Blogparade ‚Sammelwut‘: Erfolgreich therapiert?

Im Dampfblogue lese ich einen Beitrag zur Blogparade Sammelwut. Initiiert wurde die Parade von Sarah Gnaß, die den Fashion Library Blog betreibt, in dem viel über Trends, Lifestyle, Schönheit, Mode zu lesen ist, aber auch über Literatur und allerlei Alltagsthemen. Von dem Blog habe ich zuvor noch nie etwas gehört. Das ist nicht weiter verwunderlich, Blogs dieser Thematik bieten für so jemanden wie mich eher wenig Anknüpfungspunkte. Um so schöner, trotzdem über Umwege auf solche Blogparaden aufmerksam zu werden. Denn da ich gelegentlich daran teilnehme, wenn mich das Thema anspricht, lasse ich mich mal wieder anstiften, über Sammelwut zu schreiben. Ich muss mich damit beeilen, denn die Parade endet bereits morgen.

Von Sammelwut, soweit will ich das behaupten, bin ich erfolgreich geheilt.
Der erste und zugleich letzte, bedrohliche Anfall dieser Manie liegt Jahrzehnte zurück – biographisch einzuordnen in der sich zu Ende neigenden Schulzeit und den frühen Studienjahren.
Objekte meiner Begierde waren Miniaturausgaben von Schnapsflaschen. Hunderte kleiner Fläschchen kamen zusammen: Spirituosen aus aller Welt standen erst im Bücherregal, dann in unserer ersten Wohnung ins Wohnzimmer an die Wand. Dachlatte um Dachlatte wurde angeschraubt, Whisky reihte sich an Whisky, Rum an Rum, Liköre an Liköre.
Die Schwelle zur vierstelligen Zahl war bald überschritten – die Wand war voll. Wenigstens ein einziges Foto existiert in einem Album, das Bruchteile der Sammlung zeigt…
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Beim Auszug aus der ersten Wohnung wurden alle Flaschen in Kartons gepackt – anschließend verschwanden diese im Keller der zweiten Wohnung. Dort passte die raumdominierende Sammlung einfach nicht hin.
In die dritte auch nicht, zwei kleine Kinder hätten die Fläschchenparade ohnehin unmöglich gemacht.
Mittlerweile stehen sie auf unserem Dachspeicher, Dutzende Kartons mit den Schnapsfläschchen. Irgendwann mach ich mal tabula rasa und schmeiß den ganzen Scheiß weg. Oder ich verlagere das Problem auf meine Erben. Das war’s dann schon mit meiner Sammelwut. Öfter mal Umziehen oder Umbauen treibt einem das Sammel-Gen ganz gewaltig aus dem DNA-Strang.
Wäre es nicht so, hätte die Rebuy-Plattform Momox nicht erst im vergangenen Jahr reichlich Geld an mich bezahlen müssen. Dafür wanderten dann aber auch Bücher, CDs und DVDs gleich kartonweise an den Wiederverkäufer.
Dass ich trotzdem nahezu alle Bücher einiger Lieblingsschriftsteller im Regal stehen habe, hat nichts mit Sammeln zu tun. Das hängt nicht mit dem Wunsch zusammen, das Werk der Autoren komplett zu besitzen. Ich bevorrate sie nur, weil ich sie gern lese, gern auch mehrmals. Aber es ist keine Sammlung.
Für mich fängt Sammeln da an, wo man versucht, möglichst viele, möglichst unterschiedliche Exemplare eines gleichen Gegenstands zusammenzutragen: Bierdeckel, Kronkorken, Weißbiergläser, Plastiktüten, Parfum- oder Schnapsfläschen, Streichholzbriefchen usw.; ganz einfach, weil man sie besitzen will. Oder es geht darum, bestimmte Sammlungen zu komplettieren – also zum Beispiel alle jemals erschienenen Exemplare einer bestimmten Buchreihe. Das Besitzbedürfnis reicht als Motivation. Nichts muss davon praktischen Nutzwert haben, nicht einmal Dekowert.
Ich weigere mich also, Sammelwut bei mir zu diagnostizieren, nur weil ich alle Tim und Struppi Bände besitze. Wäre es eine richtige Sammlung, würde ich wohl pfleglicher damit umgehen und sie nicht lesen…papier-kram2
Gleiches gilt für Asterix: Es sind Flohmarkt- und Neukäufe, gebundene und nicht gebundene Ausgaben. Obwohl: Schon um der Vollständigkeit halber wird jedes neue Album gekauft. Ein kleines Alarmsignal für triebhaftes Sammeln?
Aber wenigstens werden alle immer wieder mal gelesen.
Nicht einmal die 99 der 100 in den 70er Jahren vom Williams-Verlag aufgelegten Rächer-Comics (heute die Avengers), die ich mir bei ebay mühsam wieder zusammengesucht habe, habe ich gesammelt. Wäre dem so, dann würde ich mit der kalten Schulter zuckend für das fehlende Heft ein kleines Vermögen hinblättern, damit ich die Serie endlich komplett habe. Sammler machen so was – ich nicht. Nie werde ich einen vierstelligen Betrag für ein paar Seiten billiges bedrucktes Papier bezahlen. Aber die, die ich habe, sind sorgsam in Hüllen verstaut. Fast wie bei so ’nem Profisammler.papier-kram3
Und ja: Auch Zeitschriften, die ich regelmäßig lese, schmeiße ich nicht so ohne Weiteres weg – zumindest nicht die Special Interest Mags. Es steht ja so viel Wissenswertes drin in den Magazinen. Tatsächlich habe ich das eine oder andere Exemplar schon aus dem Regal im Schlafzimmer wiieder herausgeholt.
Tja: Und falls Sie glauben, ich könne das Mitgliedermagazin des BVB einfach so nach dem Spieltag in die Tonne werfen – da haben sie sich getäuscht. Ich bringe das nicht über’s Herz. Brauchen tu ich die Hefte nicht mehr… aber wer weiß: Vielleicht ist der eine oder andere Jahrgang irgendwann ja mal was wert. Da lohnt sich doch das Aufheben, oder?
Nein – das tut es nicht.papier-kram1
Zu alptraumhaft sind mir die Stapel der nach Jahrgang sortierten Feuerwehr-, Yacht– und Stiftung Warentest Hefte, die mein Vater jahrzehntelang sammelte, in Erinnerung. Stoß reihte sich an Stoß, ohne dass je eines davon jemals wieder in die Hand genommen wurde. Wer braucht schon Testberichte der Stiftung Warentest, in denen Produkte unter die Lupe genommen wurde, die es schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem Markt gibt?
Irgendwann haben wir sie dann alle weggeworfen. Ein paar Kombiladungen Altpapier waren es, die wir, aus dem Keller holten, zum Container fuhren und versenkten. Mein Vater weiß das bis heute nicht und wird es wohl nicht mehr erfahren. Er geht nicht mehr in den Keller. Und ihm erzählt auch keiner was.
Das war ein befreiendes Erlebnis. Vor allem für die Kellerregale in meinem Elternhaus.
Und unser Dachspeicher?
Kann bitte mal jemand zum Ausmisten vorbei kommen?
Am besten, wenn ich nicht da bin. Sonst überlege ich es mir womöglich noch anders…

1 Antwort

  1. 16. Oktober 2016

    […] mache ich ja bei Blogparaden mit, schreibe über Leidenschaft, München, Sammelwut, Urlaubziele, Stadt oder Land, gegen Rechts,  und was sonst noch so an Themen, die mich […]

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