Spazieren statt Schwimmen gehen (#17): Die gestörte Idylle

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Wenn’s von der Autobahn dröhnet
und der Nachbar stöhnet,
ist’s vorbei mit der Ruh…

– Anonym nach Goethe –

Man kann es nicht anders sagen: sie ist laut, die neue Autobahn, die Anfang des Monats eröffnet wurde und quer durch den Wald hinter unserem Haus verläuft. Dahin ist die Idylle. Was die einen sehnsüchtig erwartet und die anderen lange befürchtet und bekämpft haben, ist nun eingetreten. Die A 94 wurde um das Teilstück zwischen Pastetten und Heldenstein erweitert. Schlagartig wurde es ruhiger im Dorf. Die Hauptstraße, einst Durchgangsstraße für Tausende von Berufspendlern, ist schier verwaist. Gut für uns, die Anrainer, schlecht für den Nachbarn und seine Tankstelle mit Steh-Café.

Es wurde viel geschrieben und gestritten über die Autobahn. Jetzt, da sie da ist, zieht es Radfahrer und Spaziergänger durch den Wald. Sie wollen sie sehen – sich ein Bild machen von den Betonmassen, die die Landschaft zerstört haben. Und sie wollen sie hören. Ist sie wirklich so laut?

A 94 - Die Idylle ist zerstört

Ja, das ist sie. Das unvermeidliche Grundrauschen hört man schon, kaum ist man ein paar hundert Meter im Wald. Vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, mit Waldromantik und Idylle, die man sich angesichts der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes ohnehin nur herbei reden konnte.
Je näher man kommt, umso lauter wird es – auch an Sonntagen, auch an Tagen, an denen kaum Verkehr herrscht. Um so lauter dröhnen dann die Raser, die mit Fullspeed ihre Penisverlängerung über die Betonpiste knallen lassen.

A 94 - Die Idylle ist zerstört

Sie sind so laut, dass die Ponies, die vom nahegelegenen Hof zum „Autobahntraining“ aufgebrochen sind, scheuen und hektisch werden. Eine Gruppe von drei Tieren wird immer wieder über die Brücke geführt. „Sie müssen sich an den Verkehr und den Lärm gewöhnen“, erklärt eine der Frauen, die die Tiere begleiten. „Was bleibt ihnen übrig?“

Autobahnbrücke über die A94

Da ist was dran – und wieder werden die Tiere über die Brücke geführt, wieder donnert es von unten. Es wird Zeit, in den Wald zurückzukehren, wenigstens einen Teil des Lärms hinter sich zu lassen.

Idylle im Forst - nun ja, etwas

Anderer Lärm empfängt uns am kleinen Weiher. Etwa zwei Dutzend Enten, wohl in der irrigen Annahme, dass wir sie mit altem Brot bewerfen, kommen aufgeregt, streitend und schnatternd heran. Sie suchen das Wasser ab – war da nicht was Fressbares? – streiten und lärmen.

Enten im Teich im Wald

Erst als sie einsehen, dass sie sich getäuscht haben und sich selbst um ihr Fressen kümmern müssen, kehrt wieder etwas Ruhe an diesem einst so durch und durch idyllischen Flecken Erde ein. Wäre das nicht das Grundrauschen.

Ein idyllischer Fleck - das war einmal

Erst mit gehörigem Abstand zur Autobahn verebbt auch das wieder und ich konzentriere mich auf die herbstliche Stimmung im Wald, den angrenzenden Wiesen und Feldern:

Fliegenpilz im Wald

Blüten am Wegesrand - Rest Idylle

Pilz im Wald

Noch hängen Äpfel am Baum - Idylle Landleben

Über das abgemähte Maisfeld weht das Mittagsgeläut der Dorfkirche St. Martin herüber und verspricht doch noch ein wenig heile Welt und glückliches Landleben, eine Quäntchen Idylle.

Abgemähtes Feld - das Dorf

Die Wahrheit freilich sieht anders aus…


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