Lieblingswörter

Die deutsche Sprache verfügt über eine wunderbare Vielfalt an skurrilen Wörtern. product_29695adc-749a-49d7-9ec6-9704a565829f_shadowViele davon stammen aus diesem merkwürdigen Bedürfnis, für alles und jedes möglichst korrekte Fachbegriffe zu entwickeln und diese zu verwenden. „Verbeamtete oder verwissenschaftlichte Begrifflichkeit“ eben. Hier nun stelle ich meine ganz persönlichen Traumwörter zusammen. Ein Wort zauberhafter als das Vorangegangene. Jedes Einzelne begeistert mich immer wieder. Bitte lassen Sie sich diese Ausdrucke auf der Zunge zergehen. Sie sind so klangvoll wie poetisch und doch exakt, verbogen und doch präzise. Nehmen Sie sie ruhig in Ihren aktiven Sprachschatz auf. Es lohnt sich, führt zu fragenden Blicken im Gespräch und hilft, diesen Traumwörtern ihr Überleben zu sichern. Hier also eine sich immer wieder erweiternde Auswahl. So etwas Schönes findet sich eben nur bei uns.
Und ja – ich muss mich gleich entschuldigen, dass so viele Schimpfwörter auf der Liste sind. Aber gerade diese zeugen von der unglaublichen Wucht und Kreativität unserer Muttersprache. die ist dem Vernehmen nach ohnehin extrem schwierig zu lernen. Aber mal ehrlich: Dann kommt es auf die paar Wörter doch auch nicht mehr darauf an:

abhold
Freund Alex verlinkte letztlich diese Seite in einer Facebook-Diskussion um das Wort abhold und brachte damit dieses wunderbar antiquierte Wort zurück aufs Tapet. Wofür ich ihm dankbar bin. Ich sinniere, ob ich, wenn sich die Situation ergibt, mal von einer abholden Schönen sprechen sollte – statt einer holden.

Alternative Fakten
Das muss wohl nicht mehr erklärt werden, es ist salonfähig bis in allerhöchste Regierungskreise. Ich werde mir angewöhnen, in Zukunft alles als alternative Fakten zu bezeichnen, was mir nicht in den Kram passt und nicht meiner Meinung entspricht. Ich bin ja lernfähig. Oder ich nenne es einfach Fake News.

Arschkrampe
Das ist so 80er, so retro. Vollkommen zu Unrecht geht dieses Diffamierungswort den Weg alles Irdischen und verschwindet. Ein aussterbendes Schimpfwort. Das ist so traurig, dass ich mich bemühe, es in Zukunft wieder öfter zu verwenden. Mittlerweile ist es so selten, dass es seine Wirkung heutzutage schon allein dadurch erzielt, dass mich Hörer dieses Wortes erstaunt anstarren. Was hat der gerade gesagt? Das Wort habe ich ja noch nie gehört.

Basstölpel
Eine von vielen Tierarten, der Namen mich vollkommen begeistert. Ach ja: Und die Tiere sowieso.

Bedarfshaltestelle
Hält eben nicht überall, der Zug. Sondern nur bei bestimmten Haltestellen- und nur bei Bedarf. Den anzuzeigen hat der Nutzer, so er auf dem Bahnsteig steht, die Möglichkeit, sich für den Lokführer (heißt das überhaupt noch so), winkend und wild gestikulierend erkennbar zu machen. Mitreisende im Zug benutzen die Haltewunschtaste. Sonst rauscht der Zug durch – was bei dem Tempo der Regionalzüge zart übertrieben formuliert ist.

Belebungsbecken
Das Wort kenne ich aus einer der früheren Folgen der TV-Show Genial daneben. Hella von Sinnen, Bernhard Hoecker und ein paar andere mehr oder weniger witzige dafür umso lautere Zeitgenossen versuchten zu ergründen, um was es bei diesem Wort geht. Lässt man der Phantasie freien Lauf, kann man sich unter einem Belebungsbecken alles Mögliche vorstellen, vor allem viel Schönes. Die Wahrheit ist profaner: Es ist das Kernstück einer biologischen Kläranlage.

