Bretagne (#5) – Am Gouffre, den Schlund vor Augen

Ja, ich gebe es zu. Dieses Foto am Gouffre habe ich digital manipuliert.  Angekündigt hatte ich das ja bereits in Teil #4 der Bretagne Serie, dass ich so etwas mal tun wollte. Die Manipulation war zeitaufwändig und nervig und ist nicht mal besonders gut geworden. Aber hier ging es nicht um ein großartiges Bild. Hier ging es nur ums Prinzip. Und es geht darum, dass ich es einfach wissen wollte. Wie könnte es ausschauen? Am Gouffre - das Haus zwischen den Felsen ohne Auto
Jetzt weiß ich es. Manipuliert ist freilich dabei nicht, dass ich das Haus zwischen die Felsen gequetscht habe. Das Haus gibt es nämlich wirklich. Es ist das La Maison Entre Deux Rouchers oder auch La Maison du Gouffre. Man findet es nördlich von Plougescrant am Rande eines kleinen Naturschutzgebiets am Nordende der Côtes d´Armor. Das Haus ist weltberühmt, es wurde und wird endlos fotografiert, was die derzeitige Besitzerin kolossal nervt. So sehr hat sie sich über den nicht abreißenden Strom der Fotografen und Touristen geärgert, so las ich in unserem Reiseführer (Affiliate Link), dass sie mittlerweile fortwährend Fahrzeuge vor die Tür stellt, die die Sicht auf das Haus zwar nicht blockieren, das Haus als Fotomotiv aber weitaus weniger reizvoll machen. Es ist eine ungemein kindische Art, Fotografen und Touristen zu ärgern.
Aber so leicht lasse ich mich eben nicht ärgern. Ich doch nicht.

Zudem hat sie, so erfahre ich ebenfalls aus unserem Reiseführer (Affiliate Link), einen Anwalt damit beschäftigt, Veröffentlichungen der Bilder des Hauses zu verhindern (oder sich vielleicht bezahlen zu lassen, wer weiß das schon?), was in Frankreich offenbar möglich ist. Panoramafreiheit für Fotografie ist eben ein nicht zu unterschätzendes Gut, das nicht überall so gehandhabt wird wie bei uns. Panoramafreiheit nehme ich übrigens an dieser Stelle in Anspruch, weil ich als natürliche Person das von  mir gemachte Foto in meinem Blog verwende, und mein Blog hat keinen kommerziellen Charakter. Aber das ist ein anderes Thema…

Manipuliert also ist, dass ich die vor dem Haus stehenden Autos kurzerhand „umgeparkt habe“. Die Versuchung war zu groß, es einmal so zu zeigen, wie man es normalerweise wohl nicht  zu sehen bekommt, solange Madame Eigentümerin sich im Einschnapp-Modus befindet. Und das tut sie seit Jahren.
Ublicherweise kehrt der fotografierende Urlauber nämlich mit einem Bild nach Hause zurück, in der Autos zu Foto Bombern missbraucht werden.Am Gouffre - das Haus zwischen den Felsen

Nun gibt es an dieser Nordspitze der  Côtes d´Armor in der Nähe des Schlundes auch viele andere hübsche Häuser zu sehen, nur sind die eben nicht annähernd so pittoresk wie das am Schlund. Hier ein paar Häuser, die zu fotografieren ich mir ebenfalls erlaubt habe:

Am Gouffre - ein anderes HausAm Gouffre - ein anderes Haus

Der Schlund selbst, Gouffre, der dem Haus und dem Ort den Namen gab, ist eine Spalte zwischen zwei Granitfelsen. Unaufhörlich tost das Meer hinein. Mal mehr, mal weniger heftig, je nach Witterung, Windrichtung und Gezeitenstand. Es gluckert und gurgelt, es ist ein Brodeln und Zischen in diesem engen Kessel.

