(Bretagne #8) – Wie im Märchen: Das Chateau La Roche Jagu

Hoch über dem Ufer des Flusses Le Trieux thront das Wehrschloss La Roche Jagu, ein beeindruckendes Renaissancegebäude normannischen Ursprungs. Von dort hatte der Burgherr einen guten Blick über alles, was sich den Fluss auf- und abwärts bewegte, konnte den Handel kontrollieren, daran mitverdienen und war gut geschützt. Erst rund 12 Kilometer weiter flussabwärts befindet sich das offene Meer und die Küsten waren nach dem Ende des Mittelalters alles andere als sicher. Wer aber mit der Flut den Trieux hinauf segelte, der wurde schon von weitem gesehen – ob Freund oder Feind.Windungen des Trieux unterhalb des Schlosses

Im Zweifelsfall reichte es im Hinterland, das schwere Fallgitter herabzulassen, die Pforte zu schließen und das Wehrschloss war kaum mehr einnehmbar. Daher fehlt es dem Wehrschloss an nahezu allen weiteren Befestigungsanlagen, wie man sie ansonsten von Burgen kennt: Hohe Mauern, Gräben, Brücken, Zinnen.

Es ist ein imposantes und wunderbar erhaltenes Gebäude, das heute Besuchern sein Tor öffnet und einen höchst interessanten Einblick erlaubt in das adelige Feudalleben auf der Schwelle zur Neuzeit. Eine kleine französisch- und englischsprachige Ausstellung und Audioguides (auch auf deutsch) informieren, wie die Menschen im Chateau gelebt haben.

La Chateau la Roche Jagu - ein Wehrschloss

Über das Schloss mit seinen 19 Kaminen selbst finden Sie viele Informationen in den einschlägigen Reiseführern und Internetportalen. Das muss also an dieser Stelle nicht alles wiederholt werden.
La Chateau la Roche Jagu - stolz über dem Tal erhoenWie vieleSehenswürdigkeiten ist auch das Chateau am Trieux ein Anziehungspunkt für Besuchermassen. Wir aber haben relativ Glück, der Tag ist eher trüb, die Hauptsaison hat noch nicht begonnen, es hält sich also in Grenzen mit fremden Menschen, die meine Fotografierlust arg beeinträchtigen könnten. Manchmal aber stören wenige mehr als Massen. Wie immer ist es ein zähes Warten. An Punkten mit interessanten Blickachsen dauert es trotzdem oft geraume Zeit, bis dieser eine Mensch, der einzige, der gerade den Weg entlang tritschelt, endlich aus dem Bild verschwunden ist – ein Thema, das hier in der Bretagne-Reihe ja schon öfter zur Sprache kam. Es wird nicht besser und vermutlich auch für die Leserinnen und Leser langweilig, wenn ich unentwegt darüber jammere, dass mir andere Leute im Bild herumstehen…
La Chateau la Roche Jagu - für eine Sekunde kein Mensch wwit und breit

Aber irgendwann ist es dann für ein paar Sekunden soweit. Klick, Klick, Klick. Nächste Perspektive, nächstes Motiv, nächste Blickachse. Draußen wie drinnen.

La Chateau la Roche Jagu - der obere Wehrgang
Dem Schloss schließt sich ein wunderschöner, weitläufiger Park an, ein steiler Weg führt hinab bis zum Ufer des Flusses. Hochnebel und Wolken hängen über dem Tal, die Sonne lässt sich nur spärlich sehen. Genau das richtige Wetter, um zwischen den Bäumen in kleinen, verwunschenen Wäldern, endlosen Reihen an Kamelien (die gerade nicht blühen) entlang zu spazieren. La Chateau la Roche Jagu - der Trieux im TalIch mag diese bretonischen Parkanlagen und Landschaftsgärten, sie halten eine wunderbare Balance zwischen arrangierter Wildnis und gepflegter Anlage. Es hat eine ganz eigene Ästhetik, die voller Überraschungen und Abwechslungen steckt, voller liebevoller Details, voller merkwürdiger Ideen.
Natürlich haben überall Gärtner die Hand im Spiel, das sieht man dem Park an, der gut die Kulisse für einen Märchenfilm abgeben könnte. Immer wieder hat man den Blick auf das Schloss, immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven, an vielen Stellen wurden kleine Podeste und Plattformen geschaffen, von denen man hervorragend fotografieren kann.La Chateau la Roche Jagu - wie im Märchen
Ein Teil des Gartens enthält zahlreiche Teiche, wäre es dem Märchen nach nicht ein Brunnen, man könnte fast vermuten, dass hier irgendwo ein Froschkönig daheim ist. So mag der Park anderen eine Heimstatt bieten.

Wasser tritt unvermittelt aus farnbewachsenen Bruchsteinwänden, plätschert in ein ansonsten giftgrün überzogenes Bassin.La Chateau la Roche Jagu - ein Bassin im Park
Der Park am Roche Jagu ist ein Eldorado für alle, die sich für Gärten begeistern können und auf der Suche nach Inspirationen sind. Ein wohltuender Kontrapunkt gegen die zunehmende Vielzahl der Gärten des Grauens, wie sie die gleichnamige FB-Gruppe zeigt: Zugeschotterte Steinwüsten im immer absurderen Dekowahn.

Aber auch für alle, die eine Liebe zum Detail pflegen, denn an gärtnerischen Details mangelt es rings um das Chateau nun wirklich nicht. Es gibt so vieles zu entdecken: Sonderbare Sitzmöbel, Wasserrinnen, Weidenhecken, Fontänen, Bassins… und immer wieder das Schloss, das über allem thront. Alles ist irgendwie sehr märchenhaft, nur eben ohne den hollywoodartigen und disneymäßigen Glitzer und schrill-pinkfarbenen Zuckerguss.
La Chateau la Roche Jagu - Wasser sprudelt hervor
La Chateau la Roche Jagu - ein anderes Bassin
Nach ausgiebigem Rundgang durch die Parkanlagen kehren wir zum Parkplatz zurück. Ein künstlicher, kleiner Hügel mit sorgsam spiralförmig geschnittener Hecke erregt unsere Aufmerksamkeit.  Das nehmen wir noch mit, und dann geht es weiter.
Ein Pfad führt hinauf auf den kleinen Hügel, oben angekommen haben wir noch einmal einen Blick auf das Chateau Roche Jagu. Ein Traum – auch ohne die Schöne und das Biest.La Chateau la Roche Jagu - zauberhaft

 

Im  Februar folgt der Beitrag: Bretagne (#9) – Wanderung nach Beg an Fry , immer der Nase nach


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