bipedal
s. Bipedie

Bipedie
Klingt merkwürdig, oder? Wie so ’ne exotische Krankheit, eine Verhaltensauffälligkeit oder tiefgreifende Entwicklungsstörung. Ist es auch.
Gemeint ist nämlich die Fortbewegung von Lebewesen auf zwei Füßen – das Ganze gehend, laufend oder hüpfend. Vögel machen so was. Und Menschen. Und genau darin liegt die Störung: Der Mensch hätte sich in seiner Entwicklung nie zum Zweibeiner mit aufrechtem Gang entwickeln dürfen…

blümerant
Kennen Sie dieses wunderbar altmodische Wort? Jemandem ist blümerant zumute? Dieses Wort wird vermutlich aussterben. Wie das Blau von dem es erzählt, denn das sterbende Blau „bleu mourant“ liefert die Wortwurzel für diese Gefühlsbeschreibung. Bitte benutzen Sie dieses Wort. Es ist so gediegen.

Bratze / Bratzen
Es klingt so wunderbar viel Abwertendes, Geringschätzung und Vernichtendes in diesem Schimpfwort mit, dass es völlig zu Unrecht viel zu selten benutzt wird. Dabei wüsste ich ad hoc kaum, wem ich das im normalen Leben entgegenrufen könnte. Aber diverse Fernsehsender zeigen ja tagtäglich solche. Bratzen auf allen Kanälen. Das muss reichen.

Breznsoiza
Wenn man nur lang genug in Bayern lebt, dann hört man dieses Schmähwort sicher mal. So richtig bös gemeint ist es nicht, jemanden als Breznsoiza zu bezeichnen, nur weil er nichts anderes kann, als Brezn zu salzen. Oder gesalzene noch einmal nachzusalzen.

Dienstagsarschloch
Eigentlich selbsterklärend, was das ist. Und mittlerweile literarisch verewigt. Noch immer ungeklärt aber ist, warum mir immer dienstags so viele Aschlöcher begegnen. Bin ich dienstags besonders sensibel dafür? Oder kommen die DA dienstags aus ihren Löchern? Oder mutieren normale Menschen dienstags zu Arschlöchern?
Man weiß es nicht, man kann nur vermuten.

Endoplasmatisches Retikulum
„ER reicht!“ sagte damals unsere Biologielehrerin. „Das Wort muss man nicht aussprechen können!“
Nicht? Doch. Selbst, wenn man mit Zellbiologie nichts mehr zu schaffen hat. Es ist einfach schön. Sprechen Sie es einfach zwanzigmal hintereinander fehlerfrei aus. Dann wissen Sie, was ich meine.

erkiesen
Das Verb ist leider schon tot. Schon über 200 Jahre. Das ist betrüblich, denn es ist so passgenau. Viel schöner als: auserwählen. Ein Rest lebt im Partizip II weiter: erkoren. Vielleicht sollten wir erkiesen reaktivieren. Es fehlt mir.

gediegen
Das sagt heute auch fast niemand mehr. Schade eigentlich. Dabei ist gediegen doch Zeichen einer gediegenen Ausdrucksweise.

gegreenlightet
Nein, dieses absurde Beispiel einer Denglish-Phrase gehört nicht hier hinein. Dass ich es trotzdem aufführe, hat nur damit zu tun, dass ich das vor längerer Zeit mal in einem Meeting mit den Werbeleuten des Fernsehsenders Pro7 wortwörtlich so gehört hatte. „Wir können das so machen, sobald unser Chef das so gegreenlightet hatte…“ (O-Ton). Früher haben Chefs einfach ihre Zustimmung gegeben, oder von mir aus Grünes Licht gegeben.
Ich möchte das einfach nicht vergessen wissen, zu welchen sprachlichen Lächerlichkeiten Menschen, die sich für wichtig halten, fähig sind.

Gamifizierung
Habe ich das richtig im Radio gehört? Hat der Herr Professor im Zuge seiner Schilderung über die Therapie von Borderlinern ernsthaft das Wort verwendet? Das ist ja ganz großes Kino – und Denglish noch dazu. Demnächst bitte noch Spielification… Was das ist? Die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext. Ich mag Spiele nicht, aber ich gamifiziere jetzt trotzdem alles.

Gondelkopfplatzierung
Das klingt schon im Deutschen toll, vollends poetisch wird’s im Italienischen: posizionamento sulla testata di gondola. Und so etwas kennen Sie nicht? Dabei laufen Sie bei jedem Einkauf Super-, Bau- oder Verbrauchermarkt zig mal daran vorbei. Verkaufsgondeln, die bei den Regalen vor Kopf stehen. Beste Platzierungen für besondere Verkaufsaktionen. Schon um des Wortes willen lohnt es sich, Produkte aus der Gondelkopfplatzierung zu kaufen.

