Statt einer Weihnachtsansprache: Das ganze Jahr nichts erlebt? Bullshit

Das ganze Jahr nichts Großartiges erlebt?
Kennen Sie diese Larmoyanz? Haben Sie die auch so satt?
Dieses Gejammere dieser bestimmten Sorte Menschen, die ihr Leben auf der Überholspur verbringen, von Party zu Party düsen, von Event zu Event… Brunchen, Shoppen, Kino, Konzert, Feiern, Feiern, Feiern. Dazwischen Urlaub, Urlaub Urlaub: Fernreisen, Pauschalreisen, Kreuzfahrten.

Zum Ausgleich ins Fitti, Gym, Studio.

Nein – es ist so schrecklich. Das ganze Jahr haben sie nichts erlebt und klagen darüber. Sie „vegetieren“ auf sich selbst zurückgeworfen in ihren eigenen vier Wänden, am Arbeitsplatz (wer nicht in Kurzarbeit ist), treffen niemanden und erleben Nichts. Aber sie kennen alle Netflix-Serien, alle neuesten Spotify-Playlists, alle Online-Casinos, sofern sie in Schleswig-Holstein leben, und alle Video-Spiele.
Es muss furchtbar sein, wenn man mit sich und seiner Zeit nichts anfangen kann, weil die Corona-Pandemie und die Lockdowns unser Leben und unseren Alltag in all seinen Möglichkeiten massiv begrenzen.

Freilich: Es gibt auch andere, die alles Recht dieser Welt haben, zu jammern, zu klagen, sich zu beschweren: Erkrankte, Angehörige Verstorbener, Menschen in der Pflege, Ärzte, Menschen in durch die Pandemie ausgelöster Existenzangst.
Wer wäre ich, darüber zu urteilen, ob da wer zu Recht sein Schicksal anklagt?

Aber die anderen – die fortwährend laut krakeelen, wie ihr Leben ohne Zerstreuung, Animation, Rudelbildung, Weihnachtsmarkt und Glühwein, Personal Trainer und Co., Nagelstudio und Thai-Massage so inhaltsleer geworden ist, die auf all das angewiesen sind, und jetzt nichts davon zur Verfügung haben, die gehen mir gehörig auf den Geist Und ehrlich: Ich kann es nicht mehr hören.

Ich bin bisher gut durchs Jahr gekommen und viele andere, von denen an dieser Stelle die Rede ist, hätten das auch schaffen können, wenn sie es nur gewollt hätten: Statt fortwährender Larmoyanz über die Öde sich den Gegebenheiten anpassen und neue Wege und Betätigungsfelder suchen.

Schaue ich zum Beispiel meine Bildergalerien auf der Festplatte oder der Blog-Mediathek durch, stelle ich fest: So viel wie dieses Jahr habe ich lange nicht fotografiert. Ein Teil ist sicher der neuen Kamera geschuldet, aber ich habe auch vorher exzessiv Bilder gemacht.
Viel mehr als früher. Zum Üben, zum Experimentieren, zur Verbesserung meines fotografischen Blicks.
Die Bilder zeigen (mir), dass ich auch 2020 enorm viel Schönes und Spannendes erlebt habe. Ja, es war anders. Aber es war auch sehr vielseitig. Es war anspruchsvoll, aber es war auch lehrreich. Das gilt mitnichten nur für das Hobby des Fotografierens.
Natürlich: Ich war frustriert und sauer über viele Einschränkungen wie Schwimmbadschließlungen, hatte zeitweilig wie Tausende anderer eine Scheißfrisur und konnte mich nicht in baumärktliche Kaufräusche stürzen. Der Urlaub, der uns hätte auf den Balkan führen sollen, fiel aus, Oper-, Ballett- und Konzerttickets waren plötzlich hinfällig, Kino nur noch sporadisch besuchbar. Ist halt so, es hat geholfen, mich und andere zu schützen.

Noch einmal: Uns geht es verdammt gut: Wir haben einen Wald hinter dem und immer ausreichende Mengen Klopapier im Haus. Damit ist das Wichtigste doch vorhanden. Noch vor den offiziellen Jahresrückblicken habe ich in diesem Blog eine willkürliche Auswahl an Fotos, die 2020 entstanden, zusammengesucht.

Vielseitig, bunt, mit Geschichten und Erlebtem behaftet, mit den Freuden des Alltags – auch ohne Fernreise und jedes Wochenende Remmidemmi. Das ganze Jahr nichts erlebt?
Bullshit. Ich muss nur meine Ansprüche nachjustieren, aber das sollte man sowieso mal wieder.

Eventuell sollte der eine oder die andere auch neu definieren, was es heißt, etwas zu erleben. Und aufhören mit dem Gequengel und Xundbleim!

Meine Vorschläge für Erlebbares (und 2020 Erlebtes) in einer kleinen Bilderfolge:

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2 Antworten

  1. Linsenfutter sagt:

    Obige Meinungen und Typen prallten bei mir ab wie das Wasser beim Duschen.
    Schlimmer sind die Besserwisser und sich an keine Regeln halten, selbst wenn es um
    die Gesundheit anderer Menschen geht.
    Frohe Festtage und viele Grüße aus Hamm.

  2. Geli Jell sagt:

    Vielen Dank für die wunderbaren Fotos 😃

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