Riechen Sie das auch?

Schauen Sie mal…
Das kennen Sie doch sicher noch.
Beistift Spitzermüll

Und jetzt schließen Sie die Augen und nehmen einen tiefen Zug durch die Nase. Haben Sie den Geruch auch sofort wieder eingefangen?
Und kommen sofort wieder Erinnerungen an Schulzeiten und Kindertage in Ihnen hoch?
Ich bin, davon war hier schon zweimal zu lesen, ein bekennender Bleistiftfan. Auch wenn ich immer nur zwei bekomme, wenn ich für meine Büroarbeit Bleistifte nachordere und mir deshalb Freund Alex, der meine  höchste Not erkannt hat, längst einen Bleistiftverlängerer geschenkt hat (wo ist das Teil eigentlich, wenn man es braucht? So gehe ich also mit Geschenken u,…) werde ich mir das Schreiben mit Graphitminen nicht abgewöhnen. Das Wenige, das ich noch mit Hand schreiben muss, verfasse ich am liebsten mit einem Bleistift. Nicht, weil ich Angst habe, ich könnte etwas Falsches notieren und mit die Option offenhaltem, das Geschreibsel wieder ausradieren. Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal ein Radiergummi in der Hand gehabt hätte. Ich wüsste, nicht mal, wo ich eins finden würde. Vermutlich hat sich das letzte seiner Art, das ich benutzt habe, längst in irgendeiner Büroschublade zwischen zahlreichen geheimen Schätzen, die man dort aufzuheben pflegt, mit dem Stiftverlängerer verpaart. Im Dunkel fristet das Läufer-Plast-0120 sein Dasein zwischen irgendwelchen Ansteckpins, Notzisblöcken, Lochverstärkungsringen, Lupen, Visitenkartensammlungen.. und was weiß ich noch alles. Eine Büroschublade ist auch nur das Pendant zur Großraumhandtasche, liebe Genderfanatiker.



So gern ich im Falle des Falles einen Bleistift zur Hand nehme, es gibt Momente, da muss ein Kugelschreiber her. Bei Kreuzworträtseln gilt natürlich die Arroganz des Wissenden. Da nehme ich schon immer entgegen vieler gut gemeinter Ratschläge und damit aus purem Trotz, einen Kugelschreiber. Schon meine Oma (die mit den Kastanien, nicht die mit der Sesselfalle) wollte mich immer dazu nötigen. Mein Vater sowieso… Zum Einen, weil man meine Schrift kaum lesen konnte, zum anderen könnte ich mich ja vertun.Aber das war mir von Anfang an egal. Ich bitte Sie: Wer liest denn später in einer Illustrierten das Kreuzworträtel, das ein anderer bereits gelöst hat?
Und selbst wenn was falsch ist: Mir doch egal, dann wird eben ber den falschen Buchstaben einfach drübergekrakelt. Schließlich muss man die Kreuzworträtsel später niemandem vorlegen, der das lesen oder gar korrigieren muss. Wenn ich Leute sehe, die vorsichtig, fast zaghaft Kreuzworträtsel, oder dieses neumodische Zeugs, diese Sudoku, mit Bleistift ausfüllen, lache ich kurz in mich hinein.

Bleistiftanspitzen hat außerdem so etwas wunderbar Symbolisches, fast Spießiges. Es markiert den ersten Schritt anstehender Arbeit ebenso wie das buchhalterische Erbsenzählen. Es hat so etwas Präzises, pedantisch Genaues. Und es riecht so gut. Der Geruch ist markant und unverwechselbar. Er erinnert mich an die Kinder- und Schulzeit, in der wir permanent Blei- und Buntstifte anspitzen (mussten). Es riecht nach dem wohlig überheiztem Kunstraum unseres alten Gynasiums, nach Musikschule, wenn uns der Lehrer in die Notenhefte dauernd reinschrieb, welche Finger wir gefälligst für welche Taste zu nehmen müssten. Es riecht nach Malstunden im Kinderzimmer und Grundschule, nach trocknem Holz und Staub. Wir haben gespitzt und gespitzt. Gerade die weichen Minen der Buntstifte brachen so unglaublich schnell wieder ab. Wahrscheinlich waren sie schon im Stift zig mal gebrochen, besonders geschützt waren die Stifte ja nicht in Opas alter Zigarrenkiste. Da kam dann noch ein ganz besonderer Duft dazu.

Frischen Sie doch auch mal ihre Erinnerungen auf und spitzen Sie doch mal wieder einen Bleistift an. Sie müssen ihn ja nicht benutzen… nur am Spitzermüll riechen.

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