Sechs Dinge, die ich sowieso nicht lese…

Natürlich lese ich keine Bestseller. Schon gar nicht, wenn sie mir intensiv nahe gelegt werden, die müsse ich doch unbedingt… und das würde mir sicher gefallen. Sie kennen dieses Empfehlungsmarketing. Sicher: Diese Hinweise sind freundlich gemeint, trotz all der nötigenden Ratgeberei. Derweil also auf den Spiegel-Bestsellerlisten kaum ein Buch zu finden ist, dass ich gelesen habe, schmökere ich mich durch zahlreiche wunderbare Blogs, die ich abonniert habe.
Und hin und wieder erwerbe ich dann auch Bücher von Bloggern und freue mich auf eine geballte Ladung spannender Texte jenseits des industriealisierten Bestseller-Betriebs. Aber darum geht es hier nicht. Es gibt weitere Dinge, die ich kategorisch nicht lese:

Packungsbeilage

So was macht mich krank

1. Beipackzettel
Dunkel kann ich mich an DNA-Synthese, Zitronensärezyklus und andere hochkomplizierte biochemical pathways aus meiner Schulzeit erinnern. Aber ich bin weder Biologe noch Chemiker geworden; und schon gar nicht Arzt oder Apotheker (zum Leidwesen eines Teils der Familie, denn ich hätte sonst vielleicht die groväterliche Apotheke übernehmen können). Aber was auf den Beipackzetteln der Medikamente, die ich sowieso nie nehme, steht, will ich gar nicht wissen. Erstens verstehe ich es nicht, zweitens macht es schlechte Laune und drittens benutze ich Google. Demzufolge weiß ich von der Tödlichkeit jeder Erkältung für Angehörige meines Geschlechts, habe mindestens einen Tumor, Ebola, Aids und schwere Depressionen, wenn immer ich mich unwohl fühle, weil ich vielleicht zu viel gegessen habe. Natürlich sollte ich die Packungsbeilage lesen, oft genug wird mir das ja im Fernsehen vorgebetet – zumindest, wenn ich das ZDF einschalte und dort in den Werbeblock rausche. Ich tu’s aber nicht. Allein das Lesen des Beipackzettels eines Schmerzmittels (s. Bild) bereitet mir mehr Schmerzen als das Mittel in der Lage ist, zu unterdrücken.
Und wenn ich erst mal die Nebenwirkungen gelesen habe, weiß ich: Das Zeug wird mich langsam töten. Dann könnte ich mich auch sofort umbringen, das hilft auch gegen Schmerzen – und zwar schneller und nachhaltiger als jedes Medikament.

2. Gebrauchsanweisungen von Elektrogeräten
Ich muss das nicht lesen, ich bin ein Mann. Entweder Geräte funktionieren oder sie funktionieren eben nicht. Ein Dazwischen gibt es nicht.
Geräte müssen in ihrer Funktionalität selbsterklärend sein, sonst sind sie Mist. Haben Sie  schon die Gebrauchsanweisung Ihres Autos (ok, das ist kein Elektrogerät) gelesen? Nein?
Na also. Dann wissen Sie ja, was ich meine.
Aber vielleicht haben Sie dann auch ewig danach gesucht, wo die Nebelschlussleuchte einzuschalten ist, wie man den Tempomat benutzt oder was das kleine gelbe warnlicht bedeutet. Vielleicht wissen Sie auch nicht, wie man Sender am Radio programmiert. Aber ehrlich: Das liegt nicht daran, dass wir Männer keine Gebrauchsanweisungen lesen. Das liegt daran, dass die (fernöstlichem – um ein Klischee zu bedienen) Produktentwickler einfach nicht in der Lage sind, selbsterklärende Funktionen zur Marktreife zu bringen. Ganz zu schweigen davon, dass das Deutsch der meisten Gebrauchsanweisungen dermaßen krude ist, dass man sowieso nicht versteht, was man tun soll. Da kann man sich das auch gleich sparen… also das lesen.

Heinz frisst alles

Heinz frisst alles

3. Anzeigenblätter
Ich weiß, wie viel Herzblut teilweise in ihnen steckt, wie viel lokaljournalistischer Anspruch. Aber mich interessieren weder die Jahreshauptversammlungen der Schützenvereine der Region noch die Fußballergebnisse der Kreisklasse. Ich will nichts vom bunten Faschingstreiben in der Seniorentagesstätte wissen und auch nicht erfahren, wann der nächste Babysachen-Basar im Gemeindehaus stattfindet. Anzeigenblätter finden ihren Weg gar nicht erst ins Haus. Auf dem Weg biege ich gleich zu unserer Blauen Tonne ab. Weg damit… zumindest, wenn ich die Zeitungsrolle leere.

4. Steuerformulare
Alles, was nicht auf einen Bierdeckel passt (auch hier bemühe ich eine abgedroschene Phrase), lese ich nicht, oder höchstens flüchtig. Weder die Antragsformulare noch die Bescheide. Ich vertraue meinem Steuerberater. Viele machen das. Er hat namhafte und finanzstarke Klienten. Und er wird das ganze schon ordentlich hinbekommen.
Hin und wieder telefoniere ich mit ihm, und bin froh, wenn ich dann an die Zeitverschiebung denke, denn auf den Cayman Islands ist es ja mitten in der Nacht, wenn ich ihn anrufe. Und ich freue mich ja so, dass er immer so entspannt am Telefon klingt, seit er sein Büro in die Karibik verlegt hat. Nur das Geschrei der Seevögel im Hintergrund und die Limbomusik stören unsere Konversation etwas…

5. Anfahrt- oder Wegbeschreibungen
Warum soll ich das lesen? Sehe ich etwa so aus, wie jemand, der sich nicht auskennt, jemand, der den Weg nicht auf Anhieb findet?
Dank eines gewissen Alters verlasse ich mich lieber auf ein eigenes Orientierungsvermögen als auf Navigationssysteme, darum bin ich auch noch nie auf irgendwelchen abgelegenen Feldwegen, im Fluss bei nicht vorhandenen Brücken oder in Fußgängerzonen gelandet. Ich kann nämlich Verkehrsschilder lesen, Landkarten und Ost- und West unterscheiden. Und so lerne ich blühende Landschaften, abgelegene Ortschaften, verschlafene Vorortsiedlungen und Autobahnen kennen, nur weil ich erst mal losfahre. Ankommen werde ich dann auch… irgendwann mal. Zur Not fahre ich mal rechts ran und frage nach dem Weg. Nicht doch, Männer machen das nicht. Und Nerds rufen Google Maps auf.

6. Nährwertangaben auf Lebensmittelangaben
Meinen Sie, ich will mir fortgesetzt schlechte Laune machen? So langsam kommen mir die Lebensmittelverpackungen vor wie die eingangs erwähnten Medikamentbeileger. Vor kurzem habe ich auf einer solchen Nährwertangabe den Satz gelesen: Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.
Kein Witz! Auf der Verpackung eines Karamell-Cappuchino-Champ-High-Protein-Bars. Das ist so ein Riegel, den Sportler, oder solche, die sich dafür halten, nach dem Ausdauertraining reinpfeifen, weil sie glauben, dadurch den Muskelaufbau voranzutreiben. Das ist so ein synthetisches-techno-konstruiertes Produkt, ähnlich wie Trekkingsandalen. Also eigentlich überflüssig…

Närwertangabe auf einem Schokoriegel

Abführend… so so.

 

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