Am Gouffre - FelsspalteAm Gouffre - was eine Aussicht

Am Gouffre - der SchlundAm Gouffre - der Schlund
Klar, dass wir uns diesen Ort auf unserer Bretagne-Reise nicht entgehen lassen.
Gleich am ersten Tag zieht es uns zum Geouffre.
Fasziniert beobachte ich eine deutsche Urlauberfamilie, die wie viele andere, oberhalb des Schlunds in den Granitfelsen herumkraxelt. Angelockt wurde sie von allerlei Versprechungen der Familienmutti, die das sogar unumwunden zugibt, dass sie einen Trick angewandt hat, um ihre Familie hierherzubringen. Keine Ahnung, was sie versprochen hatte, aber die pubertätige Tochter fühlt sich betrogen, gibt sich mächtig motzig und ich bin einmal mehr froh, dass meine Töchter längst ohne uns Urlaub machen und uns diese Diskussionen erspart bleiben.
Der Grundschulsohn hingegen steht  mit Papas Spiegelreflexkamera um den Hals einen Schritt vor dem Abgrund, was Mutti plötzlich mächtig nervös macht, so dass sie Papi auffordert, den Filius doch endlich bitte festzuhalten. Der zeigt sich mittlerweile genervt von der Grundstimmung in der Familie, so dass das ganze Geschwader endlich abrückt. Dass alle vier auf blankem Felsen in Flip-Flops unterwegs sind, bedarf jetzt keiner tiefer gehenden Erörterung.
Am Gouffre - der Schlund

Festes Schuhwerk ist an dieser Stelle durchaus angemessen. Aber das ist es, wenn man auf Felsen herumklettert, eigentlich immer.

Die Aussicht ist gigantisch – fast unwirklich. Der Küstenabschnitt gehört zum westlichen Ende der Granitküste Côte de Granit Rose, von der in diesem Blog noch öfter die Rede sein wird. Einen tollen Artikel über diesen Küstenabschnitt lesen Sie auch bei Ben Schreck auf der Seite Bretagne-Reisefieber.
Schroff ragen die rotbraunen Felsen bis ins Meer hinein, bei Flut sind einige von ihnen kaum mehr zu sehen.Am Gouffre - GranitküsteAm Gouffre - GranitküsteDirekt hinter der Felsküste erstreckt sich eine wunderschöne Heidelandschaft, ein kleines Naturschutzgebiet, das zu einem Spaziergang einlädt. Anders als in der Abtei de Beauport ist es hier – trotz zahlreicher Menschen, die die Wege bevölkern – kein Problem, an diesen vorbei zu fotografieren. Was ich auch reichlich gemacht habe. Manchmal, wie bei dem oberen Bild, hat man dann am Ende doch jemanden auf dem Foto. Allerdings so winzig und unbedeutend, dass ich die Frau, die sich gerade zum Baden zwischen den Klippen fertig macht, nicht aus dem Bild herausgenommen habe. Zweimal Autos aus dem ersten Bild wegmanipulieren: Das reicht.
Am Gouffre - Natur purAm Gouffre - Natur purAm Gouffre - Natur pur

Es wäre aber auch viel zu aufwändig gewesen, Wandervögel in Trekkingsandalen, Jack-Wolfskin-Jacken oder Multifunktionskleidung von North Face allesamt aus den Bildern herauszuretuschieren. Das Auto vor dem Haus – das reicht…

Mehr von der Côte de Granit Rose dann auch im kommenden Monat hier im Blog.

Die Bretagne-Serie (bisher erschienen):

Bretagne (#1) – Ein Fragment vom Kanal
Bretagne (#2) – Bei den Basstölpeln an der Île Rouzic
Bretagne (#3) – Das Vallée des Grands Traouïero: Ein verwunschenes Tal
Bretagne (#4) – Die Abbaye de Beauport – Romantik in Ruinen
Bretagne (#5) – Am Gouffre, den Schlund vor Augen
Bretagne (#6) – Am Leuchtturm am Pfad der Zöllner

Und als Specials:
Blogparade: ‚Europa und das Meer‘ – Lasst uns leben! Bilder aus den Aquarien von Brest und Trégastel
Buxenparade (Teil 18): Bretonisches Jammern
Ab in die Bretagne, ein Urlaub ohne Schildkröten. Oder auch nicht. (In einem anderen Blog veröffentlicht)
Im Terrarium und Vivarium von Kerdanet – ein liebevoller, kleiner Reptilien-Privatzoo (In einem anderen Blog veröffentlicht)


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