwerer Foto-Exzess folgt. Anderes war auch nicht zu erwarten. Und ja – ich bin mit meiner Ausbeute einigermaßen zufrieden.

Am Weiher - eine dünne Eisschicht

Spiegelung des Waldes im Wasser am Weiher

Spiegelweiher heißt übrigens der letzte Teich, den wir an diesem Sonntag passieren
Warum nur heißt es so?
Warum?


 

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