Haltewunschtaste
Sie möchten die Regionalbahn, den Linienbus o.ä. bei der nächsten Bedarfshaltetelle (auch ein wunderbares Wort) verlassen, also dort, wo das ÖPNV-Gefährt nur hält, wenn Ein- oder Aussteigebedarf herrscht? Dann betätigen Sie bitte die Haltewunschtaste.
Früher hieß das einfach: „Knopf drücken – Bus hält.“

Hausfrauentest
Wie schön, dass das Marketing noch immer mit ein paar deutschsprachigen Wörtern aufwarten kann. Was das ist, lesen Sie hier. Denn in diesem Blogpost habe ich das Wort benutzt und erklärt.

Kanaille
Was für ein reizendes, leider vollkommen aus der Mode gekommenes Wort für solch bösartige Geschöpfe.
Das klingt nach Blumen, Pflegeprodukten, einer Vogelart oder französischen Leckerei – und meint nichts anderes als einen Schuft. Chapeau, liebe Franzosen.

Kawenzmann
Mächtig Masse – von was auch immer. Mehr muss man nicht wissen.

Kokolores
Ich mag Unfug – irgendwie. Wie kann ich da Kokolores nicht mögen?

Kostennote
So etwas schicken nur Anwälte. Sie könnten natürlich auch einfach Rechnungen schicken. Aber nein: Bei Ihnen heißt das Kostennote. Sonst noch wo? Ich weiß es nicht. Egal. Liebe Anwälte, macht weiter damit. Also nicht damit, Kostennoten zu verschicken, sondern diese zu zu benennen. Sonst würde dieses entzückende Wort irgendwann sterben.

Krebbel
Bei uns daheim hießen sie Berliner. Dort, also in Berlin, heißen sie Pfannkuchen. Da wo ich jetzt lebe, heißen sie Krapfen. Aber nirgendwo ist der Name für dieses Gebäck schöner als im Hessischen. Da heißen sie Krebbel. Ein Mitnehmsel aus unserer Zeit in Wiesbaden, dass ich die Berliner Ballen oder Berliner Pfannkuchen, wie das Hefegebäck offiziell heißt, noch immer Krebbel nenne. Mit weichem b. Und nicht Kreppel. Wie es in Wikipedia steht. Was für ein Unfug. Als ob Hessen „p“ aussprechen könnten.

Kundenstopper
Stopp, Kunde. Stehen bleiben. Oder nein: Nicht stehen bleiben. Kommen Sie in unseren Laden. Da gibt es gerade…
Sie kennen diese lustigen Werbeschilder auf den Gehwegen vor den Geschäften? Haben vielleicht schon mal eines umgerannt, sind vielleicht dabei gestürzt. Dann hat der Kundenstopper Sie wirklich gestoppt. Das war aber dann auch zu viel des Guten. Bitte verwechseln Sie aber den Begriff nicht mit Warentrenner oder Warentrennstab.

Kunststoffgliedermaßstab
Das Wort zeigt, wie die Zeit vergeht. Denn früher hieß dieses Werkzeug und Messinstrument einfach Zollstock. Obwohl man damit natürlich nicht in Zoll, sondern immer schon in Metern und Zentimetern Maß nahm. Und er war aus Holz. Aber das Wort Kunststoffgliedermaßstab ist so wunderbar lang – wie ein ausgeklappter Zollstock. Hoffen wir, dass es nicht durchbricht.

Langschnauzenseepferdchen
Hippocampus reidi heißt das possierliche Tierchen, und das gibt es wirklich. Es lebt im tropischen Westatlantik. Kann man Tieren mehr Zärtlichkeit entgegenbringen, als dass man ihnen so wundervolle Namen gibt? Ich will sowas. Sofort.

