Bunt gegen Braun auf der Demo in Erding

„Auf geht’s zur Demo ‚Bunt statt Braun‘ in Erding mit passendem Leibchen. Unter Pulli und Jacke wird man es zwar nicht sehen können, aber heute trägt es sich nun mal besonders gut.“
Ich kann es mir nicht verkneifen, vorab in den sozialen Medien und zwar auf all meinen Kanälen einen Post zu hinterlassen und eindeutig Position zu beziehen. Denn ich finde es nach wie vor unbedingt notwendig, meinen Beitrag zu leisten, das Narrativ der AfD zu zerstören, dass die schweigende Mehrheit hinter ihnen steht.
Dem ist nicht so, was Millionen von Menschen landauf und -ab auf Kundgebungen demonstrieren. Während sich die AfD nur noch in Hass und Hetze präsentiert, von Deportationen spricht und dabei ein Viertel der Bevölkerung unseres Landes ins Visier nimmt, von Abschaffung des Parteienstaates fabuliert und immer weiter die Masken fallen lässt, zeigen sich mehr und mehr Menschen auf den Straßen.

FCK NZS T-Shirt, Statement gegen braun

Nach München nun auch in Erding und wieder stehe ich inmitten der bürgerlichen Mitte: Familien mit Kindern, Schüler:innen und Student:innen und erstaunlich vielen Menschen der älteren Generation, die sich aufgemacht haben, Zeichen zu setzen. Nicht nur, weil in meinem Landkreis demonstriert wird, sondern auch wegen der Besonderheit dieses Ortes, will ich dabei sein.
Als im Juni Bayerns groteskester Minister Hubsi Aiwanger in Erding an genau gleicher Stelle auf der Demonstration gegen das Heizungsgesetz krakelte „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo endlich die schweigende große Mehrheit dieses Landes sich die Demokratie zurückholen muss“ hatte er wohl nicht im Blick, dass ein halbes Jahr später in ganz Deutschland Leute auf die Straßen gehen, um gegen Hass und Hetze, gegen Rechts im Allgemeinen und die AfD im Besonderen demonstrieren. Menschen, die ein anderes Demokratieverständnis haben als der durch eine ebensolche gewählte Minister; Menschen, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen und die Schnauze voll haben von rechten wie populistischen Parolen, wie auch er sie in schöner Regelmäßigkeit raushaut.

Erdings CSU-Oberbürgermeister Max Gotz lässt es sich nicht nehmen, in seiner Rede auf der Demo „Bunt statt Braun“ genau diese Passage Aiwangers zu zitieren und scharf zu kritisieren: „Das sind genau die Worte, die wir nicht brauchen.“ Und er sagt mit sehr klarer Flanke auch gegen die eigene Partei, vor allem den eigenen Landrat, dass es unser aller Pflicht ist, Menschen, die zu uns kommen und Schutz suchen, diesen Obdach zu geben, Kleidung und etwas zu essen.

OB Gotz vor den Demonstrierenden. Bunt statt braun

Er spricht als einer von sechs Redner:innen. An diesem Nachmittag wird viel vom Kampf für die Demokratie gesprochen, viel von Artikel Drei des Grundgesetzes, von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, die es zu wahren und zu verteidigen gilt.
Dafür stehen wir mit ein paar Tausend Menschen auf dem Erdinger Volksfestplatz. Und es fühlt sich gut und richtig an.

Bunt statt braun - Demonstrantinnen und Demonstranten

Angesichts dieser wie aller anderen Demos müsste mittlerweile jede/m im Land klar sein, was Abschlussredner Benedikt Klingbeil sagt: „Wer jetzt noch AfD wählt macht das nicht als Protest sondern mit vollem Bewusstsein. Niemand muss die AfD zu wählen, weil er mit der Ampel unzufrieden ist, es gibt demokratische Alternativen!“

Fast schon ein Treppenwitz: Die vormalige Kabarettistin und jetzige Schmähschriftenverfasserin Monika Gruber polterte im Juni an dieser Stelle: „Das war heute erst der Anfang. Wir schaffen es nur miteinander, wir helfen alle zusammen.“
Dieser Anfang allerdings entpuppte sich mehr als Rohrkrepierer. Demonstrationen gegen das Heizungsgesetz hat es nie wieder gegeben, es war ein singuläres Ereignis.
Demonstrationen gegen Rechts hingegen gibt es seit Wochen. Mittlerweile haben sich schon 2,5 Millionen Menschen daran beteiligt. Jeden Tag wird demonstriert. Was in den Großstädten begann, hat längst die kleineren Gemeinden erreicht. Auch Erding, Ebersberg, Landshut, Freising, Ingolstadt, Rosenheim…

Bunt statt braun - Menschenrechte statt rechte Menschen auf einem Schild

Es war klar, dass umgehend zu beiden Demos der Vergleich gezogen wird. Ja – es waren deutlich weniger Menschen auf „Bunt statt Braun“ als auf der Antiheizungsgesetzdemo. Die aber hat ihre Klientel auch aus ganz Ober- und Niederbayern zusammengeholt – weil es eben eine einzige Veranstaltung war und nicht wie dieses Mal gottseidank „nur“ eine von zig Dutzenden Gemeinde an Gemeinde.
Unf ich möchte gar nicht wissen, wie viele mittlerweile angesichts der Aiwangerschen Entgleisungen und der überaus deutlichen AfD-Präsenz im Juni sich längst schämen, dabei gewesen zu sein…

 Bunt statt braun. Demonstrierende Menschen. Ein Schild. "Zurück in die Vergangenheit? Ich bleib hier"

Ich bin übrigens immer wieder fasziniert, wie vielfältig, wie intelligent, pointiert, wie witzig und kampfbereit die Schilder sind, die die Menschen mitbringen. Aber das Schild des Tages hat E. dabei, eine enge Freundin:

Pappschild: rechts wird nur gestrickt

Vielfach fotografiert. Auch von mir.


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