Eine kleine „Perle“ – der Happinger See

Als ich vor etwa eineinhalb Jahren mit einer Kollegin aus dem Rosenheimer Land übers schwimmen sprach und sie fragte, welches denn ihr Lieblingssee im Chiemgau sei, antwortete sie spontan und ohne nur eine Sekunde zu zögern: „Der Happinger!“
Von dem hatte ich noch nie gehört, auch nicht vom Happinger Au See, dem Floriansee oder dem Hochstraßer See. All diese Seen und noch weitere kleinere liegen zwischen Rosenheim und Raubling direkt am Inn – ehemalige Kiesgruben entlang dem Fluss, wie ich vermute, und heutzutage für die Menschen in Rosenheim ein mit dem Rad leicht zu erreichendes Ausflugsziel.
Fast schon hätte ich all diese Seen wieder vom Schirm genommen, aber im Take me to the Lakes finden zumindest zwei von ihnen ebenfalls Erwähnung. Der Happinger soll der ruhigste dieser Seen sein.
Da ich auf der Suche, mein Ranking von 56 Gewässern rings um München noch gewaltig nach oben treiben will, stehen diese vier Seen jetzt endgültig auf dem Zettel.  Und von den 50 vorgestellten Seen, Weihern und Flüssen im genannten Buch habe ich auch noch einiges abzuhaken. 30 habe ich erst besucht – skandalös.
Auf zum Happinger, dem 57sten meiner Liste, den 31sten, den ich im Buch abhaken darf.
Es knäult und knotet sich auf dem kleinen Parkplatz: Autofahrer, Radler, Fußgänger auf dem Weg von den Liegewiesen zum Wirtshaus. Gut gefüllt sind die Wiesen, wen wundert’s? Niemand hat mehr große Lust, zu Hause zu bleiben, das schöne Wetter treibt die Leute in Scharen nach dem nassen, kühlen Mai nach draußen. Wer kann es ihnen verdenken?
Wenn es hier am ruhigsten zugeht, dann möchte ich nicht wissen, wie es sich am diesjährigen Fronleichnahmstag an den anderen Seen stapelt.

Happinger See - Nordufer mit Wirtschaft und Badeplatz

Dreht man sich aber um und schaut über den See Richtung Süden mit dem verheißenen wunderbaren Ausblick, sieht die Welt schon ganz anders aus:Happinger See: Blick nach Süden auf die Berge

Einige Kinder planschen am Steg, ein paar hartgesottene Senioren schwimmen ein gutes Stück – die mittlere Generation beschränkt sich allerdings darauf, schnatternd im kühlen Wasser zu stehen und zu zaudern. Ein paar junge Erwachsene wagen ein paar Züge, kehren dann aber wieder um. Der See gehört fast ausschließlich den Stand-Up-Paddlern, einem Angler im Ruderboot, zwei Stockenten, einer Blässhuhn- und einer Kolbenentenfamilie.
Und mir.
Was zu beweisen mir das obligatorische Ich-war-da-und-drin-Selfie abnötigt.
Selfie im Happinger See

Es geht nach Süden, den Bergen entgegen. Bilderbuchwetter, Bilderbuchausblick, Bilderbuchsee, Bilderbuchberge, Bilderbuchleere, Bilderbuchnatur. Es ist – so vermelde ich den lieben Menschen in den sozialen Netzwerken – alles wieder mal ganz furchtbar mit diesen Feiertagen dahoam. Nur schwer zu ertragen das Ganze.

Die Berge, der See

Ich bleibe auf respektvollem Abstand vom Ufer, denn überall liegen umgestürzte Bäume und wie bei Eisbergen weiß man, dass nur ein Bruchteil der Krone aus dem Wasser heraustagt. Viel Geäst ist darunter und für Schwimmer nicht gut zu sehen. Von so manchem Stamm ragt gar nichts an die Wasseroberfläche und ich möchte nicht unbedingt beim Kraulen dagegen knallen – im Zweifel nämlich ist sein Holz härter als das meines Kopfes.

Totholz am Ufer des Happinger Sees

Gelegentlich aber zieht es mich doch ans Ufer – wenn ich mit Kamera schwimme, rückt das Fotografieren mehr in den Vordergrund als das Schwimmvergnügen, vor allem bei Gewässern, die ich das erste Mal besuche. Es ist einfach schön – schwimmen, schauen, wieder ein Stück schwimmen, dann wieder schauen. Satt sehen geht kaum. Mit sportlichen Schwimmen hat das wenig zu tun, aber dafür bin ich auch nicht hergekommen, dafür kann ich ins Freibad gehen.

Äste über Wasser
Ich nähere mich den Baumleichen, die interessante Motive über und unter Wasser abgeben.

Äste unter Wasser

Noch mehr Totholz

Manchem Baum am Ufer fällt es nicht schwer, seine Zukunft vorherzusagen: Dieser hier wird einer der nächsten sein, der im Wasser landet. Aber sicher nicht in dem Moment, in dem ich unter ihm hindurchkraule. Also los.

Baum in Schräglage

Vom Südufer aus ragt eine etwa 250m lange Halbinsel  ins Wasser, ich schwimme erst auf der Westseite an ihr vorbei bis zum Ende, dann zurück auf die andere Seite. Den Schlenker samt Ausblick auf den Wendelstein, über dem sich sie Wolken türmen, nehme ich auch noch mit.

Das Südufer des Sees

Danach geht es wieder nach Norden, zurück zum Ausgangspunkt und zu dem Getümmel am Badeplatz. Auf dem See selbst ist davon so gut wie nichts zu merken. Noch ist das Wasser wohl den meisten etwas zu frisch.

Einfach idyllisch: Der Happinger See

Recht hat sie, die Kollegin, den Happinger See so zu loben.
Und was eigentlich als „Füllstoff“ für mein Ranking gedacht war, der 57ste See, hat sich als kleine Perle entpuppt.
Wir sehen uns wieder, Happinger See. Das ist gewiss. Und Deine Nachbarn klappere ich auch noch ab, zumindest die größeren, in denen man gut schwimmen kann.


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1 Antwort

  1. Manni sagt:

    Toller See und die Unterwasseraufnahme gefällt mir auch ! Sehr schön auch in der Ferne die Bergkette. Wenn man ihr entgegenschwimmt
    macht es doch gleich mehr Spaß !

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