Leibesertüchtigung
Das klingt viel bürokratischer als das schnöde Turnen oder bayerische Sporteln. Hier haben wir ein typisch deutsches Amtsstubenwort für eine – wie ich finde – eher unangenehme Sache. Es riecht nach Turnhalle, nach Schweiß, nach stickiger Luft, Talk und Linoleum. Nach Kunststoffbällen, Tartanbahn und Sprunggrube. Und es riecht nach Zwang: Nach dem strengen Sportlehrer im Adidas-Synthetik-Trainingsanzug mit Stoppuhr, Klemmbrett und Notenbüchlein. Viele unangenehme Erinnerungen und Assoziationen. Dabei kann doch das Wort gar nichts dafür…

Malheur
Früher war alles besser. Heutzutage ist alles immer gleich eine Katastrophe, ein Desaster. Früher gab es wenigstens noch hin und wieder ein Malheur. Damals, als die Missgeschicke kleiner und die Folgen weniger schwer waren.

Moderlieschen
An sich die langweiligsten Fische (Leucaspius delineatus), die man so im Teich haben kann (meiner Meinung nach). Darum leihe ich mir den Namen für eine ganz bestimmte Klientel Mitmenschen, für die ich eine heimliche Sympathie hege, obwohl sie eigentlich furchtbar nerven. Warum? Darum!

Mottek
Wuchtig und gewichtig. Einst das aus dem Polnischen vom mlotek übernommene Wort für Hammer und im Ruhrgebiet noch immer der Ausdruck für etwas Großes, Wuchtiges und Gewichtiges. Ein Mottek eben.

ob
„Antiquiert!“ kritisierte mit Rotstift mein Deutschlehrer bei einer Oberstufenklausur die Verwendung des Wortes ob in seiner Ursprungsbedeutung, also als Synonym für „in Folge…“ oder „wegen“. „Ob der Tatsache…“ ist also antiquiert. Sie kennen mein Faible für Reaktanzen nicht, guter Mann. Ich verwende das Wort jetzt erst recht. Und übrigens Jahrzehnte später immer noch. Ob seines antiquiert-gediegenen Anstrichs.

pittoresk
Wörter, die wie gemalt klingen, um Sachverhalte zu beschreiben, die wie gemalt ausschauen – so geht Sprache.

plästern
Dat is, wennet so richtich am regnen tut, sachze?

possierlich
Das Wort habe ich heute noch im Ohr, es schallt aus meiner Kindheit herüber, seit ich es auf der Abenteuerschallplatte Der Schatz im Silbersee gehört habe. Dort schießt der Westmann Tante Droll auf einen schwarzen Panther, den er vorher als possierliches Tierchen bezeichnet hat. Traumhaft.

Reichweitenausgleichfreispot
Werber haben für ihr Metier eine ganz eigene Sprache entwickelt, zumeist durchtränkt von englischen Wörtern. Hier aber hat sich ein urdeutsches Wortungetüm entwickelt. Spots, die der Werbetreibende vom Sender gratis bekommt, weil die zuvor gebuchten Spots nicht die erwartete Zuschauermenge erreicht hat. Hach wie schön… ein weiteres Bandwurmwort. Das geht aber sicher noch länger. Gebt Euch mal Mühe, Werbefuzzis.

Rentnerparanoia
…wurde mir auch schon unterstellt, weshalb ich Selbige hier im Blog thematisiere oder auch hier. Obwohl das Wort nicht von mir stammt, treibt Google bei der Suche danach immer wieder Leser in mein Blog. So selten wird es verwendet, dass die ersten angezeigten Treffer  gleich auf diese Seite verweisen. Wie sollte ich da das Wort nicht mögen?

Rieselhilfe
Salz ist nur Salz, Zucker nur Zucker. Hab ich bisher gedacht. Falsch. In beiden gibt es eine Rieselhilfe, damit sie besser aus dem Streuer kommen. Also Zucker und Salz. Aber es kommt noch besser: Fachleute nennen das Zeug: Antiagglomerationsmittel. Brauch ich auch. Für den Kalk. Der rieselt nämlich auch ganz langsam…

Schallwiderstandsanpassung
Im Radio erklärt ein Physiker, wie Trompeten und Hörner funktionieren. Er erzählt was von Schallwiderstandsanpassung für die bessere Akustik. Physiker eben. Muss man nicht verstehen. Das Wort ist einfach nur deutsch und verschwurbelt.

Scheuertouren
Wie oft muss man mit einem Finger über ein Stück Stoff, z.B. einen Sofabezug hin und her reiben, bis die Faser Schaden nimmt? 60.000mal oder 100.000mal? Alles eine Frage der Scheuerbeständigkeit. Und die wird in dieser wunderbaren Maßeinheit der Scheuertouren definiert.

