Spazieren statt Schwimmen gehen (#25): Martinssommer im Moor

Als ich am Mitte November im Wetterbericht in den Nachrichten das Wort Martinssommer höre, bin ich irritiert. Ich kann mir zwar sofort etwas darunter vorstellen, das Wort aber kenne ich nicht – auch nicht, als die Wetterfröschin erwähnt, das Phänomen käme durchaus häufiger vor. Wikipedia bestätigt, was ich mir gedacht hatte, der Martinssommer oder Martini-Sommer ist eine „Schönwetterperiode gegen Ende der ersten November-Dekade mit stabilen Hochdrucklagen“.

Und genauso ist es: Der Himmel ist unverschämt blau, die Sonne strahlt und treibt die Quecksilbersäule auf fast 20 °C – zumindest in der Mittagszeit. Halb München und sein Speckgürtel treibt es an die Seen, in die Parks und in die Berge. Denn es ist Wochenende. Da gibt’s nur Eines: Der Stadt entfliehen und den eigenen vier Wänden, der schlechten Stimmung im Lockdown Light ein Schnäppchen schlagen und überhaupt:
Leckt mich doch alle. Ich will raus!Die Alpen im Blick

Gesagt – getan.
Ziel unseres Ausflugs sind die Kendelmühlfilzen südlich des Chiemsees, eines der größten zusammenhängenden Hochmoore in Bayern. Bis 1988 wurde dort Torf abgestochen – zuerst als Bau- und Brennstoff, am Ende, um die schier grenzenlosen Bedürfnisse der Gärtner zu stillen. Mit dem Torfabbau ist gottseidank Schluss, das Moor wird langsam renaturiert, entstanden ist ein Naturschutzgebiet und ein wunderschönes Stück Gegend.Abgestorbene Birken im Moorsee
Behutsam wird das Moor zurückgebaut. Birken, die sich überall ausbreiten, werden immer wieder gekappt, denn sie entziehen dem Moor zu viel Wasser.

Blau über blau - Moorsee, Birken und Berge. Und blauer Himmel. Martinssommer

Jetzt liegt sie still da, die Landschaft. Im Sonnenschein im Martinssommer, und selbst wenn die B 305 und der Ort Grassau nicht mal zwei Kilometer Luftlinie entfernt ist, hat man das Gefühl, irgendwo ganz woanders zu sein – irgendwo in der Tundra vielleicht? Der russischen Weite?
Oder den schottischen Highlands?

Spaziergänger treffen wir, Radfahrer, Familien, Wanderer – es ist auch dort nicht gerade leer, aber eben doch nicht so überlaufen wie die Uferpromenaden der Seen. Und mit etwas Phantasie kann man sich die Leute wegdenken, mit noch mehr Phantasie sich selbst ganz woanders hin und mit ein wenig Geschick auch um die Leute drum herum fotografieren. Und wenn es nicht Geschick ist, dann ist es Geduld.
Birken säumen den Weg durchs Moor

Die Kendelmühlfilzen sind ein Traum für jeden, der gerne draußen viel fotografiert. Motive gibt es in Hülle und Fülle. Hier eine kleine Auswahl:

Vertrocknete Blüten Schilf im Gegenlicht - MartinssommerGräser im Moorsee - Martinssommer Sumpf und MoorWaldrebe Birkensamen im Gegenlicht - Martinssommer im Moor Rote Blätter Glitzerndes Sonnenlicht - Martinssommer

Die neue Kamera muss zeigen, was sie kann – bzw. nicht sie allein. Wir beide, wir müssen uns erst noch aneinander gewöhnen. Aber ein Anfang ist gemacht.
An diesem Samstag – im Martinssommer im November 2020.

Tiefblauer See im Moor


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