Schwadronator
Wieso reden? Wieso erzählen? Wieso schwätzen oder babblen? Man kann doch auch schwadronieren. Und wer das tut ist ein Schwadronator. Und sollte durchaus auch als solcher so genannt werden. Was laut Google viel zu selten passiert. Nur 30! Treffer in 0.32 Sekunden, schawdronieren bringt es auf 91.200 Treffer in 0.21 Sekunden. Unverschämt. Anderseits bringt mich die Verwendung des Begriffs bei 30 Treffern im Ranking ganz weit nach oben. Probieren Sie es aus.

semiadult
Dieses Fremdwort hat es mir einfach angetan. Denn ein semiadultes Individuum ist biologisch gesehen in der Zwickmühle. Nicht mehr juvenil, noch nicht subadult und schon gar nicht adult. Halberwachsen wäre vielleicht eine halbwegs angemessene Übersetzung. Gut, dass es das für Menschen nicht gibt. Da spricht man von pubertär…

stieben
Viel zu selten wird dieses wunderbare Verb verwendet. Dabei können Funken stieben, oder ein Fischschwarm ist auseinandergestoben, Staub kann aufstieben oder Mehl beim Backen. Puffffffffff.

streichzart
Gibt es eine schönere Zustandsbeschreibung für Butter als diese? Ich kenne keine. Also #freebutter und #freenutella. Raus mit Euch aus dem Kühlschrank.

Tüpfelsumpfhuhn
Ich gebe ja zu, dass ich den Trivialnamen dieser Rallenvögel (lat. Porzana porzana) gelegentlich zweckentfremde. Aus biologischen Artnamen lassen sich auch großartige Schimpfwörter generieren. Nicht nur Trottellummen, Puffotter oder Schweinswal haben sich bewährt. Warum nicht einfach mal jemandem ein „Sie Tüpfelsumpfhuhn!“ entgegenschleudern? „Sie grünfüßiges…“

umschwänglich
Selbstverständlich weiß ich, dass umschwänglich eine „falsche“ Wortbildung aus umfänglich oder umständlich und überschwänglich ist. Trotzdem bin ich erschüttert, dass die Autokorrektur von Word das Wort nicht kennt. Das digitale Synonymwörtbuch bietet mir „umgänglich“ an. Auch Google schlägt mir vor, lieber „erschwinglich“ zu suchen. Was für ein Unfug. Nur, weil Ihr das Wort nicht kennt, heißt es nicht, dass es das nicht gibt. Ich werde das jetzt öfter benutzen. Bis ihr das versteht, dass es dieses Wort durchaus gibt und seine Daseinsberechtigung hat. Das könnte ich jetzt umschwänglich erklären, tu ich aber nicht.

Ungedanken
Gibt es die überhaupt? Ich weiß es nicht. Ist auch egal. Ich mag das Wort trotzdem. Und zumindest gibt es einen Ort, der so heißt. Und dort hält bei Bedarf an der Bedarfshaltestelle sogar ein Zug. Es gibt sogar so etwas wie einen Bahnhof. Und ein Schild.Meine Lieblingswörter - beschildert

Vergesellschaftung
Das kann man soziologisch, ökonomisch oder biologisch definieren. Gemeint ist biologisch, wenn ein Individuum oder eine Gruppe in eine existierende Gruppe eingliedert wird, also ich zum Beispiel mich in einem vollgepacktem Wartezimmer mit anderen Patienten vergesellschaften muss – oder vergesellschaftet werde.

vermaledeit
Will man gediegen fluchen, warum nicht mal mit dem Adjektiv vermaledeit. Es muss ja nicht immer alles verdammt, beschissen oder endsübel sein.
Was ich an dem Wort aber besonders mag: Theoretisch ließe sich ein Komparativ, ja sogar ein Superlativ bilden. Aber es ist einfach sinnlos.

Verrichtungsbox
Wenn Sie wissen, was das ist, ok. Wenn nicht, dann googeln Sie es. Aber man kann dem Beamten, der vermutlich dieses wunderbar uncharmante Wort erfunden hat, nur gratulieren. Wie sonst hätte man diese ebenso uncharmanten Bretterverschläge nennen sollen?

Verschwurbeln
Ja gerne: Sätze, Texte, Sprache. Verwirbeln, verdrehen, durcheinanderbringen, verkünsteln – eben verschwurbeln.

Vorzugsfahrtschlüssel
Haben Sie schon mal eine Vorzugsfahrt genossen? Das klappt nämlich nur, wenn Sie diesen Schlüssel besitzen. Mit diesem können Sie die Außensteuerung der Aufzüge blockieren. Der Fahrstuhl fährt dann nur auf die Etage, auf die Sie vorher in dem selbigen gedrückt haben. Zwischenstopps gibt’s nicht. Lehnen Sie sich also entspannt zurück und genießen Sie Ihre Vorzugsfahrt.
Wunderbar.

Wickelfalz
Bitte verwechseln Sie nicht Wickelfalz mit Altarfalz, Leporellofalz, Kreuzfalz oder Fensterfalz. Sie müssen Ihr Papier schon richtig knicken, wenn Sie es auf eine kleinere Größe falten wollen. Dazu gibt’s so viele Techniken… und jede hat ihren ganz speziellen Namen. Am schönsten aber klingt in meinen Ohren Wickelfalz.

wohlfeil
Benutzt dieses Wort heute noch jemand? Versteht das überhaupt noch wer?

Zeitigung
Sie meinen, es ist ein ig zu viel in dem Wort? Es müsse Zeitung heißen? Nein. Die Zeitigung ist der Reifeprozess, in dem etwas entsteht und wächst: Zum Beispiel ein Ei in einem Tier. So hat eben alles seine Zeit und manches seine Zeitigung.

Zipfeklotscha, Zipfeklatscha…
oder wie immer man das versucht, in Buchstaben zu pressen. Denn alle paar Kilometer wird das Wort etwas anders ausgesprochen. Gemeint ist natürlich der Zipfelklatscher – was wohl eines der schönsten bayerischen Schimpfwörter darstellt. Nicht erst seit dem Schuh des Manitu. Was das nun konkret bedeutet, wenn einer auf den Zipfel, Zipfi, Zipfe klatscht, klotscht… das überlasse ich ganz Ihrer Phantasie.

Zisselmann
Krach, bumm, peng. So machen die anderen. Zisselmänner bringen es höchstens auf ein leises Peng, manchmal auch nur auf ein fffffttt. Daher werden sie in Matten gezündet. Oder von Jugendlichen, die die Matten auseinandergefieselt haben,  einzeln angesteckt. Wie gesagt: Mehr als fffffttt kommt selten dabei heraus. Zum Sprengen von Pilzen, die sich irgendwo im Garten aus der Erde gewagt hatten, reichten sie aber allemal.

Zwetschgenmann
Wie kan ich dieses Wort nicht mögen? Immerhin habe ich mein Blog so getauft.


Diese Liste wird nach und nach mit weiteren Traumwörtern gefüllt, wenn ich wieder mal eines höre oder lese.

PS: Die Erklärungen der Wörter sind sicher dürftig. Aber Google können Sie sicher alleine benutzen. Sie sind ja schon groß.

5 Antworten

  1. Rosa sagt:

    Wenn es nur so ein bisschen regnet mit leichten Tropfen, dann wird das „Bieseln“ genannt. Das Wort „Bieseln“ wird aber auch von Kindern oder Frauen beim Urinieren benutzt. „Ich geh jetzt mal schnell bieseln“. Bei Männern hieß das „brunzen“. Allgäu.

  2. Karin Schiel sagt:

    Nette Sammlung! … blümerant!!! wird bestimmt mein nächstes Lieblingswort. Derzeit bin ich dem schwäbischen „Muggaseggele“ verfallen: Das ist die kleinste Maßeinheit der Schwaben.
    LG Karin

  3. Wunderschöne Sammlung!
    Mein Liebling ist zur Zeit der hier bei uns in der Nähe befindliche „Regenüberlaufstauraumkanal“, der schützt uns hier vor Hochwasser. Hätten die Amerikaner nur auch so etwas schönes, sie hätten weniger Probleme mit ihren Tropensturmtiefausläufern …

  4. Schade, daß niemand mehr „Elektronengehirn“ sagt. Ich kaufe mir demnächst ein schickes kleines neues.

  5. MAscha Ludwig sagt:

    HAllo Lutz, ich mag das Wort “ flux“ so gerne…kennst du das?
    lg MAscha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.